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Stockholm: Stockholm setzt nach Anschlag Zeichen gegen Gewalt

Stockholm : Stockholm setzt nach Anschlag Zeichen gegen Gewalt

Nach dem Lkw-Anschlag haben tausende Menschen in Stockholm ein Zeichen gegen Gewalt und Terror gesetzt. Bei einer Kundgebung auf einem zentralen Platz in der schwedischen Hauptstadt gedachten sie am Sonntag der vier Todesopfer mit einer Schweigeminute.

Die Polizei geht davon aus, dass ein 39-jähriger Usbeke am Freitag mit einem Lkw in einer Einkaufsstraße in eine Menschenmenge gerast war. Der Mann hat sich nach Behördenangaben einer Abschiebung entzogen und Sympathien für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und andere „extreme Organisationen” gezeigt. Die Ermittler nahmen derweil am Sonntag eine zweite Person unter Terror- und Mordverdacht fest.

Das finnische Aussenministerium in Helsinki ist in den Farben Schwedens beleuchtet.
Das finnische Aussenministerium in Helsinki ist in den Farben Schwedens beleuchtet. Foto: Markku Ulander/Lehtikuva

Bei dem mutmaßlichen Terroranschlag in der belebten Stockholmer Drottninggatan waren vier Menschen getötet worden, 15 wurden verletzt. Zwei der Toten stammten den Behörden zufolge aus Schweden, die anderen beiden aus Großbritannien und Belgien. Mehr Angaben zu den Opfern machte die Polizei aus Rücksicht auf die Angehörigen nicht bekannt.

Die Menschen in Stockholm bringen vor dem Kaufhaus Åhléns City mit Blumen ihre Trauer zum Ausdruck.
Die Menschen in Stockholm bringen vor dem Kaufhaus Åhléns City mit Blumen ihre Trauer zum Ausdruck. Foto: Markus Schreiber

„Wir haben leider beim Attentat von Stockholm eine Landsmännin verloren”, teilte Belgiens Außenminister Didier Reynders am Sonntag auf Twitter mit. Der Engländer war ein langjähriger Mitarbeiter des Musik-Streamingdienstes Spotify, wie dessen Gründer Daniel Ek am Sonntag in einem Facebook-Post bestätigte. „Es gibt keine Worte um zu beschreiben, wie sehr wir ihn vermissen werden und wie traurig wir sind, ihn auf diese Weise verloren zu haben”, schrieb Ek. Bei den beiden Schweden soll es sich laut Medienberichten um ein elfjähriges Mädchen und eine Frau aus Westschweden gehandelt haben.

Der Ministerpräsident von Schweden, Stefan Löfven, legt Blumen nieder.
Der Ministerpräsident von Schweden, Stefan Löfven, legt Blumen nieder. Foto: Markus Schreiber

Der Anschlag war nach London und St. Petersburg der dritte in Europa innerhalb von drei Wochen.

Die schwedische Kronprinzessin Victoria und ihr Mann Prinz Daniel trauern in Stockholm um die Toten des Lkw-Anschlags.
Die schwedische Kronprinzessin Victoria und ihr Mann Prinz Daniel trauern in Stockholm um die Toten des Lkw-Anschlags. Foto: Boe Torstein/NTB scanpix

In der Nähe des Anschlagsortes in Stockholm versammelten sich am Sonntagnachmittag Tausende zu einer „Liebes-Kundgebung”. Um 14.53 Uhr, der Uhrzeit des Anschlags vom Freitag, war es auf dem Platz komplett still. Viele hielten sich an den Händen und weinten. Am Montag soll es eine landesweite Schweigeminute geben.

Der Lastwagen des Lkw-Anschlags in Stockholm wird abtransportiert.
Der Lastwagen des Lkw-Anschlags in Stockholm wird abtransportiert. Foto: Markus Schreiber/AP

Die Beweislage gegen den am Freitag festgenommenen 39-Jährigen habe sich erhärtet, sagte Jan Evensson von der Stockholmer Polizei. „Die Ermittlungen laufen sehr gut.” Den Ermittlern zufolge beantragte der Mann 2014 eine Aufenthaltsgenehmigung in Schweden. Im Juni 2016 entschied die Migrationsbehörde demnach, ihn auszuweisen. Da er das Land nicht verließ, wurde nach ihm gesucht. Details zu der zweiten Festnahme gab die Staatsanwaltschaft zunächst nicht bekannt.

Das Tatfahrzeug (Bildmitte) steht im Eingangsbereich eines Kaufhauses in Stockholm.
Das Tatfahrzeug (Bildmitte) steht im Eingangsbereich eines Kaufhauses in Stockholm. Foto: Andreas Schyman/TT NEWS AGENCY

Auch der Attentäter vom Berliner Weihnachtsmarkt, der als islamistischer Gefährder eingestufte Anis Amri, war ausreisepflichtig. In Deutschland wird vor allem darüber gestritten, ob Behörden Möglichkeiten versäumten, ihn rechtzeitig festzusetzen und abzuschieben. Amri war ebenfalls mit einem Lkw in Menschen gefahren. Er tötete insgesamt zwölf Menschen.

Die schwedische Polizei sucht derweil weiter nach möglichen Helfern des mutmaßlichen Attentäters. „Wir haben viele Kontrollen durchgeführt und Wohnungen in Stockholm durchsucht”, sagte Evensson. „Ungefähr fünf” Personen würden festgehalten. Etwa 500 Menschen seien befragt worden.

Der Verdächtige aus Usbekistan war am Samstag zum ersten Mal verhört worden. Ob er sich dabei zu seinem Motiv äußerte, wollte die Polizei nicht sagen. Die Ermittler untersuchten außerdem einen verdächtigen Gegenstand, der auf dem Lkw-Fahrersitz gefunden worden war. Medien hatten spekuliert, es könnte sich um eine Bombe handeln. Das bestätigte die Polizei nicht.

Die schwedische Polizei will künftig verstärkt Präsenz zeigen. Zehn Tage lang sollen zudem alle Ausreisenden an den Grenzen kontrolliert werden.

Schwedens König Carl XVI. Gustaf verurteilte den Lkw-Anschlag am Wochenende als „verachtenswürdig”. Doch ihm gebe Hoffnung, „dass all diejenigen unter uns, die helfen wollen, viel zahlreicher sind als diejenigen, die uns schaden wollen”, sagte der Monarch vor dem Königspalast in der Hauptstadt. Carl Gustaf und seine Frau, Königin Silvia, hatten eine Brasilien-Reise abgebrochen und waren nach dem Anschlag nach Schweden zurückgekehrt.

Papst Franziskus gedachte der Opfer der jüngsten Terroranschläge in Schweden und Ägypten bei seinem Angelus-Gebet zum Palmsonntag.

(dpa)