Brexit-Partei in Umfragen auf Höchststand

Brexit-Populist von der Themse : Nigel Farage meldet sich zurück

Der populäre EU-Gegner katapultiert die Brexit-Partei in Umfragen nach vorne: 34 Prozent der Briten wollen bei der Europawahl für Ukip stimmen.

Nordengland, am Montagabend. Im „John Smith Stadium“ veranstaltet die Brexit-Partei eine Kundgebung zu den Europawahlen. Als der Star des Abends erscheint, setzt Rock-Musik laut ein, die Leute springen auf und einige beginnen zu johlen: „Ni-gel! Ni-gel!“ Hände schüttelnd, Leute umarmend, bahnt sich Nigel Farage seinen Weg zur Bühne. „Hello!“ ruft er, wirft seine Arme in die Luft und zeigt sein Pferde-Grinsen. Der Saal ist elektrisiert. Die Leute wollen sich gar nicht mehr beruhigen. Die „Nigel, Nigel“-Rufe schwellen zum Orkan an.

Der Mann ist in seinem Element. Nigel Farage, Ex-Banker und seit 20 Jahren Abgeordneter im Europäischen Parlament, sieht sich als Mann des Volkes im Kampf gegen das Establishment. Er hatte einst die europafeindliche Ukip-Partei gegründet und mit ihr bei den letzten Europawahlen 2014 mit 27 Prozent das Feld abgeräumt. Sein Erfolg hat den damaligen Premierminister David Cameron so verschreckt, dass er, um seine Konservative Partei zu befrieden, das Referendum über den Verbleib in der Europäischen Union versprach. Nach dem Referendum trat Farage vom Parteivorsitz zurück. Ukip verschwand in der Versenkung. Jetzt ist Farage wieder zurück, aber diesmal an der Spitze der neugegründeten Brexit-Partei.

Nicht nur der Abend in Huddersfield, auch eine Umfrage nach der anderen demonstriert seinen erstaunlichen Erfolg. Die letzte Meinungserhebung von YouGov sieht die Brexit-Partei bei 34 Prozent – mehr als die Volksparteien der Konservativen (11 Prozent) und Labour (16 Prozent) zusammengenommen haben. Freilich gelten diese Zahlen nur für die Wahlabsicht bei den Europawahlen, die sich als die perfekte Einladung an alle Wutbürger im Land anbieten. Denn weder Regierung noch Opposition finden einen Weg, das Versprechen des Referendums umzusetzen und den Brexit Realität werden zu lassen – folglich macht sich jetzt der Volkszorn Luft. 72 Prozent der Briten, so hat die „Hansard Society“ ermittelt, sind der Ansicht, dass das politische System verändert werden muss, und 54 Prozent denken, es braucht dafür einen „starken Mann, der auch einmal die Regeln bricht“.

Nigel Farage schwimmt auf dieser Welle. Der 55-Jährige trat schon als Schulkind in die Konservative Partei ein, weil er Margaret Thatcher tief verehrte. Er verließ 1992 die Torys aus Protest gegen John Majors Europapolitik, als der damalige Premierminister den Maastricht-Vertrag unterzeichnete. Ein Jahr später gründete Farage die Ukip-Partei, die sich in den nächsten Jahren immer mehr zur größten Bedrohung der Torys auswuchs. Denn erstmals gab es eine Partei rechts neben den Konservativen, die ihnen in signifikantem Maße Wählerstimmen abjagen konnte. Farage, der es selbst in sieben Anläufen nicht geschafft hat, ins Unterhaus gewählt zu werden, entpuppte sich dennoch als wichtiger politischer Faktor: Als Aufmischer von rechts konnte er genug Druck ausüben, um David Cameron zu zwingen, ein Referendum anzusetzen.

Der Aufstieg von Ukip und der Erfolg der Brexit-Partei sind fast ausschließlich der persönlichen Popularität von Nigel Farage geschuldet. Laut einer Umfrage kennen 96 Prozent der Briten diesen Politiker.

Mehr von Aachener Zeitung