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130 km/h auf Autobahnen: Umfrage zur Forderung von Tempolimit

Was halten Sie vom Tempolimit? : Verkehrssicherheitsrat spricht sich für 130 km/h auf deutschen Autobahnen aus

Rund ein Jahr lang debattierten die Mitgliedsverbände im Deutschen Verkehrssicherheitsrat über die Vor- und Nachteile eines generellen Tempolimits auf Autobahnen. Die SPD begrüßt den Beschluss und fordert die Union auf, den Weg für eine generelle Beschränkung auf Autobahnen freizumachen.

Der Dachverband, in dem auch prominente Lobbygruppen wie der Verband der Automobilindustrie oder der ADAC organisiert sind, spricht sich für ein generelles Tempolimit von 130 Stundenkilometern aus. Dadurch könnte die Zahl der Verkehrsopfer sinken, heißt es im Beschlusspapier.

Die Nachricht dieser Abstimmung heizt die Diskussion um ein Tempolimit wieder an, nachdem sich die SPD in der Koalition nicht durchsetzen konnte und auch im Bundestag koalitionstreu gegen Tempo 130 auf Autobahnen stimmte.

SPD-Chefin Saskia Esken erneuerte ihre Forderung an die Union, einer solchen Regelung in der Koalition zuzustimmen. „Der Chor der Befürworter eines generellen Tempolimits von 130 Stundenkilometern auf den Autobahnen wird immer größer: Auch der Deutsche Verkehrssicherheitsrat stimmt mit seinen 200 Mitgliedsorganisationen ein“, sagte Esken unserer Redaktion. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und CDU und CSU sollten sich den Argumenten der Fachleute ebenso wie der Mehrheit der Bundesbürger anschließen und den Weg zu einem Tempolimit freimachen.

Verbandsmitglieder uneins

Das Verkehrsministerium lehnt das jedoch ab und verweist darauf, dass bereits 30 Prozent der Autobahnkilometer ein Tempolimit hätten und sich nur sieben Prozent der Unfälle mit Personenschäden auf Autobahnen ereigneten.

Ähnliche Positionen vertreten auch Mitglieder des Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR), obwohl der Vorstand am Montagabend den Beschluss für ein Tempolimit fasste. Intern ist die Stimmung jetzt entsprechend schlecht. So erklärte der Geschäftsführer des Automobil-Clubs Verkehr, Holger Küster: „Wir sollten nicht zusehen, wie das Recht der Bürger auf individuelle Mobilität Stück für Stück auf dem Altar bekennender Autogegner geopfert wird.“

Das Abstimmungsergebnis war ohnehin knapp: Zehn DVR-Mitglieder votierten für das Tempolimit, vier dagegen, allerdings gab es elf Enthaltungen. Präsident Walter Eichendorf erklärte, es sei Aufgabe des DVR, sich für all die Maßnahmen einzusetzen, die Verkehrsunfälle mit Getöteten und Verletzten verhinderten. Dazu zähle auch das Tempolimit auf Autobahnen.

Besonders viel los ist auf deutschen Autobahnen derzeit nicht. Neue Zahlen machen deutlich, dass die Corona-Krise trotz der jüngsten Lockerungen weiterhin Auswirkungen auf das Verkehrsaufkommen hat. Auch in der vergangenen Woche war die Menge an Pkw-Verkehr in Nordrein-Westfalen um knapp 46 Prozent geringer als im gleichen Zeitraum 2018, auch gab es knapp 26 Prozent weniger Lkw-Verkehr. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor.