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„NRW-Check“: Energie und Preise sind die größten Sorgen im Land

„NRW-Check“ : Energie und Preise sind die größten Sorgen im Land

100 Tage nach dem Antritt der schwarz-grünen Landesregierung in NRW Ende Juni bestimmt die Sorge der Menschen vor steigenden Preisen, vor allem für Energie, die politische Stimmung im Land. Das ist ein Ergebnis unseres jüngsten „NRW-Checks“.

Dabei sind die meisten unzufrieden mit der Leistung der Koalition in Düsseldorf: Mehr als 80 Prozent der Bürgerinnen und Bürger haben den Eindruck, Schwarz-Grün unternehme nicht genug, um die Folgen der Preisexplosion für die privaten Haushalte abzufedern. Der „NRW-Checks“ ist eine Umfrageserie des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Tageszeitungen in NRW.

Vor allem die ökonomischen Probleme beschäftigen die Menschen an Rhein und Ruhr in diesen Wochen. Für 40 Prozent der Befragten ist die Inflation das wichtigste Thema im Land – im April nannten nur 22 Prozent die Preissteigerungen ihre Hauptsorge.

Noch deutlicher zeigt sich der Stimmungswandel bei der Energiesicherheit: 30 Prozent sehen aktuell darin die größte Herausforderung, im April waren lediglich vier Prozent der Bürgerinnen und Bürger dieser Ansicht. 58 Prozent treibt die Sorge um, wegen der hohen Energiekosten in finanzielle Schwierigkeiten geraten zu können. Dagegen ist die Corona-Krise weit in den Hintergrund getreten. Nur noch neun Prozent der Menschen halten die Pandemie für eines der größten Probleme des bevölkerungsreichsten Bundeslandes.

Die 100-Tage-Bilanz für das Kabinett von Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) fällt in den Augen der Wählerinnen und Wähler eher negativ aus. 54 Prozent sind unzufrieden mit der Arbeit der Landesregierung, lediglich 37 Prozent äußern sich zufrieden. Damit schneidet Schwarz-Grün kaum besser ab als die Vorgänger-Regierung aus CDU und FDP in ihrer Schlussphase. Kurz vor der Landtagswahl am 15. Mai hatten sich 41 Prozent zufrieden mit Schwarz-Gelb gezeigt, 54 Prozent unzufrieden.

Etwas bessere Noten gibt es für die Arbeit des Ministerpräsidenten. Hier halten sich Zufriedenheit (43 Prozent) und Unzufriedenheit (44 Prozent) die Waage. Wüst konnte sich damit nicht verbessern und erreicht fast die gleichen persönlichen Werte wie kurz vor der Wahl: Im April hatten sich 43 Prozent mit der Arbeit des 47-Jährigen an der Spitze der damals noch schwarz-gelben Regierung zufrieden gezeigt. Mit einer Bekanntheit von 92 Prozent ist Wüst aber eindeutig das Gesicht des NRW-Kabinetts.

Trotz der eher schwache Bewertung liegt das Bündnis aus CDU und Grünen in der Wählergunst vorn. Würde jetzt neu gewählt, könnte die Koalition ihre absolute Mehrheit klar behaupten. Die Union käme auf 36 Prozent, die Grünen auf 20 Prozent, die SPD allerdings würde mit 21 Prozent knapp zweitstärkste Partei im Land. Die FDP müsste mit fünf Prozent um den Wiedereinzug in den Landtag zittern, die AfD käme auf neun Prozent.

Angesichts der gestiegenen Zustimmung für die AfD sprach Forsa-Chef Manfred Güllner von Anzeichen für ein „Bröckeln der Brandmauer gegen den Rechtsradikalismus“. Lange Zeit sei Nordrhein-Westfalen wegen des vergleichsweise hohen Anteils von Katholiken und der immer noch nachwirkenden „proletarischen“ Tradition ein Bollwerk gegen rechtsradikale Strömungen gewesen. Dies scheine sich wegen der Unzufriedenheit mit der Energiepolitik nun zu ändern.