Karlspreis 2019: António Guterres appelliert an die Europäer

Die UNO braucht Europa! Macht voran! : Karlspreisträger appelliert an die Europäer

Wenn Repräsentanten Europas zusammenkommen, um sich der Grundsätze und Werte ihrer und der Weltgemeinschaft zu vergewissern, sind seit etwa zwei Jahren einige Machthaber immer dabei, ohne anwesend zu sein.

Man spricht über sie und spricht sie – mehr oder weniger direkt – an: die Präsidenten der USA, Russlands und der Türkei, aber auch europäische Verächter des Multilateralismus und der Integration: in Frankreich und Italien, Ungarn und Großbritannien.

Wer ist gemeint?


Wer soll gemeint sein, wenn Spaniens König Felipe von jenen spricht, „die den Traum von Europa begraben wollen, um eine neue Welt zu schaffen, indem man die Regeln des alten Europas hinter sich lässt?“ Felipe warnt: „Sie irren sich – im Jahrhundert und in ihrem Ansatz.“ Deren Welt sei nicht die der Zukunft, sondern der Vergangenheit, „die Welt der Konfrontation zwischen großen Mächten und ökonomischen Blöcken, deren Abgründe wir nur zu gut kennen.“

Wer soll gemeint sein, wenn Karlspreisträger António Guterres sagt, die Nachkriegsinstitutionen UNO und EU sowie die ihnen zugrunde liegenden Werte – „ein Vermächtnis der Aufklärung“ – würden „heute untergraben und auf die Probe gestellt wie nie zuvor“? Die Grundsätze der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit seien unter Beschuss.

Der UN-Generalsekretär sieht die Weltgemeinschaft aktuell vor größten Herausforderungen: die zunehmenden Verstöße gegen Multilateralismus und Menschenrechte, die Migrations- und Fluchtbewegungen und der Klimawandel. Um sich diesen Herausforderungen zu stellen, fällt ihm nichts Besseres ein als die Europäische Union. Die sei zwar zerstritten und zu wenig solidarisch im Innern wie nach außen, aber dennoch Bollwerk und Modell für alle, denen an Frieden, Menschenrechten und Kooperation etwas liegt.

António Guterres erhält den Karlspreis

Also treibt Guterres in Aachen die Europäische Union an: „Die Vereinten Nationen brauchen ein starkes und geeintes Europa.“ Mehr noch: „Wenn wir einen neuen Kalten Krieg verhindern wollen, brauchen wir die Vereinigten Staaten von Europa als starke Säule des Multilateralismus.“

Guterres verlangt mehr Einsatz zum Schutz des Klimas; und er stellt fest: „Die Europäische Union muss den Weg weisen.“ Für die Pazifischen Inseln, die er kürzlich besucht habe, sei der Klimawandel „keine akademische Debatte über die Zukunft. Für sie geht es um Leben und Tod. Wir müssen uns stärker engagieren, um die Katastrophe zu verhüten. Europa muss das Tempo bestimmen.“ Schließlich begrüßt er „von ganzem Herzen das Versprechen von Bundeskanzlerin Merkel, Deutschland bis 2050 CO2-neutral zu machen.“

Wie schon im vorigen Jahr bei der Karlspreisfeier für den französischen Präsidenten Emmanuel Macron spricht Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp konkret und alltagsnah: „Es geht um uns selbst, um das Handeln jedes Einzelnen im Alltag. Wir müssen anders leben, uns anders fortbewegen, anders reisen, anders essen, anders konsumieren“, sagt Philipp. Normalerweise äußern sich Politiker aller Ebenen nicht so, weil sie den Vorwurf fürchten, sie predigten Verzicht. Aachens Stadtoberhaupt nimmt das in Kauf und weiß durchaus um die Gefahr, „dass wir die bisherige wirtschaftliche Dynamik damit erheblich bremsen“. Er sieht aber keinen anderen Weg.


Warum geschieht nichts?


Warum geschieht nichts Durchgreifendes? Philipp meint, Klimaschutz werde „erst dann umfassend gelingen, wenn der Leidensdruck so hoch ist, dass fast jeder konkret negativ betroffen ist. Ein warmer Sommer wird nicht als Problem wahrgenommen, aber drei dieser Art hintereinander, die nicht durch sehr nasse Winter ausgeglichen werden, und wir haben keine reguläre Wasserversorgung mehr. Und das ist nur eine relativ kleine von sehr vielen Einschränkungen.“

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