Düsseldorf: Laschet plant Neuauflage der Ruhrkonferenzen, der DGB ist skeptisch

Düsseldorf : Laschet plant Neuauflage der Ruhrkonferenzen, der DGB ist skeptisch

Weniger für das Schaufenster, mehr Konkretes für die einfachen Leute - so muss aus Sicht des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) die geplante Ruhrkonferenz gestaltet werden. „Die Ruhrgebietskonferenz darf keine Kopfgeburt werden”, mahnte die Landesvorsitzende des DGB NRW, Anja Weber, am Dienstag die Landesregierung. „Leuchtturmprojekte und Start-ups werden Kohle und Stahl nicht ersetzen.”

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will den Düsseldorfer Landtag an diesem Mittwoch über seine Pläne für eine Ruhrkonferenz über den Strukturwandel in Deutschlands größtem Industrie-Ballungsraum unterrichten. Vorgesehen sind Fachforen mit Vertretern aus Regierung, Wirtschaft, Wissenschaft und anderen gesellschaftlichen Bereichen. Sie sollen neue Impulse für das Ruhrgebiet nach dem Ende des Bergbaus entwickeln.

Die strukturellen Probleme des Ruhrgebiets seien nicht mit einem Max-Planck-Instituts zu lösen, sagte Weber. Im Ruhrgebiet seien rund 110.000 Menschen länger als ein Jahr arbeitslos - 44 Prozent aller Arbeitslosen. Betroffen seien vor allem Ältere und Geringqualifizierte.

Jeder Fünfte im Revier sei arm oder von Armut bedroht. Das gelte fast für die Hälfte der Alleinerziehenden und ihrer Kinder. Um ihnen zu helfen, sei es wichtig, die Kommunen bei der Entschuldung zu unterstützen, noch mehr in Infrastruktur und Bildung zu investieren und stärker Arbeit statt Langzeitarbeitslosigkeit zu finanzieren.

Trotz der Probleme dürfe das Ruhrgebiet aber nicht schlechtgeredet werden, unterstrich Weber. Immerhin sei hier die Abwicklung einer ganzen Branche vollständig sozialverträglich gelungen. In vielen wirtschaftlichen Bereichen gebe es seit vielen Jahren eine positive Entwicklung.

Der DGB NRW wird als Reminiszenz an die 200-jährige Geschichte des Steinkohlebergbaus im Ruhrgebiet seine landesweite Kundgebung zum 1. Mai in Bottrop abhalten - traditionell mit dem Ministerpräsidenten und in diesem Jahr auch mit dem Chef der Gewerkschaft IGBCE, Michael Vassiliadis. In Bottrop schließt zum Jahresende mit Prosper-Haniel eine der zwei letzten deutschen Zeche. In ganz NRW sind 74 DGB-Kundgebungen geplant.

(dpa)
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