Studie der Bertelsmann-Stiftung: Klinikstudie in Interessenkonflikt?

Studie der Bertelsmann-Stiftung : Klinikstudie in Interessenkonflikt?

Eine Studie zur Reduzierung von Krankenhäusern hat bundesweit für Aufsehen gesorgt. Auftraggeber der Studie war die Bertelsmann-Stiftung. Brigitte Mohn sitzt sowohl im Vorstand eben dieser Bertelsmann-Stiftung wie auch im Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG. Solche großen Privatbetreiber könnten profitieren.

Der Titel der Studie ist eher spröde: „Zukünftige Krankenhausversorgung – Simulation und Analyse einer Neustrukturierung der Krankenhausversorgung am Beispiel einer Versorgungsregion in Nordrhein-Westfalen“. Das Ergebnis der Untersuchung hat jedoch bundesweit eingeschlagen wie die sprichwörtliche Bombe. Demnach sei eine Reduzierung der Anzahl der Krankenhäuser von heute bundesweit über 1400 auf „deutlich unter 600“ nicht nur sinnvoll, sondern aus vielerlei Gründen notwendig.

Die Autoren kommen sogar zu dem Schluss, dass sich dadurch „viele Komplikationen und Todesfälle“ vermeiden ließen, da viele – insbesondere kleinere – Krankenhäuser nicht über ausreichend qualifiziertes Personal und die nötige Geräteteausstattung verfügten.

In Auftrag gegeben hat diese Studie die Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh. In deren Vorstand sitzt Brigitte Mohn, Tochter des Stifters und langjährigen Bertelsmann-Chefs Reinhard Mohn. Brigitte Mohn sitzt jedoch noch in einem anderen Gremium: dem Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG (Bad Neustadt an der Saale), einem großen deutschen Privatbetreiber von Krankenhäusern. Ein klassischer Interessenkonflikt?

Brigitte Mohn wird in einem Statement zur aktuellen Klinikstudie, die auf heftige Kritik unter anderem des Deutschen Krankenhausvereins und des Marburger Bundes trifft, wie folgt zitiert: „Die Neuordnung der Krankenhauslandschaft ist eine Frage der Patientensicherheit und muss vor allem das Ziel verfolgen, die Versorgungsqualität zu verbessern.“

Geht es nach den Werbebotschaften der Rhön-Klinikum AG – Jahresumsatz zuletzt über eine Milliarde Euro, Gewinn über 51 Millionen Euro – tut das Unternehmen genau dies: „Jeder Patient hat Anspruch auf die bestmögliche medizinische Versorgung – an jedem Tag, rund um die Uhr. Das ist die zentrale Leitlinie unseres medizinischen Qualitätsmanagements.“ Mehr als Viertel der Rhön-Anteile hält überdies der noch größere private Klinikbetreiber Asklepios (Hamburg, 3,3 Milliarden Euro Umsatz), der sich in der Vergangenheit mit der Kritik konfrontiert sah, sein Gewinnstreben gehe unter anderem zu Lasten der Pflegequalität.

Von der Schließung kleinerer – meist kommunaler – Krankenhäuser, wie sie in der Studie zugunsten größerer und besser ausgestatteter Kliniken angeregt wird, könnten Privatbetreiber profitieren. Ihre Häuser entsprechen meist den in der Bertelsmann-Studie angesprochenen Größenverhältnissen.

Stiftung weist die Kritik zurück

Unsere Zeitung konfrontierte am Dienstag die Bertelsmann-Stiftung mit dem Vorwurf des Interessenskonflikts ihre Vorstandsmitglieds Brigitte Mohn. Dort weißt man derlei Kritik zurück: „Die Bertelsmann-Stiftung erarbeitet ihre Studien und deren Ergebnisse ausschließlich unabhängig und evidenzbasiert“, erklärte Stiftungssprecher Hendrik Baumann.

Die an der Studie beteiligten Experten hätten „daher in ihren Berechnungen die branchenweit üblichen Kriterien für Qualität in der Krankenhausversorgung angewandt und sind entsprechend zu dem Ergebnis gekommen, dass größere Krankenhäuser aufgrund ihrer personellen und technischen Ausstattung bessere Bedingungen für eine optimale Versorgung der Patienten bieten“, heißt es weiter. Baumann: „Eine Vielzahl der uns jetzt erreichenden Reaktionen stützen diesen Befund.“ Konkret auf die Doppelfunktion von Brigitte Mohn geht die Stiftung des Weiteren nicht ein.