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Bundestag: Sawsan Chebli stellt sich für die SPD zur Wahl

Kandidatur für 2021 : Sawsan Chebli will in den Bundestag

Die SPD-Staatssekretärin für Bürgerliches Engagement stammt aus einer libanesischen Flüchtlingsfamilie

Wenn die Angriffe gegen Sawsan Chebli auf Twitter und in anderen sozialen Netzwerken besonders scharf werden, erzählt sie manchmal eine Geschichte aus ihrer Kindheit. Zum Beispiel im Mai 2019, als die SPD-Politikerin wegen des Tragens einer Rolex-Uhr ordentlich Gegenwind bekam. Da berichtete sie, wie sie als Kind auf dem Boden geschlafen und gegessen habe und dass sie auf eine Packung Buntstifte habe warten müssen, weil ihre Eltern sie ihr nicht kaufen konnten.

Zwölfköpfiger Geschwisterkreis

„Mein Vater ist aus einem libanesischen Flüchtlingslager nach Deutschland geflohen, damit seine Kinder eine Perspektive haben“, twitterte die 42-Jährige am Freitag, um dann bekannt zu geben, wie ihre Perspektive für 2021 aussieht: „Heute bin ich Staatssekretärin und stehe nun der SPD und meiner Heimat Charlottenburg-Wilmersdorf als Kandidatin für die Wahl zum nächsten Bundestag zur Verfügung.“

Chebli hat sich aus Armut und einem zwölfköpfigen Geschwisterkreis mit Fleiß, Ehrgeiz, Mut und Streitbarkeit in die Position der Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und und Internationales emporgekämpft. Bis zum Alter von 15 war sie in Deutschland nur geduldet – im Jahr 1993 bekam sie die deutsche Staatsbürgerschaft, studierte Politik, machte Karriere – unter anderem von 2014 bis 2016 als stellvertretende Sprecherin des Auswärtigen Amts unter Minister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Sie war die erste Muslimin auf dieser Position und auch die erste, die nicht zuvor im diplomatischen Dienst arbeitete.

Beim Nachrichtendienst Twitter folgen ihr rund 75.000 Nutzer. Nicht nur dort, aber immer wieder in dem sozialen Medium löst sie Debatten aus. Sie kann austeilen, bekommt zugleich nicht nur Kritik, sondern in Teilen auch Hass und schlimmste Drohungen zu hören und zu lesen. Als sie vor zwei Jahren im Rahmen der anti-rassistischen Bewegung #wirsindmehr einen Tweet mit dem Satz beendete „Wir sind zu wenig radikal“, wurde ihr vorgeworfen, sie habe gegen das Mäßigungsgebot für Beamte verstoßen.

Keine Website, kein Instagram

Chebli geht Streit und politischen Auseinandersetzungen nicht aus dem Weg. Nun will sie für die SPD in den Bundestag einziehen und muss erst einmal von ihrer Partei aufgestellt werden. Konkurrenz macht ihr Berlins noch Regierender Bürgermeister Michael Müller, der ursprünglich im Wahlkreis Berlin-Schöneberg antreten wollte. Dort räumte er aber das Feld, nachdem Juso-Chef und SPD-Vize Kevin Kühnert seine Kandidatur für den Bundestag erklärt hatte.

Chebli scheint es gelassen zu nehmen. Sie schrieb dazu: „Ich habe keine Website, kein Instagram, keinen Machtplan, keine Strategen, die mich beraten, aber unendlich viele Menschen, die mich unterstützen und mich darin ermutigt haben, diesen Weg zu gehen.“