1. Politik

Armin Laschet: Vom Scheitern, Aufstehen, Durchbeißen

Kandidatur zum CDU-Vorsitz : Armin Laschet: Vom Scheitern, Aufstehen, Durchbeißen

Die Top-Karriere in der Politik ist Armin Laschet nicht geschenkt worden. Der Aachener Bergmannssohn hat sich nach Niederlagen und Rückschlägen in der Partei beharrlich nach oben gekämpft. Sein Erfolgsrezept: „Maß und Mitte“.

Zäh, ohne große Pose und vielleicht auch deshalb oft unterschätzt ist Armin Laschet auf der politischen Karriereleiter nach oben geklettert. Der Bergmannssohn aus Aachen brauchte viele Jahre, um sich an die Spitze zu kämpfen. Dabei musste der CDU-Politiker auch in eigenen Reihen schmerzhafte Niederlagen einstecken. Jetzt ist der nordrhein-westfälische Ministerpräsident auf dem Sprung in die höchste Etage der Bundespolitik.

Mit „Maß und Mitte“ hat der 59-jährige Aachener oft seinen Regierungskurs umrissen. Diese Attribute beschreiben auch wesentliche Merkmale, die ihn selbst auszeichnen: Er ist kein Charismatiker, dem überall auf Anhieb die Herzen zufliegen. Er ist auch kein Lautsprecher, sondern eher der Typ des soliden „Landesvaters“ mit rheinischer Frohnatur.

Laschet hat in seiner Partei die berühmte „Ochsentour“ durch sämtliche Ebenen der Politik durchgezogen – vom Aachener Stadtrat über den Bundestag, das Europaparlament hin zum Düsseldorfer Landtag – bis er 2017 Ministerpräsident in NRW wurde. Viele waren überrascht über seinen Wahlerfolg gegen die damalige Regierungschefin Hannelore Kraft (SPD) – auch Laschet selbst wirkte überwältigt.

„Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen: Was für ein Amt, was für eine Ehre – aber auch, was für eine Verantwortung“, sagte der studierte Jurist und ehemalige Journalist im Juni 2017 bei seiner Vereidigung im Parlament. Schon sechs Wochen nach der Landtagswahl besiegelte er Deutschlands derzeit einzige schwarz-gelbe Landesregierung. Dass das so schnell und geschmeidig über die Bühne ging, ist auch Laschets ausgleichender Art zuzuschreiben – eine Eigenschaft, mit der der kompromissorientierte Brückenbauer im aktuellen CDU-Machtkampf punkten konnte.

Weil er weniger laut auf die Trommel schlägt als viele ambitionierte Wettbewerber, ist Laschet allerdings jahrelang unterschätzt und auch in den eigenen Reihen oft als zweite Wahl angesehen worden. 2010 verlor er gleich zwei Machtkämpfe in der NRW-CDU und landete hinter Landtagsfraktionschef Karl-Josef Laumann und dem aus Berlin importierten neuen Landesparteichef Norbert Röttgen.

Dabei hatte sich Laschet von 2005 bis 2010 als erster Integrationsminister Deutschlands im schwarz-gelben Kabinett des damaligen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) durchaus profilieren können. Er stand und steht ausdrücklich für eine liberale Ausländerpolitik ohne Schaum vor dem Mund.

Richtig Fahrt nahm Laschets landespolitische Karriere auf, nachdem die NRW-CDU bei der vorgezogenen Landtagswahl 2012 auf einen historischen Tiefstand von 26,3 Prozent abgestürzt war und Röttgen infolgedessen abtreten musste. Bei einem Sonderparteitag wurde Laschet allerdings immer noch nicht Landeschef der Herzen, sondern zunächst nur mit verhaltenen 78 Prozent an die Spitze des mitgliederstärksten CDU-Landesverbands gewählt.

Der Sohn eines Bergmanns, dessen Vater auch erst im zweiten Anlauf zum Lehrer avanciert war, hat aber in den vergangenen Jahren durch Ausdauer, Fleiß und Harmonisierung der regionalen Parteigliederungen überzeugt. 2016 wurde er mit über 93 Prozent der Delegiertenstimmen als Landesparteichef bestätigt und ein Jahr später sogar mit mehr als 97 Prozent zum Spitzenkandidaten gewählt – der späte Lohn dafür, dass der verheiratete Vater dreier Kinder allen Niederlagen zum Trotz immer wieder aufsteht.

Laschet versteht sich als Problemlöser und Macher und inszeniert sich weniger als Visionär. „Zuhören, entscheiden, handeln“, lautete sein Motto. Mit dem Umzug seiner Staatskanzlei aus dem noblen gläsernen „Stadttor“ in Düsseldorf ins traditionelle alte Landeshaus am Rhein wollte er Bescheidenheit, Bodenständigkeit und Bürgernähe demonstrieren.

Tatsächlich wuchs Laschets Popularität in Wählerumfragen in den vergangenen Jahren stärker als die Zustimmungswerte für seine Regierung. In NRW löste er zahlreiche Wahlversprechen ein und legte beispielsweise den ersten Haushaltsplan ohne Neuverschuldung seit Jahrzehnten vor. Weitgehend reibungslos bewältigte Laschets Regierung den Abschied vom „Turbo-Abitur“ nach acht Jahren am Gymnasium.

Mit Verve brachte sich der CDU-Bundesvize in die Verhandlungen zum Ausstieg aus der Braunkohleverstromung in Deutschland und zum Strukturwandel in den betroffenen Regionen ein. Bei den Grünen brachte das dem Mann, der lange als Integrationsfigur für mögliche schwarz-grüne Bündnisse galt, allerdings Minus-Punkte ein. „Alle Versuche, sich als Ökologe zu tarnen, sind aus unserer Sicht absolut gescheitert“, attestierte ihm der Chef der NRW-Grünen, Felix Banaszak, unlängst. Bei den Verhandlungen zum Kohle-Ausstieg habe sich Laschet „auf der Gegenseite“ positioniert.

Laschets politisches Spektrum zwischen liberaler Integrationspolitik und entschiedenem Kampf gegen Clankriminalität „symbolisiert die Breite der CDU deutlicher als im Bund“, lobt dagegen der Düsseldorfer Politik-Professor Thomas Poguntke. Bei seinem Personal hatte Laschet allerdings nicht immer ein glückliches Händchen. Pannen und Affären einzelner Minister lieferten der Opposition häufig Vorlagen für Rücktrittsforderungen. Auf die Landespolitik hat sich Laschet nie beschränkt: Oft – und gerne auch in Talkshows – äußert er sich zu nationalen und internationalen Themen und hat in den vergangenen Jahren an politischem Format gewonnen.

(dpa)