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Soll die Nato helfen?: Eskalation mit Ansage in Idlib

Soll die Nato helfen? : Eskalation mit Ansage in Idlib

Mindestens 33 türkische Soldaten sterben bei Luftangriffen. Ankara übt Vergeltung, doch Erdogans Lage scheint ausweglos.

Die Türkei unter Schock: Als die TV-Moderatorin am Donnerstagabend die Zahlen der getöteten türkischen Soldaten in Syrien durchgibt, zittert ihre Stimme leicht: Erst neun, dann 22 – am Ende sind es 33 Soldaten, die bei Luftangriffen in der syrischen Provinz Idlib getötet wurden. Die Türkei, die die islamistischen Rebellen unterstützt, macht die syrische Regierung dafür verantwortlich. Der Konflikt zwischen der Türkei und Assad mit seiner Schutzmacht Russland könnte vollends eskalieren.

Wie wird die Türkei nun reagieren?

Auf „gleiche Weise“ wolle die Türkei es der syrischen Regierung heimzahlen, hatte der türkische Kommunikationsdirektor Fahrettin Altun noch in der Nacht erklärt. Die Türkei übte Vergeltung. Dass es zu einem massiven Einmarsch türkischer Truppen kommt, halten Experten aber erst mal für unwahrscheinlich. Die Türkei wolle den Gesprächsfaden mit Kremlchef Wladimir Putin nicht abreißen lassen, sagt Günter Seufert, Leiter des Centrums für angewandte Türkeistudien (CATS) in Berlin. Am Freitag telefonierte Erdogan dann auch mit Putin und lotete ein Treffen aus

Droht der Nato nun ein Bündnisfall?

Für den Fall eines Angriffs haben sich die Nato-Staaten zu gegenseitigem Beistand verpflichtet. Seit der Nato-Gründung 1949 ist das erst einmal passiert – nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 auf die USA. Im Falle des Syrienkrieges ist derzeit unwahrscheinlich, dass die Türkei einen solchen Bündnisfall nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrags auslöst. Die Bereitschaft der 28 anderen Nato-Staaten, dem zuzustimmen, wäre sehr gering. Zumal die Türkei in den vergangenen Jahren kein einfacher Partner war. Käme es doch dazu, würde das auch nicht automatisch militärische Unterstützung bedeuten.

Warum setzt Russland auf Konfrontation mit Erdogan?

Präsident Putin ist nicht bereit, den Einfluss in Syrien mit der Türkei zu teilen. Noch 2018 handelte Putin mit Erdogan aus, dass die Türkei die Al-Kaida-nahe islamistische Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS) beseitigen solle. Darauf besteht Russland weiterhin. Nach Moskauer Angaben hatte sich die Türkei nicht daran gehalten. An einer direkten Konfrontation hätte aber auch Moskau kein Interesse. Beide hatten nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets 2015 ein Jahr lang ihre Beziehungen auf Eis gelegt und sich nun wieder deutlich angenähert.

Wie ernst sind die Drohungen der Türkei, Migranten nun nach Europa zu lassen?

Die Türkei hat bereits mehr als 3,6 Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen, eine neue Fluchtbewegung in sein Land will Erdogan unbedingt vermeiden. Experte Seufert hält es inzwischen für „realistisch“, dass die Türkei ihre Drohung wahr macht und Flüchtlinge nach Europa lässt. Nach Medienberichten machten sich zahlreiche Migranten auf den Weg zur Grenze. Griechenland und Bulgarien bereiteten sich auf die Abwehr illegaler Grenzübertritte vor.

Wieso riskiert Syrien die Eskalation mit der Türkei?

Idlib ist die letzte große Rebellenprovinz, in der sich noch erbitterte Gegner des syrischen Präsidenten Assad aufhalten. Es ist ein „finaler Sieg“, auf den die Führung in Damaskus hinaus will. In den vergangenen Kriegsjahren hat die syrische Regierung diese Endschlacht vorbereitet: Mit brutalen Belagerungen und Bombardierungen von Rebellengebieten wie in Aleppo waren die dort kämpfenden Aufständischen zum Aufgeben gezwungen worden.