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Kommentiert: Korrekturen

Kommentiert: Korrekturen

Thomas Thelen fordert Korrekturen, mit deren Hilfe Volkswagen den Umbruch meistern könne.

Die Nachricht vom Stellenabbau bei Volkswagen kommt nicht überraschend. Schon im September hatte Personalvorstand Karlheinz Blessing bei der Betriebsversammlung entsprechende Maßnahmen angekündigt. Nun liegen Zahlen vor: 23.000 Arbeitsplätze muss der Konzern in Deutschland bis zum Jahr 2020 abbauen. Von den 120.000 Stellen hierzulande sollen demnach an die 20 Prozent dauerhaft gestrichen werden. Das sind keine Peanuts, sondern historische Dimensionen. Der Volkswagenkonzern steht vor dem härtesten Einschnitt seiner langen Unternehmensgeschichte.

Zu behaupten, die Mitarbeiter müssten nun als schwächstes Glied in der Kette für die Folgen des verheerenden Abgas-Skandals büßen, greift aber viel zu kurz. Natürlich hat dieser Skandal sein Übriges getan, um die eh schon schwierige Situation bei VW erheblich zu verschärfen. Doch auch ohne das Desaster, das zu einem gigantischen Vertrauensverlust bei den Kunden geführt hat und den Konzern zum Sparen im großen Stil zwingt, wären die Einschnitte dringend nötig gewesen.

Mangelnde Effizienz und zu hohe Kosten haben dazu geführt, dass die Pkw-Kernmarke seit langem ein enormes Rendite-Problem hat. Der Hausmarke um Golf und Passat blieben zuletzt von 100 umgesetzten Euro nur rund 1,60 Euro als Gewinn, wovon dann noch Zinsen und Steuern abgingen.

Wie die gesamte Branche muss der Konzern den gewaltigen Umbruch in der Autoindustrie meistern. Was nichts anderes bedeutet, als sehr viel Geld in zentrale neue Trends zu pumpen: Digitalisierung und Vernetzung sowie alternative Antriebe. Will VW den Kampf gegen die Konkurrenz von Tesla, Google und allen anderen aufnehmen (und am Ende sogar gewinnen!), muss sich der Konzern entsprechend aufstellen, Stichwort Elektro-Mobilität. Dass VW in dem Bereich sogar 9000 Stellen schaffen will, ist eine gute Nachricht. Unter dem Strich bleiben aber immer noch 14.000 Jobs, die wegfallen.

Der vom Unternehmen und dem Betriebsrat ausgehandelte Zukunftspakt sieht keine betriebsbedingten Kündigungen vor. Der Stellenabbau soll demografisch geschehen, ältere Mitarbeiter sollen über die Altersteilzeit eher in den Ruhestand gehen. Die Jungen und der Mittelbau dürfen also die Zukunft gestalten. Alles andere würde auch keinen Sinn ergeben.

Zukunftspakt ist ein großes Wort, und auf dem Papier hört sich das auch alles vernünftig an. Doch nur, wenn die Kernpunkte jetzt konsequent angegangen und umgesetzt werden, könnte die Zukunft beim Zwölf-Marken-Konzern mit seinen 610.000 Beschäftigten weltweit wieder rosiger ausschauen. Wie hatte es Personalchef Blessing formuliert: „Wir haben ein hartes Fitnessprogramm vor uns.“ Überlebenskampf würde es besser treffen.