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Kairo: Freispruch für Mubarak löst in Ägypten Krawalle aus

Kairo : Freispruch für Mubarak löst in Ägypten Krawalle aus

Erleichterung auf der einen, ungläubiges Entsetzen auf der anderen Seite: Der Freispruch für den ägyptischen Ex-Präsidenten Husni Mubarak bei einem neu aufgerollten Mordprozess hat gewaltsame Proteste in Kairo ausgelöst.

Zwar bleibt der langjährige Machthaber trotz des Gerichtsentscheids vom Samstag wegen einer früheren Verurteilung in Haft, doch das besänftigte seine Gegner nicht. Auf den Straßen der Hauptstadt gab es tödliche Krawalle.

Das Gericht sprach Mubarak nicht nur vom Vorwurf der Beihilfe zum hundertfachen Mord bei der Niederschlagung der Massenproteste von 2011 frei. Es stellte auch ein weiteres Verfahren gegen ihn wegen Korruption und Amtsmissbrauchs ein. Das Gericht entschied zudem, dass auch Mubaraks einstiger Innenminister Habib al-Adli sowie sechs ranghohe Sicherheitsleute nicht für den Tod regierungskritischer Demonstranten verantwortlich gemacht werden könnten. Schließlich hätten die Sicherheitskräfte am blutigsten Tag der Revolte laut eigenen Aussagen keine scharfe Munition eingesetzt.

Mubarak selbst war am Samstagmorgen per Hubschrauber zur Polizeiakademie geflogen und auf einer Trage in den Verhandlungssaal gebracht worden. Dort verfolgte er die Urteilsverkündung im vergitterten Bereich für die Angeklagten. Nach dem Freispruch brachen Mubaraks Anhänger im Gerichtssaal in Jubel aus.

Nur ein schwaches Lächeln

Mubaraks Augen blieben hinter einer dunklen Sonnenbrille verborgen, außer einem schwachen Lächeln ließ er keine Gemütsregung erkennen. Später wurde der 86-Jährige zurück in ein Militärkrankenhaus gebracht, wo er eine im Mai verhängte dreijährige Haftstrafe wegen Veruntreuung öffentlichen Geldes absitzt.

Wochenlange Proteste gegen Mubaraks autokratische Herrschaft hatten Anfang 2011 zum Sturz des „Pharaos“ geführt. Im Juni 2012 verurteilte ein Gericht ihn, al-Adli und die sechs Sicherheitsleute zu lebenslanger Haft, weil sie den Tod von mehr als 800 Demonstranten nicht verhindert hatten. Dieses Urteil wurde im Januar 2013 wegen Verfahrensmängeln aufgehoben, Monate später begann der neue Prozess. Gegen die nun gefällte Entscheidung können Staatsanwaltschaft und Nebenkläger Berufung einlegen.

Mubaraks Anwalt Farid al-Deeb sagte nach dem Freispruch, dieser beweise die „Unbescholtenheit“ von Mubarak und dessen Herrschaft. Zudem äußerte er die Hoffnung, dass sein Mandat schon jetzt vorzeitig freigelassen werden könnte, da er durch die jahrelange Untersuchungshaft „zwei Drittel seiner Strafe verbüßt“ habe.

Vor der Polizeiakademie, wo die Verhandlung aus Sicherheitsgründen stattfand, verschafften sich hingegen wütende Demonstranten Luft. Ein Protestteilnehmer, dessen Sohn während der Revolte von 2011 getötet wurde, zeigte sich bestürzt: „Das Urteil ist ungerecht. Mein Sohn ist umsonst gestorben.“ Auf dem zentralen Tahrir-Platz versammelten sich mehr als tausend aufgebrachte Menschen, die gegen das Urteil und die Regierung protestierten. Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor, später hallten Schüsse durch Kairo. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums gab es zwei Tote.

(afp)