Aachen: Popmusik mal anders?

Aachen : Popmusik mal anders?

Seine Musik zog ihn von Aachen nach Berlin. Seine erste eigene Tour war für ihn überwältigend. Jetzt hat er seinen ersten Verlagsvertrag: Martin Haller. Sehnsüchtig wartet der Musiker nun auf die Veröffentlichung seines Debüt-Albums.

Zum ersten Mal ist das Tour-Ticket mit dem eigenen Gesicht und dem eigenen Namen bedruckt. „Haller“ steht darauf. Doch Martin Haller war sich anfangs gar nicht so sicher, wie viele Tickets denn verkauft werden würden. Ob überhaupt jemand kommt. Glücklicherweise kam jemand. Sein Konzert in Berlin sei ausverkauft gewesen — 200 Leute hätten in die Location gepasst. Er stehe aber noch am Anfang seiner Karriere.

Der gebürtige Aachener kann es kaum erwarten, sein Debüt-Album zu veröffentlichen.
Der gebürtige Aachener kann es kaum erwarten, sein Debüt-Album zu veröffentlichen.

Die Konzerte seiner ersten Tour am Anfang des Jahres hätten den 27-Jährigen mehr als überwältigt. „Das ist einfach unbeschreiblich, wenn die Leute plötzlich die Songs mitsingen, die ihre Anfänge im eigenen Schlafzimmer genommen haben“, sagt der gebürtige Aachener.

Müsste man seine Musik in eine Kategorien-Schublade stecken, wäre es wohl Popmusik. „Aber coole Popmusik — nicht langweilig, sondern melidiös“, sagt Haller. Dabei impliziert Popmusik doch eigentlich Schlichtheit und Trivialität und keine komplexen Melodien. „Es ist das, was ich mir von Popmusik wünsche“, erklärt Haller weiter. „Meine Musik ist ehrlich, aber nicht so, dass es unangenehm wird.“ An Selbstbewusstsein mangelt es dem jungen Mann nicht.

Der 27-Jährige, der erst die Domsingschule in Aachen besuchte und dann auf dem Couven-Gymnasium sein Abitur machte, ist mittlerweile studierter Singer/Songwriter und hat seinen Bachelor-Abschluss in „Popmusikdesign“ an der Popakademie in Mannheim gemacht. Inzwischen hat es ihn nach Berlin gezogen. „Aber Aachen bleibt auch Heimat für mich. Hier habe ich meine Familie und Freunde, hier fühle ich mich zu Hause.“

Was mit zwei anderen Musikern als Trio angefangen hatte, entwickelte sich mit der Zeit zu einem eigenen Ding. Das war Ende 2014. Aber Haller schreibt nicht nur eigene Texte, er textet auch mit anderen Künstlern zusammen. An der deutschen Single „Wenn sie tanzt“ hat er zusammen mit Max Giesinger geschrieben. Kennengelernt haben sich die beiden im Jahr 2011 auf einer WG-Party. Durch die Zusammenarbeit mit Giesinger kam Haller dann auch mit dem Musikverlag Sony/ATV Music Publishing Germany in Kontakt. Dort wurde Haller jetzt unter Vertrag genommen. „Wir haben durch Max ja schon länger zusammengearbeitet. Jetzt ist endlich alles in trockenen Tüchern“, sagt Haller.

Sein Debüt-Album steht bereits in den Startlöchern. Am liebsten würde er es sofort veröffentlichen. Doch so etwas brauche Zeit, weiß Haller. „Das Album ist eigentlich schon fertig. In nächster Zeit werden jetzt immer wieder Songs und Videos veröffentlicht“, sagt Haller. Einen ersten Vorgeschmack darauf gab es bereits mit seinem Song „Am Ende des Tages“. Da freut Haller sich auf den ersten Sonnenbrand im Jahr oder auf das Autofahren mit dem in die Jahre gekommenen Wagen. Ein Song mit einprägsamer Melodie und einfachem Text. Schnell hat man die Strophen drauf und kann mitsingen.

Wenn man Haller fragt, was seine Fans auf seinem Album erwartet, gibt es eine deutliche Antwort: „Ich spreche viele Themen an, die mich selbst beschäftigen und persönlich berühren. Einfach alles, was mich beschäftigt. Ich drücke mich selbst auf meinem Album aus.“ Die Sätze eines Musikers, wie man sie kennt. Traurige Themen versucht der „Ur-Aachener“ nicht zu düster wirken zu lassen. „Wenn ich nen traurigen Song schreibe, dann schreibe ich ihn, damit es mir danach besser geht“, erklärt Haller. Er selbst sei sehr zufrieden mit seiner jetzigen Musik.

Junge Männer, die deutsche Texte liefern und über ihre Gefühle singen — heutzutage nichts Besonderes mehr. Auch Haller macht solche Musik. In der gleichen Ecke wie Giesingers und Forsters Musik sieht er seine allerdings nicht: „Ich weiß, dass ich nicht der einzige junge Mann bin, der über sein Leben singt. Aber ich glaube trotzdem, dass ich es irgendwie anders mache.“

Im vergangenen Jahr hatte Jan Böhmermann im April wenige Stunden vor dem Echo 2017 für düstere Töne gesorgt. In seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ beschreibt er die deutsche Popmusik als „seelenlose Kommerzkacke“. Oft beinhalte sie leere Songtexte und banale Themen. Haller findet auch, dass Popmusik nicht so simpel gestaltet werden sollte, dass es auf Anhieb jeder versteht, aber es müsse auch nicht gekünstelt sein.

Bei vielen Künstlern durfte Haller bereits als Vorprogramm auf die Bühne. Neben dem Max Giesinger-Support hatte er auch die Ehre vor Eric Clapton zu spielen — vor rund 12.000 Menschen. Und mit dem deutschen ESC-Kandidat Michael Schulte hat er Bekanntschaft gemacht.

Es scheint sich gelohnt zu haben. Das Berliner Konzert: ausverkauft. Und auch die anderen Konzerte seien alles andere als schlecht besucht gewesen. Haller erinnert sich und sagt: „Das war überwältigend. Ich brauchte erst mal ein paar Minuten für mich.“