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Köln: Hannelore Kraft und Armin Laschet: Das TV-Duell im Wahlkampf

Köln : Hannelore Kraft und Armin Laschet: Das TV-Duell im Wahlkampf

Es ist der politische Nahkampf, in den Hannelore Kraft und Armin Laschet am Dienstag eintreten. Keine Parteianhänger im Rücken, eine Stunde Auge in Auge und vor allem: ziemlich viele Zuschauer im Land, das beide nach der NRW-Wahl am 14. Mai regieren wollen. Die NRW-Ministerpräsidentin von der SPD und ihr Herausforderer von der CDU treffen sich zum TV-Duell.

Obwohl beide reichlich Politik- und Fernseherfahrung mitbringen, dürfte der Termin ein besonderer sein in ihrem Wahl-Marathon. TV-Duelle haben in Deutschland zwar eine noch vergleichsweise junge Tradition - 2002 duellierten sich Gerhard Schröder (SPD) und Herausforderer Edmund Stoiber (CSU) erstmals auf Bundesebene. Sie gelten aber als Gipfel des Wahlkampfs, auch in den Ländern. In Schleswig-Holstein, das am 7. Mai wählt, trafen jüngst Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und Herausforderer Daniel Günther (CDU) aufeinander. Wer regieren will, muss im Duell bestehen.

Das verdeutlicht in Zeiten von Social Media, wie wichtig das Fernsehen immer noch als Wahlkampfmedium ist. Mit keinem anderen Format kann man auf einen Schlag so viele Menschen erreichen. „Wenn ich als Kandidat auf einen Marktplatz gehe, weiß ich, dass ich zu 95 Prozent vor Menschen spreche, die mich sowieso wählen wollen”, sagt Kommunikationswissenschaftler Marcus Maurer. Unentschiedene erreiche man aber kaum. „Die erreiche ich nur im TV-Duell.”

Welche Auswirkungen die Debatten letztlich auf die Wahlentscheidung haben, ist allerdings gar nicht so leicht zu sagen. Wie so oft lautet die Antwort: Es hängt von den Umständen ab. „Die Wirkung auf die Zuschauer ist ganz unterschiedlich”, sagt der Politikwissenschaftler Christoph Bieber. Wer bereits nah dran sei an einem Kandidaten, schaue vielleicht eher auf Äußerlichkeiten, weil er die Positionen schon kennt. „Wer mehr oder minder zufällig reinzappt, der interessiert sich vielleicht eher für die Inhalte.”

Zur Frage, welche Rolle Aussehen, Gestik und Mimik im Vergleich zu Argumenten spielen, gibt es gleichwohl unterschiedliche Denkschulen. Die eine bringt dabei gerne das US-Duell zwischen John F. Kennedy und Richard Nixon im Jahr 1960 ins Spiel, bei dem ein sonnengebräunter Kennedy auf einen unrasierten, blassen Nixon traf. Kennedy gewann.

Der Mainzer Forscher Maurer nennt es allerdings einen „Mythos”, dass der Wahlausgang damals über die Rasur Nixons entschieden wurde. „Die non-verbale Kommunikation unterstreicht das Gesagte eventuell, sie verstärkt oder schwächt es ab”, sagt er. Vor allem aber käme es darauf an, was gesagt werde. Man könne eine unbeliebte Steuererhöhung mit einem Lächeln ankündigen - es bleibe aber eine Steuererhöhung.

Wesentlich sei es, Sätze zu sagen, gegen die quasi niemand etwas haben könne, sagt Maurer. Etwa ein Appell für Gerechtigkeit. Scharfe Angriffe seien hingegen nicht ratsam, weil man damit maximal die eigenen Anhänger überzeuge. „Man verärgert aber diejenigen, die unentschieden sind oder dem anderen Kandidaten anhängen.” Schlammschlachten seien nicht gerade beliebt in solchen Debatten.

Ein guter Teil der Wirkung hängt nicht zuletzt auch davon ab, wie das Duell in den folgenden Stunden besprochen wird. Es ist daher damit zu rechnen, dass auch am Dienstag, wenn Kraft und Laschet antreten, Parteistrategen versuchen werden, ihre Deutungsmuster durchzudrücken.

Vor allem ist es aber wichtig, sich schlicht nicht zu blamieren - Aussetzer bleiben immer hängen. Legendär in diesem Zusammenhang ist das irrlichternde Statement des Hamburger SPD-Spitzenkandidaten Michael Naumann vor der Bürgerschaftswahl 2008: „Wir wollen, die Kinder- und Bildungs- und Studiengebühren abschaffen. (...) Wir werden die Studienpläne, die - Entschuldigung. Wir werden die Pläne an den Schulen (...) Oh Gott.”

Vergleiche zwischen TV-Duellen und Fußballspielen drängen sich dabei nicht nur zufällig auf: Auch die Tagesform kann zählen. In NRW gibt es dafür einen wegweisenden Satz: „Entscheidend is aufm Platz.”

(dpa)