Eschweiler: Polizei setzt auf größeres Kommissariat

Eschweiler: Polizei setzt auf größeres Kommissariat

Die Kriminalpolizei bekommt neue Strukturen. Wie diese aussehen können, verriet jetzt der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach. Demnach wird die regionale Kriminalitätsbekämpfung zentral für den Südkreis von Stolberg aus agieren. Die Eschweiler Beamten werden dorthin abgezogen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Kripo-Büros an der Preyerstraße leer bleiben.

Dort wird ein anderes Kommissariat einziehen — und zwar mit doppelt so vielen Kriminalpolizisten als bisher. Weinspach begründet die Veränderungen mit der Kriminalitätsentwicklung und nennt als Beispiel die Internetkriminalität.

„Wir benötigen in vielen Bereichen ausgewiesene Spezialisten und müssen deswegen unsere Einheiten vergrößern, um schlagkräftig zu bleiben“, berichtet er. Kriminaloberrat Wilhelm Sauer konkretisiert: „Wir stehen als Ermittler heute vor anderen Herausforderungen als noch vor zehn Jahren. Wenn wir einen Ladendiebstahl bearbeiten, dann erhalten wir meistens schon eine Datei.“

So spiele auch das Handy eine wichtige Rolle bei der Suche nach Straftätern. Bei den Ermittlungen müsse man inzwischen Massen von Daten auswerten. „Den Straftäter, der um die Ecke wohnt und uns bekannt ist, gibt es nicht mehr so häufig“, sagt Sauer. Oft seien überregional tätige Banden für Straftaten verantwortlich, die sich auf bestimmte Delikte spezialisiert haben. Ihnen will man ebenfalls Spezialisten entgegensetzen.

Derzeit ist das Kriminalkommissariat in Eschweiler und in Stolberg mit jeweils neun Personen besetzt. „Wenn dann ein Amoklauf in einer Schule gemeldet wird, dann stoßen wir schnell an Grenzen“, berichtet Sauer aus dem Alltag.

Auch müsse man den Personalausfall wegen Urlaub und Krankheit berücksichtigen. Natürlich erhofft man sich Synergieeffekte. So könne man in einem 20 Köpfe umfassenden Kommissariat mit jeweils zwei Spezialisten in bestimmten Bereichen auskommen, bei zwei kleineren Kommissariaten müsse man diese Zahl auf vier erhöhen.

Sauer gehört der Projektgruppe an, die die Umstrukturierung vorbereitet hat. „Wir haben mit vielen Kollegen gesprochen, die uns Beispiele aus der Praxis an die Hand gegeben haben“, berichtet er. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Beamte im gleichen Maße begeistert ist.

„Der eine tut sich schwer mit neuen Strukturen, andere begrüßen sie“, sagt Polizeidirektor Heinz-Jörg Pionke. Interessant dürfte die Meinung des Personalrates zu den Plänen werden. Ihn muss Weinspach mit ins Boot holen.

Für die Bürger soll sich hingegen wenig ändern. Eine Anzeige kann auch in Zukunft in der Polizeiwache an der Preyerstraße aufgegeben werden, verspricht man im Polizeipräsidium. Zeugen müssen zur Befragung im Falle eines Falles nach Stolberg oder Aachen fahren. Das war bisher auch schon gängige Praxis. „Dort wo die Anzeige erstellt wird, musste sie bisher auch nicht zwangsläufig bearbeitet werden“, berichtet Weinspach.

Für bestimmte Straftaten waren schon immer Spezialisten im Aachener Polizeipräsidium zuständig. Aber bestimmte Straftaten werden nach wie vor in Eschweiler behandelt. Welches Kommissariat in das ehemalige Kasernengebäude an der Preyerstraße zieht, wollte Weinspach noch nicht mitteilen. „Wir sind noch mitten im Prozess“, betont er.

Was die regionale Kriminalitätsbekämpfung betrifft, so ist man in der Polizeileitung davon überzeugt, dass die neue Organisation die Arbeit der Beamten erleichtere. „Wenn man einem Haftrichter bis 11 Uhr ein vernünftiges Ergebnis vorlegen muss, das entscheidet, ob jemand einsitzt oder nicht, dann macht es einen großen Unterschied, ob 15 oder 5 Beamte sich mit den Ermittlungen beschäftigen können“, meint Sauer.

In diesem Jahr

Wann genau die neuen Strukturen für die insgesamt 350 Kriminalpolizisten im Polizeipräsidium Aachen greifen, steht noch nicht fest. „Wir wollen den Prozess in diesem Jahr abschließen“, sagt Weinspach. Doch zunächst will er mit den betroffenen Beamten sprechen und die Mitarbeitervertretung einbinden. Auch das NRW-Innenministerium muss noch seine Zustimmung geben.

Sollte aus Düsseldorf das Okay kommen, dann werden in Zukunft 19,5 Stellen im Nordkreis und 18 Stellen im Südkreis mit Eschweiler und Stolberg zur Verfügung stehen. Dies entspricht laut Sauer „22 bis 24 Köpfe“.