Bundesbildungsministerin will gleiche Standards: Karliczek strebt deutsches Zentralabitur an

Bundesbildungsministerin will gleiche Standards : Karliczek strebt deutsches Zentralabitur an

Bundesweit einheitliche Standards in den Schulen sind das Ziel, das Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) mit dem geplanten Nationalen Bildungsrat erreichen will, der nach ihrer Vorstellung bis Ende dieses Jahres seine Arbeit aufnehmen soll. Mit Karliczek sprachen unsere Korrespondenten Jan Drebes und Eva Quadbeck.

Ist eine Zwei in Mathe auf dem Zeugnis in NRW, in Bayern und in Brandenburg eigentlich gleich viel wert, wenn die Schüler die gleiche Schulform und die gleiche Jahrgangsstufe besuchen?

Karliczek: Der Vergleich ist ja schon unter den Schulen eines Landes schwierig, selbst wenn der Schultyp gleich ist. Und erst recht zwischen Schulen verschiedener Länder. Aber eines kann man dennoch sagen: Insgesamt haben wir in Deutschland gut ausgebildete junge Leute.

Handwerksbetriebe und Universitäten klagen aber über das Niveau der Schulabgänger.

Karliczek: Ach, die Jugend von früher galt ja schon immer als leistungsstärker als die heutige. Dennoch hat nahezu jede Generation die Welt vorangebracht. Was die Klagen der Universitäten angeht, muss man sehen: Heute beginnen viel mehr junge Leute ein Studium. Das ist insgesamt eine gute Entwicklung. Aber naturgemäß ist damit die Vorbildung in den Hörsälen unterschiedlicher geworden. Die Universitäten wissen das und bemühen sich, in den ersten Semestern zunächst einheitliche Grundlagen für das Studium zu schaffen. Und natürlich ist auch das Niveau der Auszubildenden recht unterschiedlich. Aber noch einmal: Man kann nicht behaupten, früher sei alles besser gewesen und heute hätten wir ein Riesenproblem. Ein Problem ist für mich eher das unterschiedliche Leistungsniveau unter den Bundesländern.

Was ja für mehr einheitliche Standards bundesweit im Schulsystem spricht.

Karliczek: Ja. Einheitliche Standards in den Schulen in allen Bundesländern und in der Aus- und Weiterbildung sind für mich ein zentrales Thema für den Nationalen Bildungsrat, den wir ja planen. Durch die Digitalisierung wird sich die Welt immer schneller entwickeln. Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen damit Schritt halten können. Gerade deshalb muss die Qualität der Bildung ein Kernthema in unserem Land sein. Die Bildung aller Menschen wird immer wichtiger – die in jungen Jahren, aber auch während des Berufs. Und ein gutes Bildungssystem zeichnet sich weiter durch Transparenz, Durchlässigkeit und Vergleichbarkeit der Abschlüsse aus.

Soll auch ein Zentralabitur Teil der neuen Standards werden, die ein Nationaler Bildungsrat festlegt?

Karliczek: Die neue Diskussion über ein Zentralabitur ist richtig und überfällig. Ein Abitur mit länderübergreifend gleichen Prüfungsanforderungen muss in absehbarer Zeit kommen – schon aus Gründen der Gerechtigkeit. Für den Hochschulzugang ist vielfach immer noch die Abiturnote entscheidend. Die Anforderungen an alle Abiturienten müssen in Deutschland vergleichbar sein. Die Länder sollten deshalb ihre Bemühungen für eine bessere Vergleichbarkeit bei den Bildungsabschlüssen erhöhen. Eines darf dabei nicht passieren: Das Niveau der Prüfungen darf nicht gesenkt werden. Das kann sich ein Land wie Deutschland, das von der Qualität seiner hochqualifizierten Fachkräfte lebt, nicht erlauben. Bundesländer, in denen an den Schulen das durchschnittliche Leistungsniveau nicht erreicht wird, müssen ihre Schüler auf ein höheres Niveau bringen, so schwierig das in manchen Regionen auch sein mag. Der Nationale Bildungsrat könnte hier auch mit Blick auf das gesamte System Empfehlungen abgeben und diesen Prozess begleiten.

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