Aachen: ARD-Journalist zeichnet feinfühliges Portrait von Martin Schulz

Aachen: ARD-Journalist zeichnet feinfühliges Portrait von Martin Schulz

„Na endlich.“ So dachte Rolf-Dieter Krause, als er erfuhr, dass der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, den Karlspreis erhält. Für den Leiter des ARD-Studios in Brüssel lag diese Auszeichnung lange schon nahe.

Zwar gebe es viele mögliche Kandidaten, doch unter denen steche Schulz heraus. Denn dem neuen Preisträger reiche nicht „die bloße Überzeugung. Er hat in den vergangenen Jahren durch Taten bewiesen, dass ihm die Demokratie wichtig ist“, sagte Krause auf einer Veranstaltung des Karlspreis-Rahmenprogramms in der Zentrale der Sparkasse Aachen.

Dort schlug Krause in einem feinfühligen Porträt den weiten Bogen vom Kommunal- zum führenden Europapolitiker. Schon während seiner Zeit als Bürgermeister von Würselen habe sich Schulz für die „kleineren Leute“ interessiert, Kontakt gesucht und vor allem ein Prinzip verstanden: Eine Demokratie funktioniert nur, wenn sie engagierte Wähler hat. Sie müssten aktiv in das politische Geschehen eingebunden werden. „Wähler müssen etwas zu entscheiden haben.“

Im Jahr 2014 findet Krause einen deutlichen Beleg dafür, dass dieses Prinzip Schulz wichtiger sei als eigene Anliegen. Zur Europawahl in jenem Jahr sei Schulz als Spitzenkandidat für den Posten des Kommissionspräsidenten ins Rennen gegangen, habe jedoch schlussendlich den siegreichen Christdemokraten Jean-Claude Juncker unterstützt und dessen Gegner zur Kooperation und zum Einlenken aufgerufen. Manchmal müsse zurückgesteckt werden, damit „die Wahl der Bürger einen Sinn hat“. Eine Niederlage sieht Krause darin keinesfalls, sondern eher einen Sieg für die Demokratie.

Schulz sei harte Auseinandersetzungen durchaus gewohnt. Er habe „keine Angst vor großen Tieren“ und sei ein „entschlossener Kämpfer“, stellt der Fernseh-Journalist fest. Nicht zuletzt persönliche Kämpfe hätten Schulz auf den Weg nach Europa geführt: Nach Alkoholproblemen in den 80er Jahren sei er schonungslos und ehrlich zu sich selbst gewesen. „Er hat seine Schwächen der Vergangenheit in Stärke umgewandelt“, betont Krause.

Europa durchsichtiger machen. Aus dem Mann der Region ist ein Mann Europas geworden, der für die Demokratisierung und Parlamentarisierung Europas stehe. „Er hat unseren Stimmen und unserer Demokratie mehr Bedeutung verliehen“, sagt Krause. Während seiner Laufbahn habe Schulz Kritik und Widerspruch erfahren. Doch solcher Widerspruch sei nötig und werde von Schulz geschätzt.

Ob als früherer Bürgermeister in Würselen oder als einer der Großen in der Europäischen Union — eine Sache sei stets gleich geblieben: Dem Europaparlamentspräsidenten seien die Menschen, die er seit Jahren vertritt, nicht egal.