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Seoul: Südkoreas Präsident will stärker auf Kim Jong Un zugehen

Seoul : Südkoreas Präsident will stärker auf Kim Jong Un zugehen

Einen Tag nach seiner Wahl hat sich Südkoreas neuer Präsident Moon Jae In grundsätzlich zu einem Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un bereiterklärt.

Für solch einen Besuch in Nordkorea müssten aber die „richtigen Voraussetzungen” gegeben sein, betonte der linksliberale Politiker nach seiner Vereidigung als neues Staatsoberhaupt. Er wolle sich dafür einsetzen, die derzeitigen „Herausforderungen für die Sicherheit” zu lösen und sein Bestes für den Frieden auf der koreanischen Halbinsel geben.

 Militärparade in Pjöngjang: Die Volksrepublik sei für jede Art von Krieg bereit, so die nordkoreanische Führung.
Militärparade in Pjöngjang: Die Volksrepublik sei für jede Art von Krieg bereit, so die nordkoreanische Führung. Foto: Wong Maye-E

Unter Hinweis auf die angespannte Lage in der Region sagte er, er werde - wenn nötig - direkt nach Washington fliegen. Auch wolle er nach Peking und Tokio reisen. Konkrete Besuchspläne nannte er zunächst nicht.

 Der linksliberale südkoreanische Präsidentschaftskandidat Moon Jae bekam 41,1 Prozent der Stimmen.
Der linksliberale südkoreanische Präsidentschaftskandidat Moon Jae bekam 41,1 Prozent der Stimmen. Foto: Kyodo

Moon hatte vor seiner Wahl am Dienstag angekündigt, im Falle seines Sieges an die auch als „Sonnenscheinpolitik” bezeichnete Annäherung zu Nordkorea unter den früheren liberalen Präsidenten anzuknüpfen. Er machte jedoch klar, dass ein Dialog schwierig sein werde, sollte Pjöngjang einen weiteren Atomtest durchführen.

 Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un bei einer Militärparade in Pjöngjang.
Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un bei einer Militärparade in Pjöngjang. Foto: Wong Maye-E

Nach neuen Raketentests durch Nordkorea drohte US-Präsident Donald Trump mehrfach mit Alleingängen im Konflikt um das Atomprogramm des Landes. Auch Militärschläge schloss er nicht aus. Als Demonstration der Stärke hatten die USA Ende April zum zweiten Mal in diesem Jahr den Flugzeugträger „USS Carl Vinsson” in Gewässer nahe der koreanische Halbinsel geschickt.

 Er wolle ein „neues Korea” schaffen, betonte Moon bei der Vereidigungszeremonie.
Er wolle ein „neues Korea” schaffen, betonte Moon bei der Vereidigungszeremonie. Foto: YNA/dpa

Auch durch seine Ernennung des langjährigen Geheimdienstbeamten Suh Hoon zum neuen Leiter des staatlichen Aufklärungsdienstes (NIS) deutete Moon an, wieder stärker auf die kommunistische Führung in Pjöngjang zugehen zu wollen. Suh spielte bei den Vorbereitungen der bisher einzigen beiden Gipfeltreffen Süd- und Nordkoreas in den Jahren 2000 und 2007 eine wichtige Rolle. Noch sei es zu früh, darüber zu sprechen, „doch wir brauchen solch ein Gipfeltreffen”, sagte Suh laut der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap nach seiner Ernennung.

 Neu im Amt: der südkoreanische Präsident Moon Jae In und seine Frau Kim Jung Sook.
Neu im Amt: der südkoreanische Präsident Moon Jae In und seine Frau Kim Jung Sook. Foto: YNA

Moon nominierte zudem den Gouverneur der Provinz Süd-Jeolla und Parteifreund Lee Nak Yon als Ministerpräsidenten. Der frühere Abgeordnete soll Nachfolger des scheidenden Regierungschefs Hwang Kyo Ahn werden, der seit der Absetzung von Moons Vorgängerin Park Geun Hye im März die Amtsgeschäfte des Präsidenten kommissarisch leitete. Der Nominierung Lees muss allerdings das Parlament nach einer Anhörung noch zustimmen.

 Zwei Monate nach der Amtsenthebung von Präsidentin Park ist über den Nachfolger der konservativen Politikerin abgestimmt worden.
Zwei Monate nach der Amtsenthebung von Präsidentin Park ist über den Nachfolger der konservativen Politikerin abgestimmt worden. Foto: YNA

Moon hatte die Wahl am Dienstag mit großem Vorsprung gewonnen und damit nach neun Jahren konservativer Regierungen einen Machtwechsel vollzogen. Die Wahl wurde durch die Amtsenthebung Park Geun Hyes vor zwei Monaten wegen Korruptionsvorwürfen vorgezogen.

 Auf einem Trainingsgelände nahe der Grenze zu Nordkorea feuern südkoreanische Raketenwerfer bei einem Manöver mit US-Streitkräften Salven ab.
Auf einem Trainingsgelände nahe der Grenze zu Nordkorea feuern südkoreanische Raketenwerfer bei einem Manöver mit US-Streitkräften Salven ab. Foto: Ahn Young-Joon

Bei der Wahl entfielen auf Moon nach Angaben der staatlichen Wahlkommission 41,1 Prozent der abgegebenen Stimmen. Der 64-jährige Moon von der Demokratischen Partei gewann mit deutlichem Abstand vor seinen beiden größten Konkurrenten: Für den Konservativen Hong Jun Pyu stimmten 24 und für den Zentrumspolitiker Ahn Cheol Soo 21,4 Prozent der Wähler. Er wolle ein „neues Korea” schaffen und Präsident aller Südkoreaner sein, sagte Moon nach seiner Vereidigung.

 Nordkoreanische Soldaten marschieren bei einer Militärparade in Pjöngjang zu Ehren des 105. Geburtstags von Staatsgründer Kim Il Sung.
Nordkoreanische Soldaten marschieren bei einer Militärparade in Pjöngjang zu Ehren des 105. Geburtstags von Staatsgründer Kim Il Sung. Foto: Wong Maye-E

Bundeskanzlerin Angela Merkel gratulierte Moon zur Wahl. Sie freue sich darauf, ihn als Gast auf dem G20-Gipfel in Hamburg im Juli zu begrüßen, hieß es in einer Mitteilung.

 Wenn ein Krieg ausbreche, solle „ein tödlicher Schlag auf die südkoreanischen Streitkräfte ausgeführt werden”, wurde Nordkoreas Diktator Kim Jong Un zitiert.
Wenn ein Krieg ausbreche, solle „ein tödlicher Schlag auf die südkoreanischen Streitkräfte ausgeführt werden”, wurde Nordkoreas Diktator Kim Jong Un zitiert. Foto: KCNA
(dpa)