Personalmangel: Der Bundespolizei fehlen Ausbilder

Personalmangel : Der Bundespolizei fehlen Ausbilder

Als Reaktion auf die hohen Flüchtlingszahlen wurden bei der Bundespolizei Tausende Stellen bewilligt. An zusätzliches Fachpersonal wurde jedoch nicht gedacht, kritisiert die Polizeigewerkschaft GdP.

Die Ausbildungsstandorte der Bundespolizei können nicht mit dem Ansturm an Auszubildenden schritthalten. Nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei (GdP) gibt es einen erheblichen Mangel an Fachpersonal, um die angehenden Polizisten zu schulen und zu betreuen. „Waren 2006 die Ausbildungsstandorte auf eine Kapazität von 3600 Auszubildenden pro Jahr ausgelegt, werden heute 8200 junge Frauen und Männer in den neun Standorten ausgebildet“, sagt GdP-Vize Jörg Radek.

Grund dafür sind die insgesamt 5000 vom Bund bewilligten Neueinstellungen, unter anderem als Reaktion auf die hohen Flüchtlingszahlen in den Jahren 2015 und 2016. Jetzt gibt es Personalprobleme. „Aufgrund der massiven Erhöhung fehlen 1600 Trainer, Fachlehrer und begleitendes Personal, etwa in den Küchen, im Unterricht oder für die Personalverwaltung“, sagt Radek. „Der Engpass führt dazu, dass bundesweit Personal aus Dienststellen abgezogen wird, das dort eigentlich dringend gebraucht wird.“ Dass dieser Mangel entstehen könnte, sei bei der Ausbildungsoffensive nicht mitgedacht worden, kritisiert Radek.

Grundsätzlich ist die Gewerkschaft glücklich über den Stellenzuwachs, forderte sie doch jahrelang mehr Personal. „Es ist gut und wichtig, dass der Bund die Stellenzahl bei der Bundespolizei seit 2016 um 8500 drastisch erhöht hat“, sagt Radek. „In den kommenden Jahren soll das Niveau gehalten werden, was wir sehr begrüßen.“ Er vermisse jedoch eine nachhaltige Strategie für die Aus - und Fortbildung in der Bundespolizei hinsichtlich Personal, Ausstattung und Standorte. „Das führt auch dazu, dass derzeit kaum Fortbildungen möglich sind“, so der Polizeihauptkommissar.

Und er richtet einen weiteren Vorwurf an das Bundesinnenministerium, das für die Bundespolizei zuständig ist: „Verschärfend kommt hinzu, dass der Bund entgegen seiner politischen Leitlinien Fachkräfte nur befristet einstellt. Sie müssen sich von einer Befristung zur nächsten hangeln und wandern deswegen oft lieber zur Konkurrenz der Landespolizeien ab.“

Ein Sprecher von Innenminister Horst Seehofer (CSU) wollte das so nicht stehenlassen und verteidigte das Vorgehen. „Es ist nicht zu erwarten, dass die aktuellen Einstellungs- und Ausbildungszahlen dauerhaft auf diesem Niveau verbleiben werden“, sagte er auf Anfrage. Deshalb sei es folgerichtig, dass das Ausbildungspersonal etwa für Sport nicht unbefristet eingestellt werde.

(jd)
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