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Stolberg: Ex-Botschafter Kornblum: „Clinton wird US-Präsidentin“

Stolberg : Ex-Botschafter Kornblum: „Clinton wird US-Präsidentin“

John C. Kornblum glaubt fest daran, dass Hillary Clinton US-Präsidentin wird. „Für Europa ist das gut, denn sie ist sehr europaorientiert“, sagte Kornblum am Donnerstagabend in Stolberg. „Allerdings muss Europa sich besser präsentieren.“

Der ehemalige US-Botschafter in Deutschland war zu Gast beim 12. Unternehmerforum des Energie- und Wasserversorgers EWV. Dort ging der 73-Jährige der Frage nach, ob die deutsch-amerikanischen Beziehungen angesichts vieler Krisenherde vor dem Ende stehen. Bejahen wollte der pensionierte Diplomat das keinesfalls. Europa und die USA, Deutschland und die USA — beides gehöre untrennbar zusammen. Nur gemeinsam könne man der großen Herausforderung des 21. Jahrhunderts begegnen: dem digitalen Wandel, der unaufhaltsam die Welt miteinander vernetze.

„Wirtschaftlich findet die starke Kooperation mit den USA jeden Tag statt, nur in der Politik ist das nicht der Fall“, sagte Kornblum im Anschluss an seinen Vortrag im Gespräch mit Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung. 60 Prozent der DAX-30-Unternehmen seien in Händen amerikanischer Pensionsfonds, die Europa für einen hervorragenden Investitionsort hielten. Die nationale Souveränität existiere also längst nicht mehr. „Außer vielleicht in den Köpfen von Parteipolitikern.“ Amerikanische Internetriesen wie Google und Facebook würden argwöhnisch beäugt und kritisiert, andererseits sei beispielsweise Deutschland der zweitgrößte Markt für Google.

Für das deutsch-amerikanische Verhältnis sei es wichtig, die Auffassung von einem „Ende der Geschichte“ aufzugeben. Sowohl das Ende des Zweiten Weltkrieges als auch die deutsche Wiedervereinigung seien als historische Wegmarken betrachtet worden, ab denen „alles gut werde“. Weltpolitische Widersprüche galten als aufgehoben. „Es wird immer Revolutionen geben und die sind nie friedlich“, hielt Kornblum dagegen.

Als Impulsgeber für Europa bezeichnete Kornblum Deutschland, so werde das auch in den USA wahrgenommen. In Washington heiße es: Willst du wissen, was in Europa los ist, dann frage Deutschland. Allerdings: „Deutschland wird nicht die führende Macht werden.“ Zu zurückhaltend, zu sehr bemüht, als friedliebend wahrgenommen zu werden, sei die Bundesrepublik. Überhaupt mangele es Europa bei aller Beschäftigung mit sich selbst insgesamt an Selbstbewusstsein.

Umgekehrt müssten aber auch die USA mehr über ihren Tellerrand blicken. In dem Zusammenhang kritisierte Kornblum die Rede, die Barack Obama 2013 in Berlin gehalten hat. Sie handelte von Freiheit, Klimawandel und atomarer Abrüstung. „Es war die schlechteste Rede, die ein US-Präsident jemals in Europa gehalten hat.“ Sie habe weder Engagement noch Verständnis für Europa gezeigt.

Zu Donald Trump, dem umstrittenen US-Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, äußerte sich Kornblum kaum. Oft werde er von Europäern gefragt, ob Trump eigentlich wisse, wie töricht er sei. Etwa, wenn er eine Mauer zwischen den USA und Mexiko fordere. „Oh ja, das weiß er“, sagte Kornblum. „Aber er hat eben auch ein hervorragendes Gespür für Populismus.“ Populisten seien derzeit ja auf beiden Seiten des Atlantiks erfolgreich unterwegs.