Kreis Düren: Podiumsdiskussion: Geht Biogas auf Kosten der Artenvielfalt?

Kreis Düren: Podiumsdiskussion: Geht Biogas auf Kosten der Artenvielfalt?

Eine Podiumsdiskussion, zu der der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Kreis Düren nach seiner Jahreshauptversammlung eingeladen hatte, stieß auf reges Interesse. Im Komm-Zentrum in Düren hatte sich ein fachkundiges Publikum aus Vertretern der Landwirtschaft, dem Forschungszentrum, betroffenen Bürgern und Naturschützern zusammengefunden.

Es galt zu klären, ob Klimaschutz durch vermehrten Einsatz von Biogas auf Kosten der Artenvielfalt gehe und somit abzulehnen sei, erklärte BUND-Kreisvorsitzender Walter Jordans zur Einführung. Da bis zu zehn Biogasanlagen im Kreis Düren in Planung seien, werde das Thema auch in den Umweltverbänden kontrovers diskutiert.

Diplom-Ingenieur Jürgen Neuß vom Planungsbüro Berg & Partner aus Aachen stellte die Vorteile der Biogastechnologie dar. Er wies darauf hin, dass neue Anlagen keineswegs nur auf den Rohstoff Mais angewiesen sind, sondern auch Gras, Stroh, Rüben und Wildkräuter verarbeiten könnten. Mit fortschreitender Forschung könnten heute schon ähnlich hohe, an manchen Standorten auch bereits höhere Gaserträge als bei Mais erzielt werden. Insofern werde der Maisanbau zur Produktion von Biogas in Zukunft eher rückläufig sein.

Friedrich Ostendorff (MdB), Landwirt und Mitglied des BUND- Landesvorstandes, verwies auf Regionen, in denen der Mais mit 50 Prozent Anbaufläche längst zur Plage geworden sei, allerdings nicht für den Einsatz in Biogasanlagen, sondern vor allem für die Massentierhaltung. Dies sei aus natur- und umweltfachlichen Gründen nicht hinzunehmen, dies sei das Resultat einer verfehlten Agrarpolitik, die weniger auf bäuerliche Betriebe setze, sondern auf industrielle Massenproduktion mit all ihren negativen Folgen für Artenvielfalt, Boden und Grundwasser. Davon sei unsere Region mit etwa drei Prozent Maisanteil aber noch weit entfernt.

Der Verlust der Artenvielfalt im Kreis Düren habe sich aber in den letzten 40 Jahren dramatisch entwickelt. Insbesondere in den Agrarökosystemen seien die Tiere der Feldflur erheblich unter Druck geraten. So würden Rebhühner, Wachteln, Feldhamster, Feldlerchen und Grauammern immer seltener. Ursache sei eine immer intensivere Landwirtschaft, der allgemein hohe Landschaftsverbrauch durch Wohn- und Gewerbegebiete, Tagebaue und der Neubau von Straßen.

Ostendorff versprach, sich in Berlin bei der Novellierung des Erneuerbare Energiengesetzes (EEG) für eine bessere Berücksichtigung der Biodiversität einzusetzen, Fehlförderungen zurück zu fahren und Ansätze für eine umweltverträglichere Biogasproduktion zu unterstützen. Bis dahin sei es sinnvoll, solche Bedingungen zum Bestandteil der Anbau- und Lieferverträge zu machen.

Das Versprechen eines Landwirtes aus Kreuzau, Teilhaber der künftigen Biogasanlage in Kleinhau, er werde mit dem Anbau von Wildkräutermischungen als Alternative zu Mais beginnen, stieß auf allgemeine Zustimmung.

Der Einwand aus dem Publikum, Holzvergasung sei die effektivere Technologie zur Verarbeitung nachwachsender Rohstoffe wurde mit dem Hinweis auf das im November geplante Symposium „Wald & Holz” zurückgestellt.

Fazit des Abends: Erneuerbare Energien sind nicht grundsätzlich gute Energien. Jede Energienutzung ist ein Eingriff in Naturlandschaft. Aber anders als Kohle, Erdöl, Erdgas und Uran seien Wind-, Sonnen-, Bioenergie potenziell nachhaltig. Das heißt im Falle von Biogas gilt es, sorgfältig abzuwägen zwischen Ackerbau und Energiegewinnung, zwischen einer auf maximalen Energieertrag ausgerichteten Bewirtschaftung und einer an ökologischen Kriterien orientierten Landnutzung.

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