Ukraine-Affäre: Kronzeuge mit Beweisen aus erster Hand

Ukraine-Affäre : Kronzeuge mit Beweisen aus erster Hand

Oberst Alexander Vindman hat mit eigenen Ohren gehört, wie US-Präsident Trump den neuen ukrainischen Regierungschef Wolodymyr Selenskyj bei einem Telefonat vom 25. Juli dieses Jahres bedrängte, eine Untersuchung gegen Joe Biden, seinen Sohn Hunter und den angeblichen Verbleib eines Servers mit Emails von Hillary Clinton einzuleiten.

Das Verhalten Trumps irritierte ihn so sehr, dass er sich beim Justiziar im Nationalen Sicherheitsrat, John A. Eisenberg, beschwerte.

„Ich hielt es für nicht richtig, von einer ausländischen Regierung Ermittlungen gegen einen US-Bürger zu verlangen, und ich war besorgt über die Konsequenzen für die Unterstützung der Ukraine durch die US-Regierung“, sagt Vindman in einem vorab an die New York Times geleakten schriftlichen Erklärung, die er am Dienstag zu Beginn seiner Befragung durch den Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses abgeben wollte.

Während der „Whistleblower“, dessen Beschwerde zu dem Amtsenthebungsverfahren im Kongress geführt hatte, den Inhalt des Telefonats nur aus zweiter Hand erfuhr, und Trump lediglich das Memorandum des Gesprächs öffentlich gemacht hat, war der Ukraine-Experte des Weißen Hauses persönlich mit in der Leitung.

Die Demokraten haben damit neben dem US-Botschafter in der Ukraine, William B. Taylor, einen weiteren Kronzeugen in dem Amtsenthebungsverfahren gegen Trump. Vindman ist dabei die erste Person, die aus eigenem Wissen bezeugen kann, wie akkurat das Memorandum ist, das der Präsident von dem Gespräch mit Selenskyj öffentlich gemacht hatte.

Vindman, ein Sohn von Einwanderern aus der Ukraine, der für eine Kriegsverletzung im Irak ein „Purple Heart“ erhielt, beschreibt sich als „Patrioten“, dem es nicht um Parteipolitik oder den amtierenden Präsidenten, sondern „die Verteidigung unseres Landes“ geht.

Beschluss über Impeachment

Speakerin Nancy Pelosi will den Rückenwind aus den Ausschuss-Befragungen nutzen, am Donnerstag im Repräsentantenhaus einen formalen Beschluss über den Beginn eines Amtsenthebungsverfahren zu fassen. Damit kommt sie einem Wunsch des Präsidenten entgegen, dessen Justiziar Anfang Oktober das Fehlen einer formellen Abstimmung als Grund für die Nicht-Zusammenarbeit genannt.

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