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Streit auf dem Synodalen Weg: Ein Reformgegner schert aus

Streit auf dem Synodalen Weg : Ein Reformgegner schert aus

Es gibt Streit auf dem Synodalen Weg. Der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp lehnt es ab, katholische Maßgaben zur Sexualmoral neu zu bewerten, und verlässt das Beratungsgremium.

Um den Synodalen Weg ist es – zumal unter Coronavirus-Bedingungen – in den letzten Wochen stiller geworden. Das ändert sich nun, nachdem der einflussreiche Münchener Kardinal Reinhard Marx in einem gerade erschienenen Buch zu einem Rundumschlag gegen Reformverweigerer ausgeholt hat und nun der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp seine Mitarbeit in dem Synodalforum zur Sexualmoral – einem von vier Foren – einstellen will.

Er begründet das damit, dass die in dem Forum verfolgte Linie auf eine Veränderung der kirchlichen Sexualmoral abziele. Das sei nicht sein Weg. Die Position der Forumsmehrheit sei auf Treibsand gebaut.

Schwaderlapp lehnt es ab, katholische Normen neu zu bewerten, und nennt selbst die Stichworte: Empfängnisverhütung, gleichgeschlechtlicher Sex, Selbstbefriedigung, künstliche Befruchtung, wiederverheiratete Geschiedene. Katholische Maßgaben dazu werden selbst von der übergroßen Mehrheit der Gläubigen längst nicht mehr als relevant akzeptiert. Dahinter steckt letztlich die Frage, warum sich die Kirche im 21. Jahrhundert überhaupt noch berufen fühlt, Menschen Vorgaben zum Beispiel für Selbstbefriedigung machen zu können und zu sollen, was nicht nur von der organisierten katholischen Jugend als übergriffig empfunden wird.

Nachdem der Limburger Bischof Georg Bätzing zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden ist, hat Aachens Bischof Helmut Dieser in diesem Monat dessen bisheriges Amt als Co-Vorsitzender des Forums zur Sexualmoral übernommen. „Ich bedauere die Entscheidung von Weihbischof Schwaderlapp. Gleichzeitig bin ich ihm für seine Zusage dankbar, seine Auffassungen weiterhin aktiv in die Synodalversammlung einzubringen“, sagte Dieser unserer Zeitung.

Birgit Mock ist Co-Vorsitzende das Forum „Sexualität und Partnerschaft“. Foto: Hildegardis-Verein e.V./Barbara Frommann

Trotz wiederholter Nachfrage war vom Aachener Bischof aber keine inhaltliche Stellungnahme zu Schwaderlapps Äußerungen zu erhalten. Dieser hatte vor einem Jahr im Interview mit unserer Zeitung Signale – wenn auch sehr vorsichtig – gesetzt, dass seine Kirche ihre Haltung zur Homosexualität ändern könnte.

Birgit Mock, familienpolitische Sprecherin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, die als Co-Vorsitzende gemeinsam mit Dieser das Forum „Sexualität und Partnerschaft“ leitet, sagt unserer Zeitung: „Wir weisen die Zuschreibung zurück, nicht katholisch zu sein. Gerade wenn wir miteinander ringen, in unserem Fall um die Frage, wie wir als Kirche glaubwürdig für gelingende Liebesbeziehungen von Paaren eintreten können, ist das katholisch.“

Was Schwaderlapp als Vorwurf formuliert, die kirchliche Sexualmoral solle auf den Prüfstand gestellt werden, sei ausdrücklich Auftrag ihres Forums. „Wir müssen die Möglichkeiten in den Blick nehmen, wie kirchliche Positionen zu Sexualität und insbesondere zu Homosexualität weiter entwickelt werden können und müssen. Der Auftrag hat sich schon auf der Bischofskonferenz im März 2019 in Lingen abgezeichnet, wurde uns durch die Missbrauchsstudie aufgetragen und auf der ersten Synodalversammlung im Januar in Frankfurt bekräftigt.“ Der „massive Dissens in Kernfragen“, den der Kölner Weihbischof beklage, sei nicht überraschend; den gebe es seit Jahren.

Mock lobt das hohe Engagement der 35 Mitglieder ihres Forums. „Wir reden sehr offen, fair und vertrauensvoll miteinander. Das ist richtig gut und bringt uns weiter.“ Es sei „sehr bedauerlich, dass Bischof Schwaderlapp seinen Austritt erklärt hat. Er hat sich immer verlässlich und konstruktiv in die Beratungen eingebracht. Allerdings haben wir vereinbart, Beratungen im Forum vertraulich zu halten, bevor sie der Synodalversammlung vorgelegt werden, wo dann in voller Transparenz gesprochen wird. Inhalte jetzt in den Medien auszubreiten, bevor die Versammlung beraten hat, halte ich nicht für hilfreich.“

Mit den von Schwaderlapp genannten Gründen für seinen Rückzug und den wenige Tage zuvor bekannt gewordenen Forderungen und Erwartungen von Marx an kirchliche Reformen, sind die Fronten nun noch einmal besonders scharf gezeichnet worden. Marx nennt in seinem Anfang der Woche vorgestellten Buch „Freiheit“ keine Namen, aber die Protagonisten haben sich längst deutlich genug positioniert: auf der Seite dogmatischer Hardliner zum Beispiel der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, der es ausdrücklich ablehnt, dass in der katholischen Kirche „alle gleich sind“, sein Regensburger Amtsbruder Rudolf Voderholzer oder der frühere Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Müller, auf der Seite der Reformbereiten beispielsweise Konferenzchef Bätzing, Marx oder der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck.

Marx verlangt in seinem Buch einen grundsätzlichen Wandel seiner Kirche und deren unbedingten Respekt vor individuellen Gewissensentscheidungen. Er warnt vor einer „rein negativen Sicht der Moderne“ und vor „autoritärer Restauration“. Welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind, sagt Marx nicht. Bleibt es beim Pflichtzölibat? Bleibt es beim Ausschluss der Frauen von geistlichen Ämtern? Bleibt es bei der Aversion gegen Sex unter Homosexuellen? Marx beantwortet diese Fragen (noch) nicht. Auf dem Synodalen Weg müssen sie geklärt werden.