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Wer wird Kanzler?: Laschet verliert in K-Frage Unterstützer

Wer wird Kanzler? : Laschet verliert in K-Frage Unterstützer

Von einer Osterruhe ist in der Union nichts zu spüren. Im Gegenteil, die Unruhe in den Unionsparteien scheint angesichts der offenen Kanzlerkandidaten-Frage und der sinkenden Umfragewerte ständig zuzunehmen.

Eine wachsende Zahl von CDU-Bundestagsabgeordneten sprach sich vor dem Osterwochenende für den bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Markus Söder als Kanzlerkandidaten der Union aus. Unionspolitiker überwiegend aus Nordrhein-Westfalen hielten dagegen und warben für CDU-Chef Armin Laschet. Viele Unionspolitiker drängten Laschet und Söder, die K-Frage nun unmittelbar nach Ostern zu klären.

NRW-Ministerpräsident Laschet und sein bayerischer Amtskollege hatten ursprünglich verabredet, über die Kandidatur zwischen Ostern und Pfingsten gemeinsam zu entscheiden. Angesichts der hohen Nervosität in den eigenen Reihen ist nun aber eine Entscheidung bereits in der kommenden Woche sehr wahrscheinlich geworden. Im jüngsten ARD-Deutschlandtrend des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap verliert die Union sieben Punkte und kommt nur noch auf 27 Prozent.

Ginge es nach der Meinung der Bundesbürger, fiele die Wahl eindeutig auf Söder als Kandidaten: 54 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass Söder ein guter Kanzlerkandidat wäre, das sind drei Prozentpunkte mehr als Mitte März. Bei Laschet hingegen sind nur 19 Prozent dieser Meinung (minus drei). Auch an der CDU-Basis hat Söder Umfragen zufolge deutlich mehr Unterstützer als Laschet. Ob der CSU-Chef allerdings überhaupt zur Verfügung steht, weiß bisher nur er allein.

Stimmen aus NRW

Mehrere weitere CDU-Abgeordnete outeten sich am Karfreitag als Söder-Fans. „Die Menschen aus meiner Heimat sehen in Markus Söder einen guten Kanzler“, sagte der sächsische CDU-Abgeordnete Marian Wendt dem „Spiegel“. „Markus Söder ragt heraus, seine hohen Zustimmungswerte sind gut für die ganze Union“, sagte auch der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU).

Auch der nordrhein-westfälische CDU-Abgeordnete Markus Grübel sagte: „Markus Söder sollte unser Kanzlerkandidat werden.“ Mit ihm habe die Union „bessere Aussichten, das Kanzleramt zu halten“. Er hoffe, dass auch CDU-Chef Laschet dies erkenne, sagte Grübel. CDU-Präsidiumsmitglied Norbert Röttgen sagte: „Wie ich seit meiner Kandidatur für den CDU-Vorsitz konsequent vertreten habe, sollte die Union den Kandidaten aufstellen, mit dem wir die besten Siegchancen bei der Bundestagswahl haben.“

In der Debatte hatten sich bisher erst wenige Unionspolitiker hinter Laschet gestellt. Vor allem aus seinem eigenen Bundesland wagten sich nun aber mehr Unterstützer aus der Deckung.

„Armin Laschet ist der Richtige für die Nachfolge von Angela Merkel“, sagte der Düsseldrfer CDU-Chef Thomas Jarzombek unserer Redaktion. „Das ist kein Votum gegen Markus Söder, sondern für Armin Laschet. Er ist ein sehr erfolgreicher Ministerpräsident. Er stellt die CDU breit auf, von harter Innenpolitik mit Herbert Reul bis zum Sozialflügel von Karl-Josef Laumann“, erklärte der Digital-Beauftragte der Bundesregierung. „Er bringt eine Eigenschaft mit, die selten ist bei Spitzenpolitikern: Er hört zu. Und trifft danach fundierte, abgewogene Entscheidungen“, sagte Jarzombek. „Sehr wichtig: Er kann Wahlkampf, das haben wir in NRW gesehen.“

Die jüngste Kritik der Bundeskanzlerin am Corona-Kurs Laschets in NRW nannte Jarzombek eine „Momentaufnahme“, die man nicht überbewerten dürfe. Wenn Merkel auch Kritik an den eigenen Leuten übe, „bedeutet das nicht den Bruch mit ihren engsten Vertrauten, wozu Armin Laschet gehört“, sagte Jarzombek.

Auch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, der auch Vorsitzender des CDU-Arbeitnehmerflügels CDA ist, setzte sich für Laschet ein. Dieser sei der richtige Kanzlerkandidat, „weil er aus meiner Sicht in der CDU ganz eindeutig eine Politik der Mitte und des Ausgleichs verkörpert“. Der NRW-Ministerpräsident habe „ein klares christliches Menschenbild“ und sei „ein glühender Europäer“, sagte Laumann.