Kampf gegen Antisemitismus: Bundesbeauftragter baut Netzwerk gegen Judenhass auf

Kampf gegen Antisemitismus : Bundesbeauftragter baut Netzwerk gegen Judenhass auf

Mindestens jede zweite Woche wird in Deutschland ein jüdischer Friedhof geschändet. Immer wieder gibt es Meldungen über Beschimpfungen, Bespuckungen und Gewalt gegen Juden. Seit Mai 2018 kämpft der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, mit einer wachsenden Lobby gegen Judenfeindlichkeit.

Innerhalb weniger Tage melden Polizei und Israelitische Kultusgemeinde aus der Stadt München gleich zwei antisemitische Vorfälle. Ein Rabbiner und seine beiden Söhne wurden als „Scheiß Juden“ beleidigt und bespuckt. Ein Mitglied der jüdischen Gemeinde findet in seinem Wohnhaus eine Davidstern-Schmiererei.

„Die Angriffe auf Rabbiner und ihre Angehörigen in Berlin und München sind unerträglich. Wir dürfen Antisemitismus nicht dulden, sondern müssen uns entschieden und couragiert entgegenstellen. Jüdisches Leben gehört zu uns – zu unserer Gesellschaft, zu unserer Kultur und zu unserem Alltag. Das habe ich auch dem Berliner Rabbiner Yehuda Teichtal in einem Telefonat versichert. Dafür stehe ich ein“, sagt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, unserer Zeitung.

Klein ist seit Mai 2018 im Amt. Seine Stelle wurde neu geschaffen. Sein Netzwerk wächst. In dem gut einen Jahr ist es ihm gelungen, ein bundesweites Meldesystem für antisemitische Taten auch unterhalb der Strafbarkeitsschwelle aufzubauen. „Mittlerweile haben elf von 16 Ländern eigene Antisemitismusbeauftragte beziehungsweise zentrale Anlaufstellen. In drei weiteren Ländern soll eine solche Stelle geschaffen werden“, sagte Klein. Auch in der evangelischen Kirche gibt es nun Forderungen, einen Antisemitismusbeauftragten zu etablieren.

Vorbild für das zentrale Meldesystem judenfeindlicher Vorfälle, das Klein aus seinem Etat im Innenministerium unterstützt, sei die Berliner Recherche- und Informatio nsstelle Antisemitismus (RIAS). „Ziel ist es, die Realität von Antisemitismus in Deutschland für die gesamte Gesellschaft sichtbar zu machen und dadurch eine empirisch belegte Grundlage für seine Bekämpfung zu schaffen“, betonte Klein.

Insbesondere für die Präventionsarbeit sei es wichtig, dass man erfahre, aus welcher Motivation eine antisemitische Tat erfolge, ob sie etwa einen politisch rechten, linken oder islamistischen Hintergrund habe. Nicht immer lassen sich die Taten eindeutig zuordnen. Selbst der Experte Klein wundert sich oft genug. „Ich bin immer wieder schockiert, wie oft ich völlig unerwartet in Alltagssituationen antisemitische Äußerungen höre.“

Wichtige Verbündete im Kampf gegen den Antisemitismus sind für Klein die Länder. In diesem Sommer wurde eine eigene Bund-Länder-Kommission eingerichtet. Etwa 80 Prozent der Maßnahmen im Kampf gegen Antisemitismus seien Ländersache“, sagte Klein, weil die Länder etwa für Polizei, Bildung und Kultur zuständig seien. Ein besonderes Augenmerk möchte der Regierungsbeauftragte auf die Schulen legen. „Der Umgang mit Diskriminierungen und Antisemitismus muss verpflichtender Teil der Lehrerausbildung überall in Deutschland werden.“

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