Aachen/Düren: Prozess gegen S-Bahn-Schläger: „Mit dem Schlimmsten gerechnet”

Aachen/Düren: Prozess gegen S-Bahn-Schläger: „Mit dem Schlimmsten gerechnet”

„Ich hatte Panik und wollte schnell weg. Ich dachte, das geht nicht gut aus”. Mit diesen Worten beschrieb am Mittwoch im Prozess gegen zwei mutmaßliche S-Bahn-Schläger aus dem Kreis Düren eine junge Frau vor dem Landgericht Aachen ihre Gefühle kurz vor der Bluttat.

In der Nacht zum 26. November 2011 sollen die beiden wegen versuchten Totschlags angeklagten 20-Jährigen auf einem Bahnsteig in Kerpen-Buir einen 37-Jährigen mit einer Flasche zu Boden geschlagen, ihn getreten und mit einem Messer lebensgefährlich verletzt haben.

Laut Angaben der 17 Jahre alten Zeugin sei das Duo alkoholisiert gewesen. Sie sei zuvor mit beiden Männern in der S-Bahn gefahren. Dort hätten die zwei sie und ihre Freundin „angemacht” - erst mit Pfiffen, dann mit dreisten Sprüchen, später mit deftigen Beleidigungen.

Ein Mitreisender habe sich schließlich eingeschaltet und so etwas gesagt wie: „Lasst doch die Mädchen in Ruhe.” Als wenig später alle in Buir ausstiegen, habe das Unheil seinen Lauf genommen. Einer der Angeklagten habe gesagt: „So etwas lasse ich mir nicht bieten”, habe sich an die Fersen des späteren Opfers gehängt. Sein Freund habe noch gezögert, sei dann aber auch hinterher gegangen. Kurz darauf sei die Bierflasche zerschellt.

Eine der Zeuginnen will die Szene im Weglaufen aus den Augenwinkeln beobachtet haben. Sie habe dem Opfer zur Hilfe eilen wollen, sei aber von der Freundin zurückgehalten worden, weil die Schläger nun hinter den Mädchen her gewesen seien. „Ich habe mit dem Schlimmsten gerechnet”, sagte eine von ihnen. Zu ihrem Glück seien sie jedoch einem Mann mit Hund begegnet. Die Angeklagten seien dann geflohen.

Noch bevor Polizei und Notarzt vor Ort waren, seien die 17-Jährigen zurück zum Bahnsteig gegangen, um nach dem Opfer zu schauen. Der Mann habe sich aufgerichtet und sich an einem Geländer abgestützt. Das Blut sei ihm vom Kopf heruntergeflossen und er habe über starke Leibesschmerzen geklagt. Vor Gericht hatte er erklärt, er sei in jener Nacht nur zufällig vor Ort gewesen, weil er zuvor eine falsche S-Bahn genommen habe.

Laut Zeugenbeobachtungen hatten auch die Angeklagten ursprünglich ein anderes Ziel. Sie seien aber zu betrunken gewesen, um in Merzenich den richtigen Türöffner zu betätigen. Wären sie dort ausgestiegen, hätte es die Tat in Buir womöglich nie gegeben. Der Prozess wird fortgesetzt.

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