1. Politik

Istanbul: Der Papst sucht den Schulterschluss

Istanbul : Der Papst sucht den Schulterschluss

Papst Franziskus und der orthodoxe Patriarch Bartholomäus wollen mit Vertretern des Islam gegen Kriege und Konflikte in der Welt vorgehen.

Muslime und Christen seien aufgerufen, gemeinsam für Gerechtigkeit, Frieden, Respekt und die Würde und Rechte jedes Menschen einzutreten, heißt es in einer Erklärung, die beide Kirchenführer nach der Feier des orthodoxen Andreasfests gestern in Istanbul unterzeichneten.

„Wir können uns nicht abfinden mit einem Nahen Osten ohne die Christen, die dort den Namen Jesu zweitausend Jahre lang bekannt haben“, heißt es in der Erklärung. „Die schreckliche Situation der Christen und aller, die im Nahen Osten leiden, verlangt nicht nur ein ständiges Gebet, sondern auch eine geeignete Reaktion der internationalen Gemeinschaft.“ Gerade wegen der schlimmen Situation in der Welt sei es wichtig, „einen konstruktiven Dialog mit dem Islam, der auf gegenseitiger Achtung und Freundschaft gründet“, zu fördern. Im Nahen Osten lebten Christen über Jahrhunderte Tür an Tür mit Muslimen. Inzwischen hat die Terrormiliz Islamischer Staat viele Kirchen zerstört. Christen, die nicht zum Islam konvertieren, droht die Todesstrafe.

Ausdrücklich erwähnen die Kirchenführer das Leid der Menschen in der Ostukraine. Zugleich bekräftigen beide den Willen zur Überwindung der seit fast 1000 Jahren andauernden Spaltung zwischen morgenländischer und abendländischer Kirche.

Am Samstag hatte der Papst erstmals eine Moschee besucht und dort mit Mufti Rahmi Yaran gebetet. Danach besuchte der 77-Jährige das Museum Hagia Sophia, das lange Zeit eine Kirche und später eine Moschee war.

Bei einem emotionalen Treffen mit jungen Flüchtlingen aus Kriegsgebieten wie Syrien und dem Irak mahnte der Papst, den Mut nicht zu verlieren und weiter auf eine bessere Zukunft zu hoffen. Er appellierte an die internationale Gemeinschaft, gemeinsam verstärkt gegen die Ursachen von Flucht und Vertreibung vorzugehen.

(dpa)