1. Politik

Kommentar zur SPD: Beide Flügel müssen schlagen

Kommentar zur SPD : Beide Flügel müssen schlagen

Saskia Esken hat ihren Hut in den Ring geworfen. Sie will SPD-Chefin bleiben. Für den innerparteilichen Frieden ist das von Vorteil.

Nein, ein Liebling des Medienzirkus‘ ist sie nicht. Für viele war Saskia Esken nach ihrer Wahl zur SPD-Parteichefin vor knapp zwei Jahren ein bevorzugter Punchingball. Grundlegend ändern wird sich das auch künftig wohl nicht. Trotzdem wäre es für die Sozialdemokraten von Vorteil, sollte die Baden-Württembergerin weiterhin Vorsitzende bleiben.

Esken ist vielleicht die am heftigsten unterschätze Spitzenpolitikerin der SPD. Während des vergangenen Bundestagswahlkampfs war sie so klug, sich selbst ein gutes Stück zurückzunehmen. Wissend um ihr negatives Image in der Öffentlichkeit, überließ sie dem Kanzlerkandidaten Olaf Scholz allein die Bühne. In einem von persönlichen Eitelkeiten geprägten Geschäft ist das alles andere als selbstverständlich. Die Union hat das in der Person von Markus Söder schmerzhaft zu spüren bekommen. Esken hingegen trug mit ihrem Verhalten nicht unerheblich zum Wahlsieg der eigenen Partei bei.

Noch wichtiger aber war: An der Seite ihres Co-Vorsitzenden Norbert Walter-Borjans und von Partei-Vize Kevin Kühnert sorgte Esken dafür, dass die SPD seit Monaten geschlossen hinter Scholz steht. Als Repräsentantin der Parteilinken, jenes Flügels, der sich in der Vergangenheit personell oft von anderen Genossen übervorteilt sah, bewies sie integrative Kraft. Zugetraut hatten ihr das vorher nur wenige. Politisch ist Esken dadurch gewachsen.

Auch künftig könnte Esken diese Rolle ausfüllen. Zumal mit Lars Klingbeil wohl ein Parteifreund an die Stelle von Walter-Borjans rücken wird, der zu den Seeheimern zählt, also zu den etwas konservativeren Sozialdemokraten. Für die SPD aber gilt: Weit fliegen kann die Partei nur dann, wenn sie mit beiden Flügeln schlägt.

Deshalb wäre es unklug, würde Manuela Schwesig den Posten des weiblichen Parts in der Doppelspitze beanspruchen. Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern war in den vergangenen Tagen immer wieder als Kandidatin ins Gespräch gebracht worden. Sicher: Anders als die spröde und hölzern wirkende Esken hat die strahlende Wahlsiegerin aus dem hohen Norden ein gewisses Charisma. Sie ist eloquenter und kommt in Talkshow deutlich besser rüber. Aber den Fernseh-Löwen zu geben, für diese Aufgabe ist eh Klingbeil prädestiniert. Esken kann und muss für den innerparteilichen Frieden sorgen. Die fragile Ruhe durch eine Kampfkandidatur um den Parteivorsitz zu gefährden? Die Sozialdemokraten wären mit dem Klammerbeutel gepudert!