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Ständige Impfkommission: Stiko empfiehlt Corona-Impfung für 12- bis 17-Jährige

Ständige Impfkommission : Stiko empfiehlt Corona-Impfung für 12- bis 17-Jährige

Sollen auch Kinder und Jugendliche gegen Corona geimpft werden? Über diese Frage wird seit Wochen hitzig debattiert. Jetzt ändert die Ständige Impfkommission auf Basis weiterer Daten ihre bisherige Einschätzung.

Wenige Wochen vor dem Ende der Schulferien in vielen Bundesländern und kurz vor dem Schulstart in NRW spricht sich die Ständige Impfkommission (Stiko) für allgemeine Corona-Impfungen für alle Kinder ab 12 Jahren aus.

Nach sorgfältiger Bewertung neuer Daten komme man nun zu der Einschätzung, „dass nach gegenwärtigem Wissensstand die Vorteile der Impfung gegenüber dem Risiko von sehr seltenen Impfnebenwirkungen überwiegen“, teilte das unabhängige Gremium am Montag mit. Bund und Länder begrüßten das Votum als wichtige Orientierung für Jugendliche und Eltern und stellten rasche Impfangebote in Aussicht. Es gab aber auch Kritik an der Stiko und an politischem Druck auf das Gremium.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach von einer guten Nachricht: „Eltern und Jugendliche haben damit eine klare Empfehlung, sich für die Impfung zu entscheiden.“ Ausreichend Impfstoff für alle Altersgruppen sei da. „Wenn gewünscht, kann eine Impfung diese Woche noch stattfinden.“ Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht (SPD) sagte, nun gebe es „noch mehr Sicherheit bei der Entscheidung für
die Impfung“. Sie betonte zugleich: „Die Impfung bleibt freiwillig und darf nicht zur Voraussetzung für den Schulbesuch gemacht werden.“

Die Stiko empfahl Impfungen bei Kindern zwischen 12 und 17 Jahren bisher nicht allgemein - sondern nur bei höherem Risiko für schwere Corona-Verläufe etwa wegen Erkrankungen wie Diabetes. Sie waren laut Stiko aber auch schon mit ärztlicher Aufklärung als individuelle Entscheidung von Kindern und Eltern möglich. Laut Robert Koch-Institut (RKI) sind bereits 24,3 Prozent der 12- bis 17-Jährigen mindestens einmal gegen Corona geimpft und 15,1 Prozent vollständig. Ab 12 Jahren zugelassen sind die Impfstoffe von Biontech und Moderna.

Mittlerweile könnten mögliche Risiken der Impfung in der Altersgruppe zuverlässiger beurteilt werden, erklärte die Stiko am Montag. Sie verwies auf nahezu zehn Millionen geimpfte Kinder und Jugendliche im US-Impfprogramm. Die Zurückhaltung hatte Stiko-Chef Thomas Mertens zuletzt mit unzureichenden Daten zur Sicherheit der Impfung bei Heranwachsenden begründet.

Im Fokus standen vor allem mögliche Folgen von Herzmuskelentzündungen bei Geimpften. Am Montag sprach die Stiko von meist unkomplizierten Verläufen. Der offizielle Empfehlungstext liegt noch nicht vor, Änderungen sind in einem Abstimmungsverfahren mit Ländern und Fachkreisen noch möglich.

„Diese Empfehlung zielt in erster Linie auf den direkten Schutz der geimpften Kinder und Jugendlichen vor Covid-19 und den damit assoziierten psychosozialen Folgeerscheinungen ab“, erklärte die Stiko.

Unverändert solle die Impfung nach ärztlicher Aufklärung zum Nutzen und Risiko durchgeführt werden. Man spreche sich „ausdrücklich dagegen aus, dass bei Kindern und Jugendlichen eine Impfung zur Voraussetzung sozialer Teilhabe gemacht wird“. 

Bereits Anfang August hatten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern breitere Impfangebote für Kinder vereinbart - etwa auch in regionalen Impfzentren. Der Vorsitzende der Länder-Ressortchefs, Klaus Holetschek (CSU) aus Bayern, nannte die Entscheidung der Stiko ein wichtiges Signal an Eltern und die Jugendlichen selbst: „Lassen Sie sich und Ihre Kinder jetzt impfen!“ Je mehr Kinder geimpft seien, „umso sicherer können wir auch in das kommende Schuljahr starten“.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte: „Jetzt braucht es Tempo, um einfach zugängliche Schulhof-Impfangebote für Schülerinnen und Schüler zu schaffen, die dann auch gleich ihren Eltern offen stehen.“ Auch die Aufklärung und die Informationskampagne müssten nun Schritt halten.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte, die Stiko habe sehr lange mit ihrer Entscheidung gewartet. „Damit hat sie es für viele Kinder über 12 Jahre schwer gemacht, eine Impfung zu erhalten. Umso mehr begrüße ich den Schritt jetzt“, sagte er. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schrieb bei Twitter: „„Endlich!“. Die Entscheidung sei nun für den Schulstart wichtig. „Leider haben wir viel Zeit verloren“, kritisierte er. „Umso schneller sollte jetzt das Impfangebot erfolgen.“

Die FDP-Gesundheitsexpertin im Bundestag, Christine Aschenberg-Dugnus, sagte, die Stiko-Entscheidung schaffe Klarheit für Eltern und Kinder sowie Rechtssicherheit für Ärzte. „Die Bundesregierung hätte dieses Ergebnis abwarten sollen, statt unabgestimmt vorzupreschen. Damit sollte die Stiko schlicht unter Druck gesetzt werden.“ Für Kinder unter 12 Jahren ist bislang kein Corona-Impfstoff verfügbar.

(dpa)