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Wird Robert Habeck der nächste Kanzler?

Grüne im Hoch : Ist ein grüner Kanzlerkandidat realistisch?

Die Ökopartei will keine Volkspartei sein. Dabei ist sie auf dem Weg dorthin. Das bringt Veränderungen.

Natürlich denken sie darüber nach: Was wäre, wenn...? Was wäre, wenn die große Koalition vor der Zeit, vor dem Termin der nächsten regulären Bundestagswahl im Herbst 2021 zerbricht? Die Grünen, 1980 als Anti-Parteien-Partei gegen das verstaubte Polit-Establishment gegründet, schweben seit mittlerweile einem Jahr auf Umfragewolke sieben. Zuletzt 27 Prozent im Bund und damit erstmals stärker als CDU und CSU mit 26 Prozent zusammen. Ihren einstigen Koalitionspartner im Bund, die SPD, haben sie längst abgehängt. Die Frage, wer Koch und wer Kellner von beiden wäre, müsste inzwischen neu gestellt werden.

Die Grünen erleben gerade einen atemberaubenden Zuspruch. Lehnten die einstigen Ökopaxe in ihren frühen und wilden Jahren jede Form von Regierungsbeteiligungen als Anbiederung an das System ab, so sind sie nun in der Rolle des Königs- oder der Königinmachers einer nächsten Bundesregierung zu werden. Die Grünen sind nach ihren Zustimmungswerten gerade dabei, sich zu etwas zu entwickeln, was sie dem eigenen Verständnis nach nicht sein wollen: eine Volkspartei. Bündnis 90/Die Grünen verstehen sich als das, was sie dem Namen nach sind: eine Bündnispartei – offen für möglichst diverse und breite Bündnisse. Doch auch so können sie, ob sie es wollen oder nicht, Volkspartei-Relevanz entfalten.

Gleichwohl stellt sich den Grünen die Frage: Machen sie weiter auf alten Pfaden der monothematischen Ökopartei oder wächst da eine neue Volkspartei, die bei Bundestagswahlen auch mit einer eigenen Kanzlerkandidatin oder einem Kanzlerkandidat antritt? Das wäre ein Novum in der mittlerweile bald 40-jährigen Parteigeschichte. Und eine Doppelspitze fürs Kanzleramt – das dürfte selbst in grünen Träumen beim Realitätstest durchfallen. Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock jedenfalls wiegelt solche Fragen am Montag nach einem reichlich turbulenten Polit-Wochenende in Berlin ab: „Wir kreisen bei uns nicht um Personen. Das bestätigt uns darin, dass es richtig ist, gemeinsam im Team zu agieren und auch bei Wahlen als Doppelspitze anzutreten.“ Baerbock will keine Spekulationen anheizen. Im Hier und Jetzt, wo Deutschland noch von einer schwarz-roten Koalition geführt und regiert wird, zählt für die Grünen der Status Quo: „Wir sind eine Partei, die für ihre Inhalte gewählt wird. Wir werden wie bei jeder Wahl mit einer Doppelspitze antreten.“

Doch der Weg zu Neuwahlen, bei denen den Grünen eine Schlüsselrolle zur Bildung einer neuen Regierung zufallen könnte, hat – von der Verfassung so gewollt – hohe Hürden. Die Möglichkeit, dass die Grünen gar eine Minderheitsregierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stützen könnten, ist für Baerbock aus dem Bereich der politischen Fabel. Denn: Die Grünen seien „nicht das Reserverad, das einfach so einspringt.“ Dann plädierte die Grünen-Chefin doch besser für Neuwahlen.

Die Partei mit der Sonnenblume im Emblem ist so stark, dass es ihr selbst schon unheimlich ist. Denn: Stärke bedeutet auch Verantwortung. Und die Grünen mit ihren mittlerweile gut 80.000 Mitgliedern haben nicht den Unterbau und auch nicht einen Parteiapparat wie CDU oder SPD mit über 400.000 Mitgliedern. In neun von 16 Bundesländern sind die Grünen zwar an Landesregierungen beteiligt oder stellen mit Winfried Kretschmann den Ministerpräsidenten. Aber das Regieren im Bund ist in der viertstärksten Volkswirtschaft der Erde noch einmal eine ganz andere Kategorie.