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Düsseldorf: NRW erprobt Mitmach-Kultur in der Familienpolitik

Düsseldorf : NRW erprobt Mitmach-Kultur in der Familienpolitik

Nordrhein-Westfalen will in der Familienpolitik neue Wege erproben: In einem großen Mitmach-Projekt sollen Mütter, Väter, Kinder und Großeltern noch bis zum Jahresende ihre Erfahrungen, Wünsche und Forderungen an die Politik formulieren.

Dies werde einfließen in eine neue Art von Familienbericht, erläuterte NRW-Familienministerin Ute Schäfer (SPD) am Donnerstag in Düsseldorf. „Wir wollen Familien zu Mitautoren machen.”

Im Herbst 2015 solle der Bericht vorliegen und eine Art Wegweiser für die Familienpolitik in NRW werden. „Eine aktuelle Bestandsaufnahme für NRW ist überfällig”, sagte Schäfer. Der letzte Familienbericht des Landes liege rund 25 Jahre zurück. Inzwischen gehörten vielfältige Lebensmodelle zum Alltag: Familien mit und ohne Trauschein oder Migrationshintergrund, alleinerziehende oder neu zusammengewachsene Klein- und Großfamilien.

Die Familien können sich online auf der Internetseite des Ministeriums einbringen unter der Adresse www.familienbericht-nrw.de. Daneben will sich das Ministerium in den Regionen des Landes in Veranstaltungen einklinken, die mit Familie zu tun haben, und auch dort Diskussionen moderieren und Stimmen einsammeln. Die Themenpalette umfasst unter anderem die Bereiche Wohnen, Erziehung, Erwerbs- und Familienarbeit sowie Armut und Reichtum.

Der Familienbericht werde sich nicht ausschließlich aus Erfahrungsberichten speisen, sondern auch wissenschaftlich untermauert, betonte Schäfer. Neben Studien und Statistiken werde es auch eine repräsentative Befragung geben.

Geplant sei, künftig - ebenso wie im Bund - einen Familienbericht pro Legislaturperiode zu erstellen. Für diesen Bericht hat das Ministerium 300.000 Euro eingeplant. Er sei von der Haushaltssperre des Landes nicht berührt, sagte Schäfer.

Sie erhofft sich von der Analyse auch Aufschlüsse über die Zielgenauigkeit der rund 154 verschiedenen familienpolitischen Leistungen des Bundes, für die jährlich rund 200 Milliarden Euro ausgegeben werden. „Auch für Berater in den Kommunen ist es schwierig, durch diesen Dschungel durchzublicken.”

Für Alleinerziehende habe sich die Situation in den vergangenen Jahren sogar verschlechtert, stellte Schäfer fest. Als Beispiel nannte sie gesunkene Steuerfreibeträge und die Anrechnung von Kindergeld auf Unterhaltsvorschuss.

(dpa)