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Aachen: Friedenspreis an drei Schulen

Aachen : Friedenspreis an drei Schulen

Eine „Zwangsverleihung“ hat es am Sonntag in Aachen nicht gegeben. Der Verein Aachener Friedenspreis hat die Hulda-Pankok-Gesamtschule aus Düsseldorf nun doch von der Preisträgerliste gestrichen. Ursprünglich sollten vier deutsche Schulen für ihren Beschluss, die Bundeswehr nicht zu Informationsveranstaltungen in ihr Haus zu lassen, ausgezeichnet werden.

„Tatsächlich haben sich nun neben der Schulleitung auch andere Gruppierungen der Schule gegen die Preisverleihung ausgesprochen, auch wenn der Beschluss der Schulkonferenz nach wie vor Bestand hat“, erläuterte Lea Heuser, Pressesprecherin des Aachener Friedenspreises, am Tage der Preisverleihung. „Da aber die Bundeswehr mittlerweile in die Hulda-Pankok-Gesamtschule kommt, ist der Grund für die Auszeichnung ohnehin nicht mehr gegeben.“

So waren es im 25. Jahr des Aachener Friedenspreises drei Preisträger, die in der Aula Carolina mit der Auszeichnung geehrt wurden: Die Internationale Schule in Dohuk (Irak) sowie die „Schulen ohne Bundeswehr“, Robert-Blum-Gymnasium in Berlin und die Käthe-Kollwitz-Schule in Offenbach.

Das Berliner Gymnasium und die Offenbacher Berufsbildende Schule lassen die Jugendoffiziere der Bundeswehr nicht in ihren Unterricht. Während Bernd Fiehn, Berliner Schulleiter, dies eher als Konsequenz aus dem Engagement seiner Einrichtung als „Schule ohne Rassismus — Schule mit Courage“ sieht und nicht so sehr das Tun oder Lassen der Bundeswehr allgemein kritisiert, geht die Offenbacher Schulkonferenz weiter: „Die Bundeswehr ist keine Verteidigungsarmee mehr, wie im Grundgesetz vorgesehen“, zitierte Lehrer Eberhard Enß, Mit-Initiator der Entscheidung der Käthe-Kollwitz-Schule, aus der Beschlussbegründung. „Wir wollen nicht, dass unsere Schülerinnen und Schüler für einen Krieg gegen andere Völker rekrutiert werden.“

Dass Erfahrungen von Tod und Gewalt Konstruktives erzeugen können, zeigte Rabban Al-Qas. Der heutige chaldäisch-katholische Bischof erlebte selbst die Bombardierung seines Dorfes, Deportationen und Ermordungen durch das Baath-Regime unter Saddam Hussein. Als Antwort gründete er 2004 im Nordirak eine Schule, in der Friedenserziehung aktiv gelebt wird, so die Begründung des Aachener Friedenspreises. Vor allem setzt er dabei auf eine strikte Trennung von Religion und Politik. „Um uns herum sind plötzlich die Unterschiede der Religionen wichtig. Das war früher anders“, sagte der Schulleiter der Internationalen Schule, in der viele Mädchen und Jungen mit verschiedenen Religionszugehörigkeiten zusammen unterrichtet werden, in der es aber keinen Religionsunterricht gibt. „Die Religion ist etwas zwischen dir und deinem Gott.“ Mit Blick auf die Konflikte in Ägypten, in der Türkei und in Syrien sagte er: „Sie wollten einen Frühling, jetzt haben sie Winter.“

In der Syrien-Frage sind sich die deutschen Friedensaktivisten einig. Sie sehen eine mögliche Intervention der US-Armee als völkerrechtswidrig an. Der Aachener Friedenspreis fordert einen sofortigen Stopp von Waffenexporten und das Einberufen der im Juni verschobenen Syrien-Konferenz.

„Wer schaut auf die Opfer“

Jutta Dahl, 1988 erste Friedenspreisträgerin, sagte: „Der Umgang mit dem Syrien-Konflikt erscheint mir als typisches Männerproblem mit typischen Männerlösungen: Gewalt mit Gegengewalt beantworten. Ich frage: Wer schaut auf die Opfer?“ Auch Ottmar Steinbicker, ehemaliger Vorsitzender des Aachener Friedenspreises und zurzeit aktiv in der Versöhnung der Konfliktparteien in Afghanistan, fordert zusammen mit Partnern aus den USA und Afghanistan mehr Aufmerksamkeit für die Kriegsopfer — Zivilisten wie Soldaten. Gleichzeitig machen ihn die Erfahrungen in Afghanistan optimistisch für Syrien: „Frieden ist machbar. Aber nur politische Lösungen können eine Eskalation verhindern.“