Kreis Heinsberg: Qualitätssiegel „Familienfreundlicher Arbeitgeber“ jetzt auch für Unternehmen im Kreis

Kreis Heinsberg: Qualitätssiegel „Familienfreundlicher Arbeitgeber“ jetzt auch für Unternehmen im Kreis

Seit 2011 wird das Qualitätssiegel „Familienfreundlicher Arbeitgeber“ in Trägerschaft der Bertelsmann-Stiftung deutschlandweit vergeben. Am Montagnachmittag besiegelte die Stiftung im Heinsberger Kreishaus eine Vereinbarung mit mehreren Partnern aus dem Kreis und der Region. Sie ermöglicht es, dass dieses Siegel jetzt auch an Unternehmen im Kreis Heinsberg vergeben werden kann.

Neben den Initiatoren, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg (WFG) und dem Kompetenzzentrum Frau und Beruf Region Aachen, sind dies der Kreis Heinsberg, der Zweck­verband Region Aachen, die Agentur für Arbeit Aachen-Düren, das ­Jobcenter Kreis Heinsberg, der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB- Region NRW Süd-West) ­sowie die Industrie- und Handelskammer und die Handwerkskammer Aachen.

Frauenbeschäftigung sei ein Thema, das für den Kreis Heinsberg Priorität habe, betonte Landrat Stephan Pusch in seiner Begrüßungsrede. „Nicht zuletzt im Hinblick auf die Fachkräftesicherung lautet die Zielsetzung, bei der Frauenbeschäftigung aufzuholen.“ Eine familienorientierte Personalpolitik sei ein Mittel, um sowohl mehr Frauen in qualifizierte Arbeit zu bringen als auch den Fachkräftemangel zu beheben. „Wir möchten im Kreis Heinsberg die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern, die Hemmnisse für den Wiedereinstieg in den Beruf mindern, die Frauenerwerbstätigkeit steigern sowie die Wettbewerbs- und Innovationskraft kleinerer und mittlerer Betriebe nachhaltig stärken“, fasste er die Motivation für die Einführung des neuen Siegels zusammen. Er verriet zudem, dass sich bereits drei Unternehmen im Zertifizierungsprozess für das Siegel befinden. Im Frühjahr nächsten Jahres sollen sie es erhalten. „Ich würde mich sehr freuen, wenn die Überzeugungskraft der heute hier versammelten Spitzenkräfte ausreicht, um möglichst viele Unternehmen und Arbeitgeber davon zu überzeugen, dass Familienfreundlichkeit in einem Betrieb kein Hemmnis, sondern eine Trumpfkarte ist“, schloss er.

Dass so viele Partner an einem Strang ziehen würden, sei für sie völlig neu, erklärte Birgit Wintermann, Projektmanagerin bei der Bertelsmann-Stiftung. Um die Unternehmen erreichen zu können, sei es wichtig, mit Partnern in der Region zusammenarbeiten zu können. Die Zielgruppe seien kleine, mittelständische Unternehmen. Und ohne die Partner vor Ort seien diese schwer zu erreichen, wenn es um Aktivitäten außerhalb des Tagesgeschäftes gehe. Vermittelt werden solle diesen Unternehmen zunächst, dass die Zertifizierung nicht aufwendig, auch finanziell erschwinglich sei — und dass die Unternehmen über das Schild an der Wand hinaus einen Mehrwert hätten.

Die WFG habe sich an einer empirischen Untersuchung zur Frauenbeschäftigung im Kreis Heinsberg beteiligt, deren Ergebnis das beim Zweckverband Region ­Aachen angesiedelte Kompetenzzentrum Frau und Beruf im Frühjahr veröffentlicht habe. „Eine der wichtigsten Empfehlung dieser Studie war dabei, die Unternehmen im Kreis Heinsberg zu ermutigen, sich familienfreundlich aufzustellen, um das Erwerbspotenzial von Frauen besser auszuschöpfen“, erläuterte WFG-Geschäftsführer Dr. Joachim Steiner den Hintergrund der Initiative zur Einführung des Qualitätssiegels.

Sicherlich würden auch heute schon viele Unternehmen familienfreundlich handeln. „Allerdings heißt das noch nicht automatisch, dass Familienfreundlichkeit und Frauenförderung wirklich fest in der Unternehmenskultur verankert sind“, befürwortete Ulrich Schirowski, Geschäftsführer des Zweckverbandes Region Aachen, die Einführung des Qualitätssiegels. „Die neue Initiative ‚Finden & Binden im Kreis Heinsberg‘ der WFG passt da ideal hinein“, ergänzte er.

Alle Mitarbeiter eines Unternehmens seien in den jeweiligen ­Zertifizierungsprozess eingebunden, hob Ralf Woelk als Geschäftsführer der DGB-Region NRW ­Süd-West hervor. Dies führe zu ­einem „sozialpartnerschaftlichen Ergebnis, das die Realität abbildet“.

(anna)