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Ankündigung der Ampelkoalition: Zwei Wochen Vaterschaftsurlaub kommen später

Ankündigung der Ampelkoalition : Zwei Wochen Vaterschaftsurlaub kommen später

Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) kündigt die bezahlte Freistellung für Väter an. Allerdings soll sie erst verzögert 2024 kommen.

Väter sollen künftig nach der Geburt zwei Wochen freigestellt werden. Das kündigte Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe an. „Besonders in der ersten Zeit nach der Geburt ist es wichtig, dass Eltern Zeit füreinander und das Baby haben“, sagte Paus in dem Interview. Das sei auch wichtig, damit Väter früh eine enge Beziehung zum Kind aufbauen können, betonte die Ministerin.

„Die zweiwöchige Freistellung nach der Geburt kommt, nicht mehr in diesem Jahr, aber in 2024“, sagte die Familienministerin. Die Ampelkoalition hatte den Vaterschaftsurlaub, der laut Zeitungsbericht auch für Partnerinnen von Müttern gelten soll, im Koalitionsvertrag festgehalten. Mit der Neuregelung wird eine EU-Richtlinie umgesetzt, die bereits seit Juli dieses Jahres in Kraft ist. Wegen der Verzögerung läuft bereits ein Verfahren der EU-Kommission gegen Deutschland und andere EU-Mitgliedstaaten.

Die EU-Richtlinie sieht vor, dass berufstätige Väter zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes Anspruch auf mindestens zehn Arbeitstage Vaterschaftsurlaub haben. Die Vergütung muss demnach mindestens in Höhe des Krankengeldes erfolgen. Das Ziel der Richtlinie ist die Gleichstellung der Geschlechter bei der Arbeitsmarktbeteiligung; Betreuungsaufgaben sollen gerechter verteilt werden.

Die wirtschaftliche Lage sei derzeit schwierig, vor allem für kleine und mittlere Unternehmen, betonte Paus und rechtfertigte damit die Verzögerung. „Deshalb möchte ich dieses wichtige Vorhaben im nächsten Jahr aufs Gleis setzen.“

Eltern müssten in ihrem Wunsch nach einer partnerschaftlichen Aufteilung der Familienarbeit unterstützt werden. Das sei ein weiterer wichtiger Baustein für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Mit der Unterstützung der Freistellung leisten die Arbeitgeber hierzu einen wichtigen Beitrag“, sagte Paus.

Die Ministerin betonte insgesamt, dass „der Balanceakt zwischen Familie, Haushalt und Arbeit einer der größten Stressfaktoren für Familien in Deutschland“ sei. Außerdem würden viele Eltern mit den aktuellen Preissteigerungen bei Mieten, Energie und Lebensmitteln kämpfen. Es sei deshalb besonders wichtig, „dass Erwerbsarbeit nicht an der Kinderbetreuung“ scheitere. Sei die Kita geschlossen, setze das sofort den gesamten Familienalltag unter Druck, sagte die Grünen-Politikerin. Dabei gehörten „stabile Betreuungsangebote zur wirtschaftlichen Absicherung von Familien dazu“.

Zugleich seien die fehlende Fachkräfte in der Kindertagesbetreuung zu einem Problem geworden. Die Ministerin versprach aber: „Wir lassen die Kitas nicht allein.“ Sie verwies dabei auf das geplante Kita-Qualitätsgesetz des Bundes, mit dem den Ländern vier Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden sollen. Mit dem Geld sollen sie „den Betreuungsschlüssel verbessern, Kita-Leitungen stärken sowie qualifizierte Fachkräfte gewinnen und halten können“.

Auch setze sie sich bei Arbeitgebern dafür ein, dass funktionierende Arbeitszeitmodelle und eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Eltern „zur Normalität“ würden.

(red)