1. Politik

Debatte um Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung

Priorisierung aufgehoben : Spahn verspricht eine Million Astrazeneca-Dosen für nächste Woche

Kommende Woche sollen eine Million Astrazeneca-Dosen an die Arztpraxen geliefert werden, die dann ohne Priorisierung vergeben werden. Armin Laschet hält Impfangebot für alle schon im Juli für möglich.

Das kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag in Berlin an. Am Vortag hatten Bund und Länder die Priorisierung mit einer festen Vorrangliste für diesen Impfstoff aufgehoben. Künftig ist es dem Arzt in Absprache mit dem Impfling auch freigestellt, den Abstand für eine Astrazeneca-Zweitimpfung von zwölf auf bis zu vier Wochen zu verkürzen.

Spahn betonte: „Die Wirksamkeit ist umso höher, desto länger der Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung ist.“ Die Wirksamkeit einer zweimaligen Impfung gegen das Coronavirus im Abstand von vier bis acht Wochen liegt laut Studien bei 50,4 Prozent, bei zwölf und mehr Wochen bei bis zu 82,4 Prozent.

Der Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, hat deutlich gemacht, dass er für sich selbst den Impfabstand bei Astrazeneca nicht verkürzen wird. „Natürlich werde ich mich erst nach zwölf Wochen impfen lassen“, sagte Wieler mit Blick auf die bei ihm noch ausstehende Zweitimpfung mit dem Vakzin. „Je länger der Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung ist, desto besser ist der Schutz“, sagte er zur Begründung.

Auch Wieler stellte klar, dass die Zulassung des Impfstoffs von Astrazeneca eine Zweitimpfung ab einem Mindestabstand von vier Wochen zulässt. Umgekehrt räumte auch Spahn ein, dass das Präparat „je länger das Intervall desto wirksamer“ sei. Mit Blick auf die Impfkampagne insgesamt gebe es jedoch zugleich das „große Interesse, dass möglichst viele Menschen sich impfen lassen“.

Auf die Frage, ob mit einer Verkürzung des Intervalls die Urlaubsplanung von Impfwilligen zulasten der Wirksamkeit unterstützt werden soll, verteidigte Spahn den Schritt: Viele wollten sich augenscheinlich derzeit nicht mit Astrazeneca impfen lassen, weil sie dann erst im August den vollen Impfschutz bekommen. Da auch die Erstimpfung schon gegen das Virus schütze, sei so eine geringere Akzeptanz aber für die Pandemiebekämpfung insgesamt nicht gut. „In dieser Phase der Pandemie haben wir ein großes Interesse daran, dass viele Menschen sich impfen lassen.“

Die Freigabe von Astrazeneca sei besonders für diejenigen attraktiv, „die nicht so schnell an eine Impfung kommen würden.“ Aber angesichts der beschränkten Liefermengen gelte auch weiter: „Es können nicht innerhalb von drei oder fünf Tagen oder auch von zwei Wochen alle geimpft werden.“ Bei den Über-60-Jährigen seien je nach Bundesland nun rund 70 Prozent der Bevölkerung geimpft. Empfohlen wird das Astrazeneca-Präparat nach Bekanntwerden von sehr seltenen schweren Nebenwirkungen vor allem bei jüngeren Frauen für Menschen ab 60. Aber auch Jüngere können sich damit impfen lassen.

Spahn verwies dafür auf „lebenspraktische Erwägungen“. So gebe es den Wunsch vieler Menschen, nicht so lange auf die Zweitimpfung warten zu müssen, um bereits für ihren Urlaub eine Bescheinigung über einen vollen Impfschutz zu bekommen.

Für die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna empfehlen die Hersteller einen kürzeren Impfabstand von drei beziehungsweise vier bis sechs Wochen. Die Wirksamkeit dieser Impfstoffe ist höher als die des Vakzins von Astrazeneca.

Die Impfquote in Deutschland stieg nach Angaben des RKI vom Freitag bei den Erstimpfungen auf 31,5 Prozent der Bevölkerung und beim vollständigen Impfschutz auf 8,8 Prozent. Insgesamt 26,2 Millionen Menschen erhielten zumindest eine erste Corona-Schutzimpfung. Einen deutlichen Anstieg gab es vor allem bei den Zweitimpfungen.

Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet hält ein Impfangebot für alle impfwilligen Menschen schon im Juli für möglich – zwei Monate früher als es Kanzlerin Angela Merkel in Aussicht gestellt hatte. „Ich halte es mit Blick auf die aktuellen Impfstofflieferungen für möglich, dass wir das Ziel früher erreichen können“, sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und CDU-Bundesvorsitzende der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Wenn „pragmatisch, strategisch und effektiv“ geimpft werde, „dann kann es auf jeden Fall klappen, dass das Versprechen der Kanzlerin nicht nur erfüllt, sondern übererfüllt wird“.

Der Ausgang des Kampfes gegen die Corona-Pandemie wird nach Einschätzung Laschets auch Einfluss auf die Bundestagswahl haben. „Ich glaube, viele Menschen werden ihre Entscheidung davon abhängig machen, wie wir aus der Corona-Krise kommen.“ Die Krise habe sehr viele Eingriffe in die Grundrechte mit sich gebracht. Deshalb müssen man sehr schnell mit dem Impfen vorankommen. „Wir sollten möglichst noch im Juli allen impfwilligen Menschen ein Impfangebot gemacht haben.“ Das Land sei aber auf die Impfstofflieferungen der Hersteller angewiesen.

Kanzlerin Merkel hatte den impfwilligen Menschen ein Angebot bis Ende des Sommers, also bis 21. September, in Aussicht gestellt.

(dpa)