Düren: Christian Wulff redet in Düren über die große Weltpolitik

Düren: Christian Wulff redet in Düren über die große Weltpolitik

Auf der Autobahn, kurz hinter Köln, überlegt Christian Wulff, was er mit Düren verbindet. Der ehemalige Bundespräsident hat an diesem Abend einen Auftritt in der Birkesdorfer Festhalle und soll über die Lage Deutschlands in der Welt sprechen.

Wulff fällt auf der A4 der Manager der Fußballnationalmannschaft ein. Er weiß, dass Oliver Bierhoff in Düren aufgewachsen ist, er weiß, dass Bierhoffs Großvater Oberkreisdirektor in Düren war und dass sein Vater im Vorstand von RWE saß.

Als Wulff dann in Düren ankommt und sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen soll, erzählt Bürgermeister Paul Larue, dass Wulff schon einmal in Düren war, damals noch als Ministerpräsident von Niedersachsen. Wulff nickt. Bevor er die Treppe ins Rathauszimmer hochsteigt, redet er kurz mit einer Lokalpolitikerin, die ihn anspricht. Ein schnelles Handyfoto, dann geht es weiter zum Termin in die Festhalle. 250 Menschen sind da, der Saal ist ganz gut gefüllt. Wulff ist vom Verein „Dürener Stadtgespräch“ eingeladen, er kommt, ohne Gage zu verlangen. Der Erlös der Veranstaltung kommt Jugendprojekten zugute, bei denen die Sprachentwicklung gefördert werden soll.

Ulrich Stockheim ist Vorsitzender dieses Vereins und am Mittwochabend auch der Moderator. Der aus Düren stammende Kommunikationsberater sagt, dass man vereinbart habe, „Herr Wulff“ statt „Herr Bundespräsident“ zu sagen, obwohl Letzteres die korrekte Anrede sei.

Herr Wulff trägt wie früher als Herr Bundespräsident dunklen Anzug und Krawatte. Er wirkt aufgeräumt, entspannt und hat von Anfang an die Leute auf seiner Seite. Wulff behandelt in anderthalb Stunden die gesamte Weltpolitik, es geht um die Wahl in den USA, die EU, den Terror, die Türkei und die Freihandelsabkommen mit Kanada und den USA.

Es geht nicht um seinen Rücktritt 2012 und wie er heute die Zeit der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen ihn und seinen Freispruch bewertet. Weder der Moderator fragt danach, noch später das Publikum, das die Möglichkeit hat, mit Wulff direkt ins Gespräch zu kommen.

Die Politik und das Zeitgeschehen sind wichtiger an diesem Abend, nur ab und an ist eine Andeutung zu vernehmen, etwa, als Wulff sich zur Rolle der Medien einlässt.

Er spricht davon, wie wichtig guter Journalismus für die Demokratie sei und bemerkt in einem Nebensatz, dass er wisse, wovon er spreche. Da gibt es Beifall, verständnisvollen Beifall. Wulff lächelt und erzählt, dass er seiner Tochter mal ein Tageszeitungsabo geschenkt habe. Medien müssten sich heute klar vom Internet mit seinen „vielen kleinen Besserwissern“ abgrenzen, um wieder mehr Glaubwürdigkeit zu erlangen. Erneut Beifall.

Nach der Veranstaltung wird ein Besucher sagen, dass Wulff „über den Tellerrand hinausblickt“. Das habe ihm gefallen. Der Ex-Bundespräsident geht davon aus, dass Hillary Clinton die Wahl gewinnen wird. Er geht auch davon aus, dass es der EU gelingt, das Freihandelsabkommen TTIP mit den USA zu schließen. Er spricht auch über den Islam, der für ihn nach wie vor zu Deutschland gehört. Aber er sagt auch, dass Integration nur funktioniere, „wenn sich alle an die Regeln halten“. Wer in einer Flüchtlinsgsunterkunft von einer Frau kein Essen annehme, bekomme eben kein Essen, sagt er. Deutschland brauche eine klare Haltung.

Wulff wird auch nach der Bundespräsidentenwahl gefragt. Er ist, natürlich, professionell genug, keine Namen zu nennen. Er geht davon aus, dass „Merkel, Seehofer und Gabriel einen gemeinsamen Vorschlag machen, die Zeiten sind schwer genug“.

Ebenso wichtig sei, dass „der Kandidat oder die Kandidatin von einer breiten Mehrheit getragen wird“, schon bei der Wahl. Das sei bei Horst Köhler nicht so gewesen — und auch bei ihm nicht.

Aber das ist Vergangenheit und spielt an diesem Abend nicht weiter eine Rolle. Warum auch?