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Auszahlungen beginnen: Alles Wissenswerte zur Grundrente

Auszahlungen beginnen : Alles Wissenswerte zur Grundrente

Ab 1. Juli beginnen die ersten Auszahlungen. Zunächst bekommen aber nur Neurentner den Zuschlag. Erst danach folgen die Bestandsrentner – gestaffelt nach dem Lebensalter.

Rund 1,3 Millionen Rentnerinnen und Rentner können sich auf gute Nachrichten von der Rentenversicherung freuen: So groß dürfte die Zahl der Älteren nach Schätzungen der Rentenkasse sein, die künftig einen Zuschlag zu ihrer Rente erwarten können – die neue Grundrente. Sie wird im Durchschnitt monatlich etwa 75 Euro betragen, maximal seien bis zu 480 Euro zu erwarten. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wer wird von der Grundrente profitieren?

Wer mindestens über 33 Jahre an sogenannten Grundrentenzeiten verfügt und im Erwerbsleben im Durchschnitt weniger als rund 33.200 Euro brutto im Jahr verdient und versteuert hat, könnte von der Grundrente profitieren. Dieser Jahresverdienst entspricht ungefähr 0,8 jährlichen Entgeltpunkten bei der Rentenberechnung. Eine Beispielrechnung: Sabine Meier war 40 Jahre lang erwerbstätig und hat rund 31.100 Euro durchschnittlich pro Jahr verdient. Das entspricht 0,75 Entgeltpunkten. Sie erhält eine Rente von 1026 Euro monatlich und hat zusätzlich einen Anspruch einen Grundrenten-Zuschlag von 52 Euro.

Welche Grundrentenzeiten werden angerechnet?

Zu den Grundrentenzeiten gehören Pflichtbeitragszeiten als Angestellter oder Selbstständiger, ausgenommen sind allerdings Minijobs, Zeiten der Kindererziehung und Pflege sowie Zeiten, in denen Kurzarbeitergeld, Übergangsgeld oder Krankengeld gezahlt worden sind. Nicht zu den Grundrentenzeiten gehören Arbeitslosigkeit sowie Zeiten, in den freiwillige Beiträge in die Rentenkasse gezahlt wurden. Den vollen Zuschlag erhält nur, wer 35 Jahre nachweisen kann. Zwischen 33 und 35 Jahren gibt es eine Gleitzone: Je länger die Grundrentenzeiten, desto höher der Zuschlag.

Welche Einkommensgrenzen gelten im Alter?

Zudem gibt es eine Einkommensprüfung, damit nicht auch Senioren, die im Alter neben der Rente zusätzliche Einkommen haben und der Grundrente eigentlich nicht bedürfen, ebenfalls in ihren Genuss kommen: Wer als Rentner nicht mehr als 1250 Euro (Paare 1950 Euro) Einkommen im Monat hat, erhält den vollen Zuschlag. Bis 1600 Euro (Paare 2300 Euro) erfolgt eine teilweise Anrechnung der Einkommen. Wer darüber liegt, bekommt keinen Zuschlag. Berechtigt sind grundsätzlich auch alle, die mit Abschlägen vorzeitig in Rente gegangen sind.

Wie funktioniert die Einkommensprüfung?

Um zu prüfen, ob jemand Anspruch auf die Grundrente hat, musste die Rentenversicherung ein neues IT-System aufbauen. Dazu hat sie 1000 Mitarbeiter eingestellt, der Verwaltungsaufwand dürfte anfangs rund 400 Millionen Euro verschlingen. Die Rentenversicherung gleicht mit den Finanzämtern elektronisch ab, wie hoch das zu versteuernde Einkommen zwei Jahre vor der Grundrenten-Zahlung ausgefallen ist. Angerechnet werden zudem der steuerfreie Teil der Rente und die versteuerten Kapitalerträge. Nur wer unter Berücksichtigung dieser Beträge unterhalb der Grenze von 1600 Euro (Alleinstehende) oder 2300 Euro (Paare) liegt, erhält den Grundrenten-Zuschlag.

Wann beginnen die Auszahlungen?

Die Rentenversicherung beginnt ab 1. Juli mit den ersten Auszahlungen. Allerdings werden in den ersten ein bis zwei Monaten lediglich Neurentnerinnen und Neurentner die Grundrente erhalten. Sie wird rückwirkend zum 1. Januar 2021 ausgezahlt. Danach kommen jene Rentnergruppen an die Reihe, die Fürsorgeleistungen wie die Grundsicherung im Alter oder Wohngeld beziehen. Erst danach beginnt die Rentenversicherung mit Auszahlungen an Bestandsrentner, die die Voraussetzungen erfüllen – gestaffelt nach Lebensalter. Zunächst betrifft dies alle jene mit Rentenbeginn vor 1992. Bis Ende Dezember 2021 will die Rentenkasse auch das erste Fünftel der Bestandsrentner mit einem Rentenbeginn nach 1992 abgearbeitet haben. Erst 2022 folgen die weiteren vier Fünftel der Bestandsrentner. Die jüngsten unter ihnen können demnach erst im zweiten Halbjahr 2022 mit dem Zuschlag rechnen. In diesem Jahr rechnet die Rentenversicherung mit rund sieben bis acht Millionen überprüften Fällen. Insgesamt gibt es rund 26 Millionen Bestandsrenten.

Wer finanziert die Grundrente?

Der Zuschlag wird nicht beitragsfinanziert, sondern von den Steuerzahlern getragen. Er soll im ersten Jahr rund 1,3 Milliarden Euro kosten, so die Schätzung des Arbeitsministeriums. Bis 2016 soll der Betrag auf rund 1,6 Milliarden Euro jährlich wachsen. 

Muss man die Grundrente beantragen?

Nein. Die Zahlung des Zuschlags erfolgt automatisch, wenn Betroffene alle Voraussetzungen erfüllen. Bei Neurentnern, die ab Juli in Rente gehen, wird im Rentenbescheid angegeben, ob sie die Grundrente erhalten. Bei allen Bestandsrentnern taucht dies nur dann im Bescheid auf, wenn sie die Grundrente tatsächlich erhalten.

Wie sieht es mit Rentnern im Ausland aus?

Hier kann die Rentenversicherung keine elektronische Einkommensprüfung mit Hilfe der Finanzämter vornehmen. Rentner im Ausland erhalten deshalb zunächst keinen Grundrentenbescheid. Sie müssen der Rentenversicherung ihre Einkommen selbst nachweisen. Nach der Überprüfung der Nachweise wird die Rente samt Zuschlag neu berechnet.