Europa tritt geeint auf : „Das Traumteam von G7 ist G7“

Europa tritt geeint auf : „Das Traumteam von G7 ist G7“

Frankreichs Präsident hält US-Präsident Trump in Biarritz in Schach. Dafür nimmt sich die Bundeskanzlerin zurück. Nur, das neue Dreamteam sind die beiden für sie nicht.

Man hat das Gefühl, dass Angela Merkel diesen vielleicht wichtigsten aller Termine während des Gipfels schnell hinter sich bringen will. Normalerweise sind es nur ein paar Momente vor laufenden Kameras, dann schließen sich die Türen und das vertrauliche Gespräch kann beginnen. Viel Zeit ist ohnehin nicht, aber es gibt viel im kleinen Kreis zu besprechen. Und die Arbeitssitzungen drängen. Am Montag in Biarritz klappt es bei dem persönlichen Treffen mit dem Handschlag, den der US-Präsident der Bundeskanzlerin einst verweigerte. Beide sitzen mit ihren kleinen Delegationen vor der deutschen und der amerikanischen Flagge in einem ansonsten schmucklosen und engen Besprechungsraum nahe des Gipfelhotels.

Neues Treffen in Miami?

Donald Trump spricht von großer Einigkeit und einer freundlicher Stimmung bei diesem Treffen der Staats- und Regierungschefs der sieben Industrienationen unter französischer Präsidentschaft von Emmanuel Macron.

Er findet alles wundervoll und fantastisch. Er schwärmt von dem tollen Gipfelort und kündigt an, unter seiner G7-Präsidentschaft im nächsten Jahr werde der Gipfel an einem ganz besonders tollen Ort organisiert: Miami. In dieser Millionenmetropole im Süden Floridas werde es sehr kurze Wege zum Flughafen geben. Es sei ein großartiger Ort mit einem großen Gelände. Nicht auszuschließen, dass es eine eigene Immobilie des Präsidenten sein wird, ein Golfclub oder so etwas. Eigentlich erwartet man, dass Merkel gleich die Augen verdreht. Tut sie aber nicht.

„Sehr positive“ Gespräche

Auch Merkel nennt die Gespräche „sehr positiv“ und glaubt wohl, dass der öffentliche Auftritt mit dem Mann, mit dem sie ob seiner Sprunghaftigkeit und Polarisierung so wenig anfangen kann, dann auch gleich beendet sein wird. Aber Trump kommt ins Plaudern und beantwortet viele Fragen.

Zum heiklen Thema des von ihm gekündigten Atomabkommens mit dem Iran, zum Handelskrieg, den er mit Strafzöllen gegen China ausgelöst hat, zu Russland, das er im Gegensatz zu den anderen G7-Partnern gern wieder zum achten Partner machen würde.

In den nächsten 20 Minuten muss Merkel manches Mal tief durchatmen, sie schaut auf die Uhr und verzieht hin und wieder das Gesicht. Die Zeit wird nun knapp, um hinter den Kulissen untereinander weiter zu kommen. Trump nennt Merkel „brilliant“ und warnt davor, sie zu unterschätzen. Es wirkt gönnerhaft. Dann gibt er sich noch mit Deutschland verbunden. „I have German in my blood“, sagt er mit Blick auf deutsche Vorfahren. Es fließt also deutsches Blut durch seine Adern. Und er wolle auch sehr bald nach Deutschland kommen.

Der größte Erfolg dieses Gipfels dürfte sein, dass sich alle sieben Partner auf eine gemeinsame Linie im Umgang mit dem Iran geeinigt haben. Dabei hatte Macron den US-Präsidenten scharf provoziert. Gipfel-Kommuniqués liest kein Mensch, Politiker brauchen schöne Bilder und klare Botschaften – mit dieser Haltung war er in den G7-Gipfel gegangen. Und ist mit einem wichtigen Signal wieder herausgekommen: Er hat Regie geführt und Trump in Schach gehalten.

Dafür hat Merkel offensichtlich auch geschluckt, dass sie sozusagen erst im Anflug des iranischen Außenministers auf Biarritz von dessen Überraschungsbesuch am Sonntag erfahren hat. Der Graben zwischen Europa und Amerika ist schon tief genug. Da sollte es nicht auch noch Risse zwischen Deutschland und Frankreich geben. „Ich kann jetzt nicht sagen, ob das Flugzeug schon von Ihnen gesichtet war oder nicht. Aber wir sind jedenfalls zeitnah informiert worden“, sagt sie auf die Frage, wann ihr klar war, wie schnell Macron Fakten schaffen würde nach dem angeblich am Samstagabend einvernehmlich beschlossenen Bemühen um neue Verhandlungen mit dem Iran über seinen Verzicht auf Nuklearwaffen. Der Vorgang zeigt aber, dass Merkels Einfluss in Europa geschrumpft ist. Vergleichbares hat es bisher nicht gegeben.

Gefallen haben dürfte ihr aber, wie Macron damit verhindert hat, dass sich die ganze Aufmerksamkeit wieder auf den sprunghaften und polarisierenden US-Präsidenten richtet.

Europa tritt geeint auf

Merkel behandelt die Absprachen zum Iran wie ein rohes Ei. Es habe in Biarritz eine Atmosphäre gegeben, in der „in Koordinierung mit den USA“ Gespräche mit dem Iran begrüßt worden seien. „Das ist schon mal eine Menge“, sagt Merkel und spricht von einem „ungeheuer fragilen und schwierigen Prozess.“ Jegliche Voraussage, wie er ausgehen könnte, würde nur Schaden anrichten. Sie hebt heraus: „Europa ist hier sehr einheitlich aufgetreten.“ Und fügt hinzu: inklusive Boris Johnson. Außer beim Brexit war der neue britische Premier im Einklang mit seinen europäischen Partnern.

Macron unternimmt zum Abschluss noch einen Vorstoß in Richtung Trump. Ganz anderer Art, aber genauso klug. Entgegen aller bisherigen Gepflogenheiten bittet er ihn zu gemeinsamen Schlussbewertung des dreitägigen Treffens. Bild und Botschaft aus Biarritz: Der Westen wird zusammenhalten und wenn nicht, haben die Franzosen, die Europäer, die Lage im Griff. Und Merkel? Sie wird gefragt, ob Macron und Trump das neue Dreamteam von G7 seien. Und sie antwortet: „Das Traumteam von G7 ist G7.“

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