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Paris: Sarkozy: Ein Comeback mit Schönheitsfehler

Paris : Sarkozy: Ein Comeback mit Schönheitsfehler

Das war nicht der donnernde Triumph, den sich Nicolas Sarkozy erhofft hatte. Zwar wählten die Mitglieder der bürgerlich-konservativen Oppositionspartei UMP den 59-jährigen Ex-Präsidenten am Samstag zu ihrem neuen Vorsitzenden und besiegelten so sein politisches Comeback.

Aber mit 64,5 Prozent der Stimmen blieb er weit hinter den Erwartungen zurück. Die Schau stahl ihm der 45-jährige Ex-Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire, der mit 29,2 Prozent überraschend viele Parteimitglieder hinter sich versammeln konnte. Auch der Abgeordnete Hervé Mariton als Vertreter einer streng wertkonservativen Linie schnitt mit 6,3 Prozent gut ab. Er hatte sich bei den Debatten um die inzwischen eingeführte Homo-Ehe als kämpferischer Gegner hervorgetan.

Online-Votum

Das Online-Votum, an dem sich 58 Prozent der knapp 268.000 Parteimitglieder beteiligten, zeigte vor allem eins: Sarkozy ist nicht mehr das unumstrittene Oberhaupt der UMP. Anders als 2004, als er die Partei bis zu seiner Wahl zum Staatspräsidenten 2007 geführt hatte: Bei der damaligen Wahl versammelte er 85 Prozent der Stimmen hinter sich.

Seine eigenen Anhänger hatten im Vorfeld als Ziel mindestens 70, wenn nicht 80 Prozent ausgegeben. Damit hätte sich der Ex-Staatschef als natürlicher Kandidat für die nächsten Präsidentschaftswahlen 2017 empfohlen — denn der Wiedereinzug in den Elysée-Palast ist das klare Ziel Sarkozys. Der erzwungene Vorruhestand durch seine Abwahl 2012 fiel ihm erkennbar schwer, trotz der hochbezahlten Auftritte als Auftragsredner bei internationalen Konferenzen.

Zusammenschluss aller Flügel

Nun können seine innerparteilichen Rivalen, allen voran die Ex-Premierminister Alain Juppé und François Fillon, weiterhin auf Vorwahlen zur Kandidatenbestimmung bestehen. Besonders gute Chancen hat der 69-jährige Juppé, derzeit Bürgermeister von Bordeaux, der mit seiner staatsmännisch-seriösen Art über Parteigrenzen hinweg populär ist und sich anders als Sarkozy klar vom rechtspopulistischen Front National abgrenzt. 43 Prozent der Franzosen finden Juppé sympathisch, nur 18 Prozent sagen dasselbe von Sarkozy. „Seit 2012 hat sich Sarkozys Ansehen in der öffentlichen Meinung kaum verändert“, sagt Meinungsforscher Frédéric Dabi vom Ifop-Institut. Auch hält eine Mehrheit Juppé für besser geeignet für einen großen Zusammenschluss aller Flügel. Den verspricht auch Sarkozy. Nach der Wahl kündigte er einen Neuanfang für die Partei „von Grund auf“ an. Auch ihren Namen will er ändern.

Damit soll ein Schlusspunkt hinter die Skandale gesetzt werden, die sie zuletzt geprägt haben. Nach der Wahlniederlage 2012 wurde sie von internen Führungsquerelen erschüttert. Noch mehr belastet sie der Skandal um die Finanzierung von Sarkozys Wahlkampf 2012, bei dem mit Hilfe gefälschter Abrechnungen vertuscht werden sollte, dass die erlaubte Obergrenze um 18 Millionen Euro überschritten worden war. Weil ihr daraufhin der staatliche Zuschuss entzogen wurde, ist die Partei heute tief verschuldet. Die Justiz ermittelt, ob es rechtens war, dass Sarkozy das anfallende Bußgeld von der Partei begleichen ließ. Insgesamt ist er in ein knappes Dutzend Affären verstrickt, tut aber jede von ihnen als Komplott seiner politischen Rivalen gegen ihn ab.

Das angekratzte Image des Ex-Staatschefs hat Bruno Le Maire genutzt, der sich als integrer Saubermann profiliert. „Ihr habt massiv und klar euren Willen zur Erneuerung erklärt“, sagte er nach Bekanntgabe der Ergebnisse zu seinen Anhängern. „Dieser Wille muss gehört und respektiert werden.“ Kommentar