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Berlin: Krisengespräch: Fünf Stunden ohne konkretes Ergebnis

Berlin : Krisengespräch: Fünf Stunden ohne konkretes Ergebnis

Für Kriegszeiten ist der russische Außenminister Sergej Lawrow erstaunlich gut aufgelegt, als er am Sonntagabend an der Villa Borsig im Norden Berlins eintrifft. Seinen deutschen Kollegen Frank-Walter Steinmeier begrüßt er mit einem Scherz, über den aber nur Lawrow lachen kann.

Und bei dem anschließenden Spaziergang zusammen mit dem französischen Außenminister Laurent Fabius und dem ukrainischen Außenminister Pawel Klimkin durch den Garten der Villa am Tegeler See fragt der Russe als erstes: „Können wir hier vielleicht baden?”

Spätestens zu diesem Zeitpunkt dürfte sich Steinmeier gefragt haben, ob es wirklich eine gute Idee war, seinen Vermittlungsversuch in der Ukraine-Krise mit einem Spaziergang für die Kamerateams aus aller Welt zu beginnen. Solche Bilder gehörten zum Standardprogramm von G8-Gipfeln, als die G8 mit Russland noch aktiv war.

Aber jetzt ist Krieg. Und am Sonntag kommen in der Ostukraine bei den Kämpfen zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten wieder Dutzende Menschen ums Leben. Auch während des Treffens wird um Donezk mit Artillerie geschossen.

Auf die Frage Lawrows findet Steinmeier dann trotzdem eine Antwort, die ganz gut zu dem Vierer-Treffen passt. „If we can, we can” - „Wir können, wenn wir es können”, sagte er in Abwandlung eines berühmten Zitats von US-Präsident Barack Obama („Yes we can”). Das kann man auch so verstehen: Eigentlich könnten wir uns nach monatelangen vergeblichen diplomatischen Bemühungen mal zusammenraufen und etwas zustande bringen - wenn wir nur wollen.

Nach dem Spaziergang ziehen sich die Minister zu einem Vierer-Gespräch in das Kaminzimmer der Villa zurück. Auch beim anschließenden Abendessen sitzen sie ohne Berater zusammen, obwohl ursprünglich eine etwas größerer Runde geplant war. Ein kleines Format bedeutet, dass sehr offen gesprochen werden kann. Eigentlich ein gutes Zeichen.

Die Ziele für den Abend hat Steinmeier bewusst nicht zu hoch gesteckt. Zu oft ist sein Optimismus enttäuscht worden. Inzwischen hat er sich ihn abgewöhnt - zumindest was diese Krise angeht. „Wir sind weit weg vom Ende der Spannungen”, sagt er zum Auftakt der Sitzung. Er warnt sogar vor einer direkten Konfrontation zwischen der Ukraine und Russland.

Der Bundesaußenminister will vor allem eins: Den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen. Nach fünf Stunden tritt er alleine vor die Presse. Das ist bei einem Vierer-Treffen kein gutes Zeichen. Er spricht von schwierigen Gesprächen, aber auch von Fortschritten in einzelnen Punkten.

Klimkin sieht das anders: „Um Fortschritte zu erzielen, muss man sich wohl noch viele Male für fünf Stunden treffen”, twittert er. Es bleibt also offen, was der Krisengespräch wirklich wert war.

Der Streit um den humanitären Hilfskonvoi der Russen mit 280 Lastwagen hat in den letzten Tagen viel diplomatische Kraft gekostet, die eigentlich für die größeren Zusammenhänge gebraucht würde. Für einen Plan zum Erreichen eines Waffenstillstands beispielsweise oder für wirksame Grenzkontrollen. Ob das Krisengespräch in Schritt in diese Richtung war, bleibt offen.

Immerhin verabreden die vier Außenminister, mit ihren Staats- und Regierungschefs über eine Fortsetzung der Gespräche zu beraten. Die Entscheidung soll bis Dienstag fallen.

(dpa)