Hackerangriff hat auch Bundestagsabgeordnete der Region getroffen

Abgeordnete aus der Region betroffen: Wenn die alte Privatadresse plötzlich im Netz steht

Der Hackerangriff auf Prominente und Politiker wirft viele Fragen auf. Auch bei den Bundestagsabgeordneten der Region, die allerdings nicht alle von dem aktuellen Vorfall betroffen sind. Einige Abgeordnete wechseln nun ihre Handynummern oder schulen ihre Mitarbeiter.

Was verwundert: Eine spezielle Sicherheitsunterweisung erfolgt für die Bundespolitiker nicht, allerdings kann man sich im Intranet des Bundestags Hinweise herunterladen, wie man seine Daten bestmöglich schützt. „Letztlich muss jeder selbst dafür Sorge tragen, dass vertrauliche Daten nicht an Dritte gelangen“, sagt der Bundestagsabgeordnete Dietmar Niethan (SPD) aus Düren.

In gleich mehrfacher Hinsicht wurde seine Fraktionskollegin Claudia Moll (SPD) aus Eschweiler Opfer einer Datenattacke. Schon im August meldete sie der Polizei, dass sich Unbekannte an ihrem privaten E-Mail-Account zu schaffen gemacht hatten. „Ich konnte plötzlich meine elektronische Post nicht mehr öffnen und hatte keine Möglichkeit mehr, mein Facebook-Profil zu bearbeiten“, schildert sie.

Die Behörden bestätigten den Verdacht, nachdem sie auch die Rechner der Betroffenen untersucht hatten. Immerhin: Die Hardware blieb unangetastet. „Ich habe mich zunächst selbst schuldig gefühlt“, sagt sie. Allerdings habe sie dann erfahren müssen, dass auch andere Bundestagsabgeordnete ins Visier von Datendieben geraten waren.

Dazu zählt auch der Aachener CDU-Bundestagsabgeordnete Rudolf Henke, dessen Homepage komplett neu aufgebaut werden musste, nachdem sie von Hackern lahmgelegt worden war. „Das hat viele Monate meiner Aufmerksamkeit gekostet“, sagt er. Mit der Nutzung von sozialen Medien hält er sich nach eigenen Angaben zurück.

Lediglich bei Facebook unterhält er einen Account, die sonst ebenfalls üblichen Wege Twitter und Instagram bedient er nicht. „Letztlich darf man die Augen nicht davor verschließen, dass es keine absolute Sicherheit gibt“, sagt er. Er hält sich an den üblichen Vorgaben für die Internetsicherheit, die auch in der Empfehlung im Bundestag zu lesen ist: Passwörter regelmäßig zu wechseln, keine leicht zu erratende zu verwenden und sie regelmäßig zu wechseln.

Nach derzeitigen Erkenntnissen sind auch Politiker betroffen, die nicht unmittelbar selbst gehackt worden sind. In den veröffentlichten Daten findet sich auch die Handynummer des Heinsberger CDU-Bundestagsabgeordneten Wilfried Oellers. Diese stammt offensichtlich von einer geleakten Datenliste.

Der Unionspolitiker selbst gibt an, nicht Ziel von Hackern geworden zu sein. Von Andrej Hunko, Bundestagsabgeordneter für Die Linke, ist eine Privatadresse aufgetaucht. „Dies ist allerdings eine alte Anschrift von mir, wo ich schon lange nicht mehr wohne“, teilt er mit.

Abgeordnete wechseln Handynummer

Angriffe von Hackern auf den Bundestag oder auf Parteien sind nicht ungewöhnlich. Im Jahr 2015 wurde Russland verdächtigt, hinter einer Attacke auf das Netzwerk des Bundesparlaments zu stecken. Per E-Mail war die Schadstoffsoftware in die Computer gelangt.

Der Bundestag verfügt über ein eigenes Netz, dem auch die Rechner der Wahlkreisbüros der Abgeordneten außerhalb Berlins angeschlossen sind. Diese Verbindungen sind besonders gesichert. Dies gilt auch für die dienstlichen Laptops der Volksvertreter, allerdings nicht für die privat genutzten Rechner und Handys.

Nach dem jüngsten Datenleck haben einige Bundestagsabgeordnete reagiert und ihre Handynummern gewechselt. Andere wiederum lassen ihre Büromitarbeiter gezielt schulen oder gehen noch sensibler mit ihren Daten um. „Es ist schon so, dass man nun aufmerksamer geworden ist und sein Verhalten hinterfragt“, meint Dieter Niethan. Eine Online-Sicherheitstraining für Abgeordnete sei dennoch nicht vorgesehen.

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