Städteregion: Professor Axel Thomas: „Hier wird ein ungleicher Kampf geführt“

Städteregion: Professor Axel Thomas: „Hier wird ein ungleicher Kampf geführt“

Er hat sich kräftig geärgert, daraus macht Professor Axel Thomas keinen Hehl. Denn aus seiner Sicht gab es in der Diskussion über eine mögliche Zusammenführung von VabW (Verein für allgemeine und berufliche Weiterbildung) und der von ihm seit Ende 2009 geleiteten Sprungbrett gGmbH so manche falsche Behauptung und Einschätzung.

Im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet der Geschäftsführer von ungleichen Verhältnissen, Wettbewerbsverzerrung und vielen Unklarheiten. Gleichwohl will Thomas das Thema nicht zu den Akten legen, auch wenn der Städteregionstag das Unterfangen wegen „unvereinbarer Positionen“ für gescheitert erklärt hat.

Der Ansatz der Städteregion war, die beiden Anbieter zusammenzuführen, weil sie inhaltlich und auch geografisch einen sehr ähnlichen Markt bedienen. Wie stehen Sie dazu?

Thomas: Dieser Ansatz war vollkommen richtig, weil es wirtschaftlich unsinnig ist, mit vergleichbarem Eigentümerkreis in demselben Feld ohne Koordination agieren zu lassen.

Man sagt aber doch, dass Wettbewerb das Geschäft belebe.

Thomas: Das stimmt. Wir hätten auch ansonsten noch genügend private Wettbewerber. Aber leider sind wir in diesem Wettbewerb erheblich benachteiligt.

Inwiefern?

Thomas: Gleich aus mehreren Gründen. Beispielsweise erhält der VabW von der Städteregion einen Betriebskostenzuschuss, also eine Verlustabdeckung. Wir als 100-prozentige Tochter der Städteregion kommen schon seit 2011 ohne einen solchen Zuschuss aus. Zudem habe ich Anzeichen dafür — und das möchte ich auch mal klären lassen — dass der VABW für seine Gebäudenutzungen zum Beispiel an seinem Verwaltungsstandort Alsdorf keine Kaltmiete zahlt.

Als drittes Beispiel sehe ich im Haushalt der Städteregion bzw. der Städte nicht, dass der VABW Zinsen zahlt für seine Verbindlichkeiten oder Tilgungen erbringt. Wenn das keine Beihilfen sind, dann weiß ich nicht, was eine Beihilfe ist. Hier wird ein ungleicher Kampf geführt. Dass der VabW deutlich größer ist als die Sprungbrett gGmbH, hat er vor allem derartigen Wettbewerbsverzerrungen zu verdanken.

Sprungbrett beschränkt sich auf die Schulsozialarbeit. Warum?

Thomas: Wir sind in der Tat, wie es der VabW-Vorsitzende Hans Vorpeil festgestellt hat, ein Ein-Produkt-Unternehmen. Als ich 2009 vom damaligen Kreis Aachen beauftragt wurde, bei der Sprungbrett gGmbH die Verantwortung zu übernehmen, ging es darum, durch Verschlankung eine kostensparsame Neuausrichtung zu erreichen.

Dass ist uns gelungen, schon nach einem Jahr haben wir keinen Betriebskostenzuschuss mehr benötigt. Wir sind als Ein-Produkt-Unternehmen in einer Gemischtwaren-Branche unterwegs. Das hat den Vorteil, dass wir einfacher in den Verwaltungsabläufen, schlanker und effektiver sind. Unsere Satzung lässt die gleichen Aktivitäten zu wie beim VabW, wir könnten diese Aufgaben auch leisten.

Der VabW hatte zwischenzeitlich vorgeschlagen, dass er — als der größere Anbieter — die Sprungbrett gGmbH übernehmen könnte — inklusive einer treuhänderischen Verwaltung der von Sprungbrett eingebrachten Rücklagen. Warum war das keine akzeptable Option?

Thomas: Das hat mit vielen, zum Teil recht komplizierten Faktoren zu tun. Beispielsweise würde Sprungbrett seine „In-House-Fähigkeit“ mit der Städteregion, also den Vorteil der Ausschreibungsfreiheit, verlieren. Außerdem verteuert eine Geschäftsbesorgung von Sprungbrett durch den VABW die Verwaltungskosten um die Umsatzsteuer. Da reden wir immerhin von 19 Prozent, die ich erst einmal durch Synergien und Effizienzsteigerungen kompensieren müsste.

Dann würde sich die Frage stellen, wie man mit den Anteilen an der Sprungbrett gGmbH umgeht. Eine unentgeltliche Übertragung wäre alleine schon aus haushalterischen Gründen nicht möglich. Das käme einer Schenkung gleich. Und abgesehen davon: Warum sollte die Städteregion ein solches Vermögen einfach so weggeben? Eine entgeltliche Übernahme kommt ebenfalls nicht in Frage. Es wäre doch ziemlich verwegen, wenn der VabW, der Betriebskostenzuschüsse zur Verlustabdeckung benötigt, eine Gesellschaft übernehmen will, die Gewinn erwirtschaftet, um da Kosten einsparen zu wollen.

Zuletzt hat die Verwaltung die Möglichkeit ins Spiel gebracht, einen Zweckverband zu gründen. Was halten Sie davon?

Thomas: Damit war ich sofort einverstanden. Bei einem Zweckverband ist die öffentlich-rechtliche Kontrolle gegeben, er ist steuerlich überschaubar und schlank, und eine gute Integration in die öffentliche Verwaltung ist gesichert. Das Modell hat Vorteile. Es gibt dann weder Verlierer noch Gewinner.

Der VabW hat aber abgewunken.

Thomas: Ja, ich habe aber nicht verstanden warum. Der VabW könnte, wie gewünscht, in seiner Rechtsform als Verein bestehen bleiben, müsste nicht aufgelöst werden. Und das Personal würde in Richtung des Zweckverbandes übertragen. Im Übrigen betont der VABW immer die Vorteile eines Vereins gegenüber der GmbH. Wie passt das damit zusammen, dass er selbst eine Tochtergesellschaft in GmbH-Form hat?

Die Politik hat beschlossen, dass nun der „strategische Nutzen“ der Mitgliedschaft der Städteregion im VabW überprüft werden soll. Was bedeutet das?

Thomas: Es ist völlig legitim, den strategischen Nutzen einer Mitgliedschaft und damit einer Subventionierung zu überprüfen, vor allem wenn die eigene Tochtergesellschaft nicht unterstützt wird. Und es ist auch absolut nachvollziehbar, wenn überprüft wird, ob der gleiche Nutzen nicht auch mit weniger Aufwand erreicht werden kann — möglicherweise auch in einer anderen Gesellschaft. Ich halte es auf jeden Fall für sinnvoll, dass die Kostenstrukturen beider Anbieter von einer unabhängigen Stelle, etwa der Gemeindeprüfungsanstalt NRW, unter die Lupe genommen werden.

Daraus könnten gerade mit Blick auf die sogenannten Overhead-Kosten, also die Gemeinkosten für Geschäftsführung und Verwaltung, interessante Erkenntnisse resultieren. Und vielleicht ja doch noch realistische Optionen für eine engere Zusammenarbeit.

Sind also doch noch nicht alle Türen zugeschlagen?

Thomas: Auch wenn ich bis jetzt nicht erkennen konnte, dass der VabW auch nur einen Schritt auf uns zugekommen ist, sind wir koalitionsfähig. Wir wollen aber als wirtschaftliche erfolgreiche Einheit nicht die Verlierer sein.