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Kommentar zur Eskalation in Atlanta: Amerikas Trauma

Kommentar zur Eskalation in Atlanta : Amerikas Trauma

Wieder stirbt ein Afroamerikaner bei einem Polizeieinsatz, und wieder schlagen die Emotionen in den USA hoch. Und die Flammen in Atlanta, wo Rayshard Brooks starb, nachdem er sich gegen eine Festnahme wehrte, einem Cop das Elektroschockgerät entwendete und dieses dann auf die Beamten richtete.

Dieser Vorfall kommt für das Land zum ungünstigsten Zeitpunkt – weil er nicht nur die Debatte über das Vorgehen der Polizei gegenüber Minderheiten weiter anfacht, sondern auch jene Kritiker bestärkt, die einen „systematischen Rassismus“ der Ordnungshüter gegenüber Schwarzen sehen. Anders als beim Tod von George Floyd, dem ein Cop fast neun Minuten lang mit dem Knie die Luft abdrückte, war in Atlanta das Vorgehen der Beamten zunächst höflich-professionell. Dann eskalierte die Situation durch den Widerstand des angetrunkenen Autofahrers, was schließlich mit dem nicht notwendig erscheinenden Einsatz tödlicher Gewalt endete.

Dass die Stadt Atlanta innerhalb von Stunden den Polizeichef und den Todesschützen entließ, zeigt die Sensibilität, mit dem mittlerweile dieses so brisante
Thema behandelt wird. Auch wurden die Aufnahmen der Körperkameras der Cops schnell den Medien zur Verfügung gestellt. Diese ungewöhnliche Transparenz soll die aufgebrachten Gemüter in Atlanta und in anderen Metropolen beruhigen. Doch anders als bei früheren Vorfällen, wo meist schnell wieder Ruhe einkehrte, wird die Debatte über überzogene Polizeigewalt und die Behandlung von Minderheiten diesmal anhalten.

Denn die Wut sitzt tiefer und umfasst auch – wie der Sturz von Denkmälern zeigt, die für viele Demonstranten als Relikte einer tief von Rassismus geprägten Vergangenheit gelten – eine Gesellschaftskultur, in der sich bisher die schweigende Mehrheit einer Aufarbeitung dieser gerade für Afro-amerikaner so schmerzhaften Thematik verweigert hat. Doch einiges deutet nun darauf hin, dass gerade Amerikas Jugend nicht länger bereit ist, dieses Trauma zu ignorieren.