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Corona-Lage: Spahn und Wieler mahnen zur Vorsicht an Pfingsten

Corona-Lage : Spahn und Wieler mahnen zur Vorsicht an Pfingsten

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Institutes, haben die Menschen in Deutschland dazu aufgerufen, sich trotz sinkender Corona-Zahlen an Pfingsten weiter vor Ansteckungen zu schützen.

„Genießen Sie die Feiertage, genießen wir gemeinsam die Feiertage, aber bleiben wir dabei vorsichtig“, sagte Spahn am Freitag in Berlin. Nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) sind die Fallzahlen insgesamt weiter zu hoch. „Die Gefahr ist noch nicht gebannt“, sagte Präsident Lothar Wieler. Das gelte auch für die Pfingstfeiertage mit ersten Öffnungsschritten. „Wir dürfen nicht zulassen, dass das Virus wieder Oberhand gewinnt, weil wir auf einmal zu viel wollen“, sagte Wieler.

Die bisherigen Erfolge bei der Eindämmung seien aber unübersehbar: Die Inzidenzen in allen Bundesländern und Altersgruppen gingen zurück. „Glücklicherweise im Moment deutlich auch bei den Jüngeren“, sagte Wieler. Es würden weniger Ausbrüche in Schulen und Kitas gemeldet. Diese seien insgesamt auch kleiner. Es gebe auch einen Rückgang der Patientenzahlen in Kliniken.

Doch immer noch gebe es auch rund 1300 Corona-Tote pro Woche. „Das ist immer noch eine schrecklich hohe Zahl“, sagte Wieler. Insgesamt hätten bisher rund 87.000 Menschen in Deutschland durch die Coronavirus-Pandemie ihr Leben verloren. Inzidenzen und Sterblichkeit seien seit Mitte der zweiten Welle in Regionen, die besonders benachteiligt seien, am höchsten. Mögliche Gründe hierfür seien Armut, Vorerkrankungen, Lebensverhältnisse wie Wohndichte, aber auch Arbeitsbedingungen wie prekäre Beschäftigungen.

Positiv wertete Wieler, dass die Impfbereitschaft mit 73 Prozent der vom RKI Befragten sehr hoch sei. Weitere zehn Prozent würden sich eher als nicht impfen lassen. Spahn wies auf größere Fortschritte der Impfkampagne als von der Regierung angekündigt hin.

Er mahnte zu Geduld, nachdem Ärztefunktionäre berichtet hatten, dass viele Patientinnen und Patienten bei der oft kurzfristigen Terminvergabe ungeduldig reagierten. Spahn erläuterte, derzeit gebe es rund eine Million Impfungen jeden Tag. An Weihnachten seien null Prozent aller Deutschen mindestens einmal geimpft gewesen. An Ostern seien es 12 Prozent gewesen. „Zu Pfingsten werden es 40 Prozent sein, und zum Start in das Sommerquartal werden aus heutiger Sicht mindestens 50 Prozent einmal geimpft sein.“

Rechne man ein, dass nicht alle Erwachsenen als impfwillig gelten und für Minderjährige unter 16 noch kein Impfstoff zugelassen sei, dann ergebe sich, dass nun zwei Drittel aller Impfwilligen und Impfbaren eine erste Impfung bekommen haben. „Wunder sind nicht zu erwarten“, sagte Spahn. Aber die Entwicklung zeige eine deutliche Dynamik.

12,5 Prozent der Bundesbürger seien, laut Wieler, vollständig geimpft. Es müssten aber 80 Prozent werden, die entweder geimpft seien oder die Infektion durchgemacht hätten. „Dann kriegen wir dieses Virus unter Kontrolle.“ Es gelte, den Sommer gemeinsam dafür zu nutzen, um die Virusausbreitung zu unterdrücken. „Damit wir gut durch Herbst und Winter kommen.“

Dazu blieben alle Maßnahmen vom Maskentragen über Tests bis hin zum Impfen wichtig. Es gelte, sich vor allem draußen zu treffen und sich regelmäßig testen zu lassen. Wenn die Infektionszahlen weiter herunter- und die Impfzahlen hochgingen, „dann haben wir Aussicht auf einen guten Sommer“.

„Unsere Ungeduld darf am Ende nicht zu Übermut führen“, sagte der CDU-Politiker. Er habe den Eindruck, „dass im Moment wochenweise in einigen Ländern Lockerungen gemacht werden“. Zwischen Bund und Ländern sei aber vereinbart, vor möglichen nächsten Schritten zunächst zwei, drei Wochen zu warten und zu sehen, welche Folgen dies auf das Infektionsgeschehen habe. Vorsicht gelte etwa auch für den Einzelhandel, machte Spahn deutlich.

„Dass wir nach jetzigem Stand noch deutlich vor Ende des Sommers, noch vor Ende September jedem in Deutschland, der will, ein Impfangebot werden gemacht haben können, das jedenfalls hätte vor zwei Monaten noch kaum jemand erwartet“, betonte Spahn. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte dies für Ende des Sommers angekündigt. Bei allem Ärger über das Warten auf einen Termin könne man sich vor Augen halten: „Es geht jetzt um Wochen, nicht um Monate.“

(dpa)