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Festakt zum 70-jährigen Bestehen der Karlspreis-Gesellschaft

Der Internationale Karlspreis zu Aachen : Ein Blick auf Bewahrer, Reformer und Visionäre

Zum 70-jährigen Bestehen der Karlspreis-Gesellschaft wird es einen Festakt mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (beide CDU) geben. Preis und Preisträger spiegeln die europäische Entwicklung wider.

Die Europäische Union definiert sich zuallererst als eben das: eine Union, eine Gemeinschaft, ein Zusammenschluss von Staaten, die die gleichen Werte teilen. Die jüngsten Ereignisse an den EU-Außengrenzen erinnern daran, dass die Mitgliedsstaaten ein ums andere Mal beweisen müssen, dass sie sich zu diesen Werten und dieser Gemeinschaft bekennen. Die Europäische Union, die einst in der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl ihren Ursprung fand, musste in den vergangenen Jahrzehnten so manchen Härtetest bestehen. Sie hat sich stetig weiterentwickelt. Begleitet wurde diese Entwicklung durch die Auszeichnung bedeutender europäischer Persönlichkeiten mit dem Internationalen Karlspreis zu Aachen, der erstmals vor 70 Jahren verliehen wurde. Anlässlich des Jahrestags ist für Sonntag, 15. März ein Festakt geplant (s. Infobox).

„Der Karlspreis ist die wichtigste politische Auszeichnung, die es in Europa gibt“, sagte Jürgen Linden, Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums am Mittwoch. Der Preis sei nicht nur ein Stück europäische Geschichte, sondern habe diese mitgeprägt. Darauf könnten die Aachener zu Recht stolz sein.

So spiegelten die Preisträger die Entwicklung wider, die Europa durchlaufen habe, sagte Linden. Zu Beginn wurden die Gründerväter Europas ausgezeichnet, beginnend 1950 mit Richard Coudenhove-Kalergi. In einer zweiten Phase folgten die ersten Vertreter der sich neugebildeten europäischen Institutionen. 1981 wurde etwa die Französin Simone Veil mit dem Karlspreis ausgezeichnet. Sie war die erste Frau an der Spitze des von den Bürgern direkt gewählten Europäischen Parlaments. Es folgten Preisträger, die sich besonders bei der Erweiterungspolitik verdient gemacht haben – zunächst bei der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und später bei der Osterweiterung.

Zudem wurden auch jene Politiker ausgezeichnet, die die Reform innerhalb der Union vorantrieben, wie etwa 1992 der damalige Kommissionspräsident Jacques Delors. 2008 erhielt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Preis, da sie die deutsche Ratspräsidentschaft nutzte, um dem Vertrag von Lissabon den Boden zu bereiten. Die Phase der Vertiefung der europäischen Zusammenarbeit wurde danach allerdings von einer „Krisensituation“ abgelöst, resümierte Linden. Daher markierten die folgenden Preisträger Persönlichkeiten, die sich für die Versöhnung innerhalb Europas einsetzten, wie beispielsweise der ehemalige Präsident des Europäischen Rates Herman Van Rompuy (2014). Die Preisträger der vergangenen beiden Jahre, Emmanuel Macron (2018) und António Guterres (2019) stünden dagegen für einen neuen Aufbruch und neue Reformen.

Der diesjährige Preisträger, der rumänische Präsident Klaus Iohannis, erhalte die Auszeichnung am 21. Mai für seine steten Bemühungen Brücken zwischen Ost und West zu bauen, sagte Linden. „Die Risse gehen quer durch Europa. Iohannis ist ein Stabilitätsfaktor im Osten. Sein Einstehen für europäische Werte kann auch uns im Westen als Vorbild dienen.“ Das gelte auch mit Blick auf den 1. Juli. An diesem Tag übernimmt Deutschland turnusmäßig die EU-Ratspräsidentschaft. „Die Ambitionen der Deutschen für den Vorsitz sind noch gar nicht kommuniziert worden“, sagte Linden. Dabei müsse angesichts der Krise im transatlantischen Bündnis doch oberstes Ziel sein, dass Europa zusammenstehe.

Doch auch für den Karlspreis gebe es klare Aufgaben für die Zukunft. Man wolle mehr Menschen erreichen – in der Region und Europa. „Damals war der Karlspreis eine bürgerlich-elitäre Veranstaltung“, sagte Linden. „Jetzt wollen wir das Publikum ausweiten, den Krönungssaal öffnen und breite Kreise ansprechen, in der Städteregion und in ganz Europa.“ Daher sollen auch die Veranstaltungen zur Feier anlässlich des 70. Jahrestags der Gründung der Karlspreis-Gesellschaft öffentlich sein.

Am Mittwoch, 1. April, lädt die Karlspreis-Gesellschaft zu einer Ausstellung in den Krönungssaal, die die Geschichte der Preisträger darstellt. Im Anschluss daran wird Jürgen Linden sein in diesem Monat erschienenes Buch „Der Internationale Karlspreis – eine europäische Erfolgsgeschichte“ im Gespräch mit dem Chefredakteur dieser Zeitung, Thomas Thelen, vorstellen.