Joe Walsh: Keine Konkurrenz aus den eigenen Reihen

Joe Walsh : Keine Konkurrenz aus den eigenen Reihen

Joe Walsh nannte Barack Obama als „einen Muslim“, setzte Dutzende rassistische Tweets ab und schuldete seiner getrennten Ehefrau einen fünfstelligen Betrag an Alimenten. Jetzt verkauft sich der von der Tea-Party-Bewegung 2010 in den Kongress gehobene und nach nur einer Amtszeit wieder abgewählte ehemalige Abgeordnete aus Chicago als Alternative zu Donald Trump.

Am Sonntag warf Walsh im US-Fernsehen seinen Hut in den Ring, den Präsidenten „von rechts“ bei den Vorwahlen herauszufordern. Was ihn qualifiziert? „Sie brauchen jemanden, der moralisch gegen Trump zu Felde zieht.“

Vom Saulus zum Paulus

In einem Gastbeitrag für die „New York Times“ präsentierte sich der Präsidentschaftskandidat als vom Saulus zum Paulus Gewandelten. „Trump ist ein rassistischer Brandstifter, der zu Bigotterie und Fremdenfeindlichkeit ermutigt, um seine Basis anzufeuern und seine Wahlchancen zu verbessern.“ Es bedürfe nun jemanden, der aufsteht und sagt: „Genug, Sir.“

Dass ausgerechnet einer, der selber einmal so tickte wie Trump und diesen 2016 auch gewählt hatte, in einer glaubwürdigen Position dafür ist, glaubt außer Walsh selber kaum jemand.

Das selbe Problem hat Anthony Scaramucci, der im Juli 2017 nach seiner Berufung zum neuen Sprecher des Weißen Hauses erklärt hatte: „Ich liebe den Präsidenten.“ Zehn Tage später war er seinen Job los, weil er gegen andere Mitglieder des Teams intrigiert hatte. Wenn Scaramucci nun keine Gelegenheit auslässt, seine Partei zum Widerstand gegen Trump aufzurufen, mag ihn das ehren. Doch ihm fehlt die Glaubwürdigkeit, als Führer der Trump-Gegner aufzutreten. Er weiss es und hat deshalb selber auch keine Präsidentschafts-Ambitionen.

Da befindet sich der ehemalige Gouverneur von Massachusetts, Bill Weld, in einer besseren Position. Moralisch kann er immerhin eine weiße Weste vorweisen. Doch der 73 -jährige Republikaner, der im Februar seine Gegenkandidatur angekündigt hatte, taucht in den Umfragen mit einstelligen Prozentzahlen kaum auf dem Radar der Meinungsforscher auf.

Seine moderaten Positionen zu kulturellen Streitthemen wie der Abtreibung, der fiskal-politische Konservatismus und die transatlantische Ausrichtung sind in „Grand Old Party“ nicht mehr mehrheitsfähig.

Zu dieser Erkenntnis sind republikanische Strategen wie Rick Wilson schon lange gelangt. Sie erkennen die zum Trump-Wahlverein gewandelten Konservativen nicht mehr wieder. Und sind tief enttäuscht, dass die sogenannte „Never-Trump“-Bewegung nie viel mehr als die vage Hoffnung weniger aufrechter Moderater und entsetzter Publizisten war.

In der Realität passierte das Gegenteil. Bei den letzten Kongresswahlen traten viele moderate Republikaner nicht mehr an. John McCain, der das moralische Gewissen der Partei ausmachte, unterlag seinem Kampf gegen den Krebs, und dessen langjähriger Mitstreiter, Senator Lindsay Graham, findet sich heute fest im Trump-Lager wieder.

Der langjährige Chefredakteur des neokonservativen „Weekly Standard“, Bill Kristol, hofft wieder besseren Wissens darauf, dass eine innerparteiliche Herausforderung Trump so schwächen wird, dass er im November nicht wiedergewählt wird. „Jeder amerikanische Präsident, der in eine Vorwahl musste,“ so Kristols Argument, „hat die Wiederwahl verpasst.“

Kristol hofft, dass Schwergewichte wie der ehemalige Gouverneur von Ohio, John Kasich, oder Marylands Gouverneur Larry Hogan ihren Hut in den Ring werfen.

‌Doch Trump kann das durchaus gelassen sehen. Für die Basis der Partei ist er so etwas wie „der Auserwählte“. Etwa acht von zehn Republikanern stehen hinter Trump und lassen sich weder durch dessen Rassismus, Handelskriege, Grönland-Affäre oder Größenwahn davon abhalten, ihn weiter zu unterstützen.

Mehr von Aachener Zeitung