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Düsseldorf: Nach dem Schulz-Effekt setzt die NRW-SPD auf den Kraft-Faktor

Düsseldorf : Nach dem Schulz-Effekt setzt die NRW-SPD auf den Kraft-Faktor

Die Saarland-Schlappe soll schnell abgehakt werden bei der SPD. Zwei Tage nach dem unerwarteten Dämpfer für ihre Partei im kleinsten deutschen Flächenland will Nordrhein-Westfalens SPD-Frontfrau Hannelore Kraft nichts wissen von schlechten Vorzeichen für die NRW-Wahl am 14. Mai.

Unbeirrt präsentiert die SPD Spitzenkandidatin am Dienstag in Düsseldorf bei strahlendem Sonnenschein die ersten Großflächenplakate für das wichtigste Votum vor der Bundestagswahl und kontert kritische Fragen mit demonstrativer Gelassenheit.

„Schulz-Effekt” schon verpufft? Dafür hat die versierte Ministerpräsidentin eine typische Politiker-Antwort parat: „Die Stimmung ist ausgezeichnet. Die Menschen kommen.” Die Grünen stehen in den Umfragen mit nur sechs Prozent schlecht da. Hat sie Angst, dass es nicht langt für Rot-Grün und dafür einen Plan B? „Ich brauche keinen Plan B”, gibt die 55-Jährige zurück und hat auch dafür eine Standard-Formel: „Wir kämpfen für ein gutes Ergebnis und hoffen, dass es reicht.”

Auch an der SPD-Basis im Ruhrgebiet und in der Heimatstadt von Kanzlerkandidat Martin Schulz will nach der Saarland-Wahl niemand was von Enttäuschung oder Dämpfer hören. „Natürlich ist der Verlust im Saarland enttäuschend, aber nicht richtungsweisend”, sagt der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Essen-Karnap, Stephan Duda, der dpa. „Die Wähler an Rhein und Ruhr ticken anders.”

Die schlagfertige Ex-Putzfrau, Gewerkschafterin und SPD-Frau Susanne Neumann aus Gelsenkirchen setzt ebenfalls weiter voll auf Schulz: „Es dauert, vergrämte Wähler wiederzugewinnen.” Neumann war bundesweit bekannt geworden, als sie dem früheren SPD-Parteichef Sigmar Gabriel bei einer Veranstaltung kräftig Kontra gegeben hatte.

Auch die Genossen in Würselen, der Heimatstadt des neuen SPD-Vorsitzenden, sehen keinen Grund, jetzt schon den Kopf hängen zu lassen. In NRW und im Bund werde die SPD gewinnen, heißt das Glaubensbekenntnis des SPD-Stadtverbandschefs, Andreas Dumke.

In den nächsten Wochen muss Kraft nun im einwohnerstärksten Bundesland diejenigen hinter sich bringen, die weniger überzeugt sind. In den Umfragen liegt die NRW-SPD mit Werten bis zu 40 Prozent weit vor der CDU, die unter ihrem Landeschef Armin Laschet derzeit auf etwa 30 Prozent kommt.

Allerdings geben beide Politiker wenig auf Umfragen. „Alle, die ein Kopf an Kopf-Rennen prognostiziert haben, glaubten ernsthaft an einen „Schulz-Effekt”, höhnte Laschet nach den ersten Ergebnissen von der Saar.

Kraft will sich im Wahlkampf auf ihre ureigene Stärke verlassen: Nähe zu den Menschen. Die steht auch auf den Wahlplakaten im Vordergrund - zunächst allerdings noch ohne Kraft-Porträt. Stattdessen sieht man in zarten Pastelltönen lachende Kinder mit vergnügtem Senior oder eine junge Frau am Hightech-Laptop mit trendigem Mops auf dem Schoß und Rennrad an der Wand.

„#NRWIR Malocher” heißt der Slogan dazu. „Wir haben über 730 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze mehr seit Regierungsübernahme”, unterstreicht Kraft. Die Arbeitslosigkeit sei in NRW auf dem niedrigsten Stand seit über 20 Jahren. Mit dem Plakat #NRWIR Schlaumeier” will die SPD herausstreichen, dass in NRW unter keiner anderen Regierung so viel in Kinder, Bildung und Familie investiert worden seien sei - seit 2010 mehr als 200 Milliarden Euro.

Doch sowohl die CDU als auch die Linken haben bereits angekündigt, im Wahlkampf andere Rechnungen aufzumachen. Die lauten: Mit einer Arbeitslosenquote von 7,7 Prozent lag NRW im Februar deutlich über dem bundesweiten Schnitt von 6,3 Prozent und stand sogar noch schlechter da als Thüringen und Sachsen. Und bei den Bildungsausgaben pro Kopf liegt NRW weit hinten.

So muss am Ende wohl auch der „Kraft-Faktor” wirken. Die Ministerpräsidentin liegt in den Umfragen nach persönlicher Beliebtheit weit vor Laschet. Und so soll das Abschlussplakat vor der Wahl nur noch ein Motiv haben: Hannelore Kraft.

(dpa)