Bürgerschaftswahl in Bremen: Jamaika oder Rot-Rot-Grün

Bürgerschaftswahl in Bremen : Jamaika oder Rot-Rot-Grün

Genau 20 Anläufe hat die CDU gebraucht. Nun scheint es tatsächlich geglückt: Die Christdemokraten sind mit hoher Wahrscheinlichkeit in Bremen seit 1946 und nach 19 Bürgerschaftswahlen erstmals stärkste Kraft vor der SPD geworden.

Und das mit einem Quereinsteiger, dem Unternehmer Carsten Meyer-Heder, den vor gut einem Jahr noch niemand kannte. Aber die Machtfrage an der Weser ist damit noch lange nicht geklärt, denn es zeichneten sich Mehrheiten für verschiedene Koalitionen ab. Vor allem die Grünen könnten das Zünglein an der Waage werden und werden entsprechend hofiert.

Die SPD hofft auf die Option Rot-Rot-Grün. Immer habe die bremische SPD sich durch Mut und aufrechten Gang ausgezeichnet. Dies werde so bleiben. „Wir gucken in die Zukunft und wollen gestalten“, so Sieling recht vage. SPD-Fraktionschef Björn Tschöpe weiß, von wem der Gestaltungsspielraum entscheidend abhängt: „Es hängt an den Grünen.“ Die Linken, die deutlich zulegten, stünden jedenfalls bereit für Rot-Rot-Grün.

„Die SPD hat klar verloren. Wir haben gewonnen. Und wir haben einen Regierungsauftrag“, sagt CDU-Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder klipp und klar. „Jamaika fänd‘ ich gut. Ich kann mir auch Schwarz-Grün vorstellen.“ Wobei die Zahlen letztere Option zunächst nicht hergaben. Der CDU ist der Coup an der Weser mit einem absoluten Polit-Greenhorn gelungen: Meyer-Heder, 58 Jahre, ist Software-Unternehmer und „kein Politiker“, wie der Zwei-Meter-Mann immer wieder betonte.

„Ich will Bürgermeister werden“, sagt er. Aber dazu braucht er Partner. Die FDP würde nichts lieber als bei Jamaika einstiegen. Doch die Grünen sehen tiefe Gräben zu den Liberalen bei den Themen Wirtschaft und Verkehr. Maike Schaefer, grüne Spitzenkandidatin, steht klar auf der Gewinnerseite. Ganz anders als die Sozialdemokraten geht die Ökopartei gestärkt aus der insgesamt 12-jährigen rot-grünen Regierungszeit hervor.