Kaufprämie lockt: Mehr als 150.000 Anträge für E-Auto-Bonus

Kaufprämie lockt : Mehr als 150.000 Anträge für E-Auto-Bonus

Regierung und Autoindustrie wollen die Kaufprämie noch einmal erhöhen. Kritik bleibt aber nicht aus.

Der Aufwärtstrend ist deutlich: Immer mehr Menschen wollen in Deutschland die Kaufprämie für Elektrofahrzeuge einstreichen. Wie das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) am Dienstag mitteilte, gingen allein im Oktober mehr als 10.000 Anträge ein – so viele gab es noch nie binnen vier Wochen. Im September waren es gut 6200. Die Gesamtzahl kletterte damit seit Beginn der Förderung im Jahr 2016 auf 151.534 Anträge.

Die Zulassungszahlen machen jedoch deutlich, dass Elektrofahrzeuge noch immer nicht im Massenmarkt angekommen sind. Statt der von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einst anvisierten eine Million E-Fahrzeuge bis 2020 fahren derzeit nur etwa 220.000 Stromer auf deutschen Straßen. Hauptgründe dafür sind die noch lückenhafte Ladeinfrastruktur, vergleichsweise hohe Anschaffungspreise und eine bis zuletzt eher geringe Reichweite bei Langstrecken. Hinzu kommen rechtliche Unsicherheiten, wenn Wohneigentümer oder Mieter einen Ladepunkt installieren wollen.

Um die Akzeptanz zu steigern und mit emissionsarmen Autos auch einen Beitrag für das Erreichen der Klimaziele 2030 zu leisten, haben sich Bundesregierung und Autoindustrie am Montagabend darauf geeinigt, die Kaufprämien noch einmal deutlich zu erhöhen. Für rein elektrische Autos unterhalb eines Listenpreises von 40.000 Euro beträgt der Zuschuss derzeit 4000 Euro. Dieser soll nach den jüngsten Plänen der Regierung auf 6000 Euro steigen. Für Autos bis zu einem Listenpreis bis 65.000 Euro ist eine Erhöhung der Prämie um 25 Prozent auf 5000 Euro vorgesehen – bislang war die Förderung bis zu einem Listenpreis von 60.000 Euro gedeckelt.

Auch bei Plug-in-Hybriden tut sich künftig etwas, auch wenn die Prämie da niedriger ausfällt. Bei einem Listenpreis von unter 40.000 Euro werden sie mit 3000 Euro gefördert, künftig soll dieser Satz auf 4500 Euro steigen. Kostet der Hybrid mehr als 40.000 Euro, gibt es eine Prämie von 4000 Euro. Fahrer müssen trotzdem auf die Emissionswerte des Wagens achten. Gefördert werden nur Fahrzeuge, die höchstens 50 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen.

Der Weg zur Prämie führt über ein Online-Formular des Bafa, das auf der Internetseite des Bundesamtes zu finden ist. Dort gibt es auch eine Liste förderfähiger Autos. Das Bundesamt zahlt allerdings nicht die volle Prämie aus, sondern nur die Hälfte. Den Rest tragen die Autohersteller – dieser Preisnachlass soll direkt beim Autokauf verrechnet werden.

Die Verbraucherzentralen begrüßten die höheren Prämien. Dass sie nicht mehr bei 60.000 Euro Listenpreis enden sollen, sondern bei 65.000 Euro, sei aber ein unnötiges Zugeständnis an die Branche. „Dies darf nicht dazu führen, dass Hersteller an der Preisschraube drehen“, warnte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller. Mit Steuergeld solle Verbrauchern der Einstieg in die E-Mobilität erleichtert werden, die Unterstützung benötigten. Es solle aber keine „Luxusinvestition“ gefördert werden. Steige die Nachfrage, müsse beim Ladenetz-Ausbau zügig nachgelegt werden.

Kritik kam unterdessen von Linken, Grünen und vom Maschinenbauverband VDMA. Die geplanten Prämien für E-Autos seien „der teuerste Weg mit den höchsten Streuverlusten, denn es werden auch jene Käufer gefördert, die einer solchen Prämie nicht bedürfen“, monierte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Hartmut Rauen. Der Chef der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, sagte unserer Redaktion, wenn es der Regierung wirklich um die Förderung der E-Mobilität ginge, würde sie die Elektrifizierung der Schienentrassen hochfahren.

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