Protest in Aachen gegen belgischen Atommeiler

Tihange-Protest geht weiter

Es ist ein bisschen wie bei einem politischen Gipfeltreffen: Zehn Bürgermeister sind aus der Region nach Aachen gekommen, um ihre „Tihange AUS“-Säule des Künstlerduos LARSundROLF (Lars Harmens und Rolf Jägersberg) auf den Katschhof zu bringen. Oberbürgermeister Marcel Philipp freut sich über so viel Aufmerksamkeit: „Die Säulen symbolisieren, was wir immer noch wollen.“

Die Ausstellung der Säulen soll bekräftigen, wofür Philipp sich schon lange gemeinsam mit den Bürgermeistern der Städteregion und dem weiteren Rheinland einsetzt. Tihange soll vom Netz gehen. Lieber heute als morgen. „Wir dürfen nicht nachlassen, jede Aktion, jede Stimme zählt“, sagt der OB. Die Säulen standen schon in Simmerath, Geilenkirchen, Mönchengladbach und Heerlen, sind in Aachen durch die Bezirke gewandert und bald soll es eine Säule in Köln geben.

Doch es könnte besser laufen für die Tihange-Gegner. Im Sommer letzten Jahres hatte die Bundesregierung von ihrer Forderung Abstand genommen, die beiden belgischen Meiler Tihange und Doel wegen Sicherheitsmängeln frühzeitig vom Netz zu nehmen. Sie werden nun in einer Liste mit allen anderen europäischen Atomkraftwerken geführt, von denen man sich ganz generell wünscht, dass sie langfristig abgeschaltet werden. Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns ist enttäuscht von der Entscheidung der Bundesregierung. „Die Menschen in unserer Region sorgen sich noch immer. Wir hätten uns durchaus mehr Unterstützung von der Bundesregierung gewünscht.“

Freude über Schulkinder

Marcel Philipp freut sich, dass am Morgen schon einige Schulkinder von den Säulen Gebrauch gemacht haben. Die Säulen zählen, wie oft Passanten den symbolischen Abschaltknopf drücken. Vier Millionenmal ist das schon passiert und die Künstler wünschen sich, dass es weitergeht. Künstler Rolf Jägersberg, der eigentlich Zahnarzt ist, sieht jetzt die jungen Menschen in der Pflicht. „Wir wünschen uns, dass die Jugend nun weitermacht.“

Und die steht schon bereit: Schüler der Grundschule Am Höfling sind gemeinsam mit ihrem Musiklehrer Yann Le Roux gekommen und trommeln lautstark auf ihren Kistentrommeln, die sich Cajón nennen. Und sie wissen auch, worum es geht. Tihange sei gefährlich. Man habe Risse entdeckt und die Radioaktivität sei für den Menschen gefährlich, wissen die Kinder. Die Künstler haben ihr Ziel also schon erreicht.

Protest geht nach Belgien

Noch bis zum 15. April stehen die Säulen auf dem Katschhof. Die Ergebnisse sollen der belgischen Regierung regelmäßig übermittelt werden. Finanziert werden die Säulen und der Transport nach Aachen durch Sponsorengelder. Geholfen haben das Kernsystem Lehre Team, KSL. Die Firma berät die RWTH bei IT-Lösungen und hat dort den Elektronischen Campus gestaltet. Nach Angaben der Künstler hat außerdem NetAachen bei der Organisation der Ausstellung geholfen. Interessierte Besucher können an den Säulen über einen QR-Code weitere Informationen zur Aktion in 22 Sprachen erhalten. Auch auf Öcher Platt.

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